«In Bern hört man gewisse Dinge früher als anderswo»

Sie ist eine Bank mit einem speziellen Besitzer: Die LGT Bank gehört dem Fürstenhaus von Liechtenstein. Stiftungsratspräsident Prinz Philipp war am Mittwoch in Bern. Er erklärt, wieso die Niederlassung in der Hauptstadt wichtig ist.

<b>Durchlaucht:</b> Prinz Philipp von und zu Liechtenstein will an der Präsenz der LGT Bank in Bern unbedingt festhalten.

Durchlaucht: Prinz Philipp von und zu Liechtenstein will an der Präsenz der LGT Bank in Bern unbedingt festhalten. Bild: Beat Mathys

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Die LGT Bank ist schon seit vielen ­Jahren in der Stadt Bern präsent. ­Welche Bedeutung hat diese Niederlassung für die Bank?
Prinz Philipp von und zu Liechtenstein: Bern ist für uns ein interessanter Standort. Unsere Kundenzahl hat sich hier seit dem Jahr 2004 verdoppelt. Wir haben viele langjährige Kunden und uns in der Region Mittelland ein schönes Netz aufgebaut. Die Region Mittelland ist ein grosses Gebiet. Bern liegt in deren Zen­trum und ist die Hauptstadt der Schweiz. Da müssen wir präsent sein. Auch weil man vielleicht ein paar Dinge früher hört als anderswo.

Sie meinen, weil Bern die Hauptstadt ist?
Ja, das spielt auch eine gewisse Rolle. In Bern kann man Gespräche mit Leuten führen, die uns interessante Einblicke geben können. Ganz einfach, weil in Bern viele Sachen zusammenlaufen.

Alles bestens also auf dem Bankenplatz Bern?
Nicht ganz. In Bern sind über 25 Banken vertreten. Da frage ich mich, ob für alle die Rechnung aufgeht.

In Bern hat es über 25 Banken. Ich frage mich, ob da für alle die Rechnung aufgeht.Prinz Philipp von und zu Liechtenstein

Geht die Rechnung für die LGT in Bern auf?
Ja.

Wie wichtig ist für Ihre Kunden der Faktor, dass die Bank dem Fürstenhaus von Liechtenstein gehört?
Die LGT hat eine klare Strategie: Sie konzentriert sich auf das Private Banking und das Asset-Management. Sie ist heute die weltweit grösste von einer ­Familie gehaltene Bank. Ich denke, unsere Kunden schätzen es zu wissen, dass die Fürstenfamilie engagiert ist. Der Eigentümer der LGT kann nicht einfach weglaufen.

Laden Sie Ihre ganz wichtigen Kunden auch nach Liechtenstein ein?
Die Fürstenfamilie achtet genau darauf, dass es keine Interessenkonflikte zwischen den eigenen unternehmerischen Aktivitäten und ihrer politischen Tätigkeit gibt. Und dass sie sich aufgrund ihrer Stellung keine Vorurteile verschafft. Für einige Anlässe ­laden wir Kunden in die zwei Palais der Familie nach Wien ein.

Vor Jahresfrist hat die Fürstenfamilie von Liechtenstein einen Teil ihrer Sammlung für eine grosse Ausstellung an das Kunst­museum Bern ausgeliehen. Wie ­beurteilen Sie die langfristige Wirkung dieser Aktion?
So etwas lässt sich natürlich nicht ­mathematisch belegen. Aber die Kunstausstellung hatte einen enormen Wi­derhall.

In diesem Jahr werden erstmals Bankdaten von ausländischen Kunden via den Bund an deren Heimatstaat fliessen. Haben Sie die Daten der Kunden der LGT Schweiz geliefert?
Wir haben schon vor einiger Zeit alles vorbereitet. Die Daten für 2017 werden aber erst im dritten Quartal dieses Jahres an die Eidgenössische Steuerver­waltung fliessen. Liechtenstein hat den ­Informationsaustausch bereits ein Jahr ­früher eingeführt. Da flossen die Daten erstmals im Juli 2017.

