Bern

In Bern schlafen 21 Menschen draussen

BernZürich vermeldet diesen Winter stark steigende Zahlen von Obdachlosen. In Bern leben im Moment 21 Menschen auf der Strasse. Es wäre möglich, für alle einen Schlafplatz an der Wärme zu organisieren – aber nicht alle Obdachlosen wollen das.

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Auf einer Isoliermatte, im Schlafsack und mit warmer Kleidung – so verbringen in der Stadt Bern momentan 21 Menschen die eisigen Nächte draussen – schlafend oder unterwegs von einem Ort zum anderen. 18 Männer und 3 Frauen sind obdachlos. Diese Zahlen haben die Mitarbeitenden von Pinto während ihrer Rundgänge erhoben. «Wie viele Menschen auf der Strasse leben, kann von Woche zu Woche schwanken», sagt Silvio Flückiger, Leiter der städtischen Interventionsgruppe Pinto.

In Bern steige die Zahl der Obdachlosen seit Jahren kontinuierlich, aber nicht in dem Ausmass, wie dies in anderen Städten der Fall sei. Gemäss einem Bericht des Schweizer Fernsehens verzeichnet Zürich diesen Winter einen alarmierenden Anstieg (s. Kasten).

Flückiger sagt, man müsse dabei aber auch berücksichtigen, dass nicht alle Städte «obdachlos» gleich definierten. Dazu zählt man in Bern diejenigen Menschen, die tatsächlich auf der Strasse lebten, in anderen Schweizer Städten aber alle, die keine meldefähige Adresse angeben könnten. Zudem zögen Genf als Grenzstadt oder Zürich als Ballungszentrum natürlich mehr Menschen an als Bern.

80 Schlafplätze an der Wärme

Obdachlose können in der Notschlafstelle Sleeper und im Passantenheim der Heilsarmee einen Schlafplatz an der Wärme bekommen. Insgesamt 70 Betten gibt es in den beiden Häusern, im Passantenheim können zusätzlich noch 10 Plätze für Notfälle eingerichtet werden. «Wir könnten allen Obdachlosen ein warmes Bett organisieren», sagt Silvio Flückiger. Aber nicht alle ­Obdachlosen wollen das. Vor allem Menschen mit psychischen Krankheiten hätten oftmals Angst, in einem geschlossenen Raum zu übernachten.

«Manche ertragen die Nähe zu anderen nicht, andere fürchten, sie würden in so einem Haus überwacht», sagt Flückiger. Pinto versucht wenn immer möglich, den Obdachlosen die Wahl zu lassen. «Wir rüsten dann die obdachlose Person wenigstens mit warmer Kleidung und einem Winterschlafsack aus», sagt Flückiger. In – meist medizinisch bedingten – Notfällen kann Pinto jemanden in eine Institution einweisen. «Wir versuchen das zu ver­meiden.»

«Manche ertragen die Nähe zu ­anderen nicht, andere fürchten,  sie würden  in so einem Haus ­überwacht.»Silvio Flückiger
Leiter von Pinto

Die Arbeit mit Obdachlosen ist nicht auf die kalte Jahreszeit beschränkt, das stellt Silvio Flückiger klar. Im Frühling und Sommer versuche man, für so viele Menschen wie möglich einen ­stabilen Wohnplatz zu finden.

Wenigstens tagsüber drinnen

Wer bei solchen Temperaturen draussen übernachtet, schläft oft nicht richtig. Es gibt Obdachlose, die während der Nacht «von einem warmen Plätzchen zum nächsten ziehen» und versuchen, tagsüber an einem Ort zu schlafen. «Wir kümmern uns darum, dass die Leute wissen, wo sie sich tagsüber an der Wärme aufhalten dürfen, wo sie ein Zmorge bekommen oder wo sie sich und ihre Kleider waschen können», sagt Flückiger.

Die Gründe, weshalb jemand auf der Strasse landet, sind vielfältig. Bei den meisten stünden psychische Probleme und Suchtkrankheiten im Vordergrund. Die Mitarbeitenden von Pinto kennen «ihre» Klienten, und diese kennen sie. «Bern ist klein. Das macht es einfacher, zu wissen, wer aktuell auf der Strasse lebt.» Die meisten der 21 Obdachlosen kämen aus der Stadt und der Region Bern, sagt Flückiger. Diesen Menschen gilt das besondere Augenmerk von Pinto. «Sie sind sehr verletzlich.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.12.2017, 06:11 Uhr

Schweizweit mehr Obdachlose

Eine einheitliche nationale Statistik zur Anzahl obdachloser Menschen gibt es nicht. Die Städte erheben die Zahlen individuell und nicht alle nach dem gleichen System (siehe Haupttext). Gesamtschweizerisch gebe es aber deutliche Zeichen für eine zahlenmässige Zunahme von Menschen ohne festen Wohnsitz, berichtete die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens letzte Woche.

Diese Tendenz bekommen die Institutionen zu spüren, die sich für Obdachlose einsetzen. So erzählte Monika Christen, Leiterin des «Pfuusbus» in Zürich, dass seit dem Start der Wintersaison Ende November bereits doppelt so viele Menschen wie letztes Jahr das Angebot genutzt hätten. 40 Obdachlose wurden dort beherbergt. Der «Pfuusbus» ist eine Einrichtung der Sozialwerke von Pfarrer Ernst Sieber.mm

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