Wie viele Kundengelder sind wegen der Einführung des Informationsaustausches bei der LGT Schweiz ­abgeflossen?
Wir haben keine ausserordentlichen ­Abflüsse aufgrund des automatischen ­Informationsaustausches festgestellt. Im Gegenteil, wir konnten auch im Jahr 2017 aus verschiedenen von diesem Austausch betroffenen Ländern einen erfreulichen Zufluss von Kundengeldern verbuchen.

Die Börsen haben im vergangenen Jahr neue Höchststände erreicht. War es ein Traumjahr für Privatebanker?
Von der Entwicklung an den Börsen- und Obligationenmärkten her war es ­sicher ein sehr interessantes Jahr. Auf der anderen Seite kam eine ganze Reihe von Weisungen und Regulierungen auf uns zu. Das erfordert ziemlich hohe Investitionen in die Infrastruktur und die Ausbildung der Mitarbeiter. Vor ­allem für die kleineren Banken ist dies eine enorme Belastung.

Finden Sie denn die Regulierungs­dichte übertrieben?
Je durchdachter eine Vorschrift ist, desto weniger braucht es davon. Jede Regulierung hat immer unerwartete Konsequenzen, zum Beispiel neue Vorschriften. Das ist ein ­inflationärer Prozess. Und am Schluss hat man einfach Berge von Vorschriften und Gesetzen. Und ­Tonnen von Papier. Positiv aber ist, dass Regulierungen für Systemstabilität, Rechtssicherheit und Anlegerschutz sorgen. Das sind wichtige Pfeiler für den Finanzplatz Schweiz.

Die weltweiten Börsen erreichen ­ständig neue Höchststände. Für wie gross ­beurteilen Sie die Gefahr, dass sich ­Blasen entwickeln?
Derzeit sieht es im Grossen und Ganzen nicht nach einer Blasenentwicklung aus. Fast alle Volkswirtschaften wachsen.

Die Entwicklung des Bitcoin beurteilen wir als spekulativ.Prinz Philipp von und zu Liechtenstein

Sie sagen, «im Grossen und Ganzen» gebe es keine Blasenentwicklung. Das deutet darauf hin, dass es in gewissen Bereichen eine solche gibt. Wo?
Die Entwicklung in Sachen Bitcoin und Blockchain ist jüngst stark in den Vordergrund gerückt. Dort hat sich eine grosse Blase gebildet. Wie es weitergeht, ist offen.

Bietet die LGT bald auch Bitcoin-Produkte an?
Wir haben uns hier stark zurückgehalten, weil wir die Entwicklung als sehr spekulativ beurteilen. Zudem ist ein ­Bitcoin heute aufgrund der enormen Schwankungen noch kein verlässliches Zahlungs­mittel. Auf der anderen Seite wird es interessant sein zu sehen, welche Entwicklung die Blockchain-Technologie noch bringen wird. Es ist nicht aus­zuschliessen, dass sie Zahlungen viel billiger machen wird, als dies heute der Fall ist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2018, 08:36 Uhr

Der Prinz und die Bank

Prinz Philipp von und zu Liechtenstein weilte am Dienstagabend und am Mittwoch für Kundenanlässe der fürstlichen ­LGT Bank in Bern. Er ist Präsident der LGT Group Stiftung, der Besitzerin der fürstlichen Bank.

Der 71-Jährige ist der Onkel von ­Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, der die Regierungsgeschäfte führt. Durchlaucht ist seine korrekte ­Anrede. Prinz Philipp ein angenehmer Gesprächspartner mit einem weiten Horizont, der nach einer gewissen ­Anlaufzeit auch Klartext spricht.

Die LGT Bank verwaltet Vermögen von über 180 Milliarden Franken und beschäftigt über 2600 Mitarbeiter. In der Schweiz waren es Ende 2016 rund 34,6 Milliarden. Laut Bruno Piller, dem Verantwortlichen des Schweiz-Geschäfts, nahm diese Zahl 2017 um rund 11 Prozent zu. Genaue Zahlen publiziert die Bank im Frühling. In Bern beschäftigt die LGT 24 Mitarbeiter, die von Beat Buri geführt werden.

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