«In 50 Rennen ist bisher kein gröberer Unfall passiert»

Am 22. Juni um 18 Uhr startet der E-Prix in Bern. Im Interview spricht Pascal Derron, CEO der Swiss E-Prix Operations AG, über das bevorstehende Rennen.

Pascal Derron bei der Schlüsselstelle des Berner E-Prix: Die E-Boliden werden den Betonblock im Bärengraben-Kreisel umfahren, nach dem Rennen findet hier die Siegerehrung statt.

Pascal Derron bei der Schlüsselstelle des Berner E-Prix: Die E-Boliden werden den Betonblock im Bärengraben-Kreisel umfahren, nach dem Rennen findet hier die Siegerehrung statt.

(Bild: Nicole Philipp)

Markus Ehinger@ehiBE

Wie laufen die Vorbereitungen zum E-Prix 2019?
Pascal Derron: Wir sind sehr weit fortgeschritten, die meisten Details sind geklärt, die Zusammenarbeit mit der Stadt Bern ist sehr gut. Das Programm wird derzeit finalisiert und demnächst veröffentlicht. Auch der Rennstart ist jetzt definiert. Das Rennen findet am 22. Juni zwischen 18 und 19 Uhr statt.

Müssen sich Bernerinnen und Berner auf lange und laute Baustellen einstellen?
Die Berner Strecke erlaubt es, dass wir im Strassenbau massiv weniger machen müssen als in Zürich. Es gibt einige Ampeln und Strasseninseln, die in kleineren Tagesbaustellen abgebaut werden müssen. Wir bauen so wenig wie möglich. Der Kreisel beim Bärengraben bleibt bestehen und wird von den E-Rennwagen umfahren. Die Strassenverhältnisse sind recht gut. Neu asphaltieren muss man nicht, wir werden nur einige wenige Schlaglöcher ausbessern.

Wann starten die Bauarbeiten? Und wann sind sie zu Ende?
Die richtig sichtbaren Arbeiten für die temporären Bauten beginnen am 11. Juni. Die Strassenbauten beginnen Ende Mai, Anfang Juni. Bis Ende Juni sind die grössten Abbauarbeiten zu Ende.

Was macht den Charakter der Berner Strecke aus?
Eine der Schlüsselstellen wird sicher beim Bärengraben sein. Speziell und einzigartig im Rennkalender ist die Steilheit. Man fährt den Aargauerstalden runter und dann den Grossen Muristalden wieder rauf. Zum Teil sind die Strassen sehr eng, etwa beim Laubeggschulhaus, wo die Strasse nur 6,5 Meter breit ist. Interessant wird auch die Schikane auf der Laubeggstrasse sein, wenn man runter zum Aargauerstalden fährt.

Warum finden die Rennen in Wohnquartieren statt?
Das hat mit den Begebenheiten in der Schweiz zu tun. Der Schweizer Städtebau ist historisch bedingt sehr kompakt. Entsprechend hat man nicht so viel Platz. Die Berner Strecke haben wir zusammen mit der Stadt evaluiert. Und wir sind nach wie vor überzeugt, die beste Variante gefunden zu haben.

Wie halten Sie die zum Teil kritischen Anwohnerinnen und Anwohner bei Laune?
Wir wollen sie nicht bei Laune halten. Vielmehr wollen wir ehrlich und transparent informieren. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen das Rennen mitverfolgen können und Spass haben. Fremde Leute sollen keinen Zugang ins Quartier erhalten, die Anwohner und deren Besucher erreichen es über Passerellen. Es geht uns jetzt vor allem darum, Probleme zu lösen und Bedenken aus dem Weg zu räumen. Die Anwohnerinformation ist ein hervorragendes Qualitätskontrollsystem. Hier tauchen manchmal auch Fragen auf, denen wir zuvo2r vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit schenkten. Ich denke etwa an das Thema Sicherheit auf dem Schulweg.

Das E-Village erstreckt sich vom Zytglogge bis zur Nydeggbrücke. Sie rühren mit dergrossen Kelle an.
Es wird tatsächlich viel gebaut. Die Besucher werden erfahren, womit sich die Unternehmen im Bereich E-Mobilität befassen. Erfahrungsgemäss kommen sehr viele Familien. Entsprechend wird es auch eine Kids-Zone in der Altstadt geben.

Die Politik fordert Öko-Strom. Woher kommt der Strom?
Dass die E-Rennwagen mit Öko-Strom fahren, ist für uns selbstverständlich – auch ohne politischen Vorstoss. Das haben wir auch in Zürich so gemacht. Wir arbeiten mit EWB zusammen.

Gab es eigentlich früher bei E-Rennen schon Unfälle? Ist das Rennen für Zuschauer sicher?
Formel-E-Rennen sind spektakulär, es passiert viel, weil die Autos sehr agil sind und sich öfter berühren. Weil die Fahrzeuge leicht sind, sind sie aber auch sicherer als etwa Formel-1-Boliden. In den bisherigen rund 50 Rennen ist kein gröberer Unfall passiert. Sollte dennoch mal etwas geschehen, haben wir gute Sicherheitssysteme.

Welche Berner Unternehmen profitieren vom E-Prix?
Wir arbeiten wenn immer möglich mit lokalen Unternehmen zusammen. Einerseits kompensieren wir den CO2, gerade bei den Bauarbeiten. Da macht es Sinn, wenn möglichst kurze Fahrten unternommen werden müssen. Andererseits wollen wir einfach auch das lokale Gewerbe unterstützen. Das generiert eine hohe Wertschöpfung.

Das gilt wohl auch für den Tourismus.
Ganz bestimmt. Am Rennwochenende sind offenbar schon viele Hotels bereits jetzt ausgebucht, und auch unser Hotelangebot auf der Swiss-E-Prix-Webseite wird stark nachgefragt. Die Stadt Bern wird dank des E-Prix in die Welt hinausgetragen.

Es gibt aber Kritik, wonach der E-Prix nicht ökologisch sei.
Es gibt praktisch keine Grossanlässe, die ökologisch sind. Wir thematisieren aber Nachhaltigkeit und E-Mobilität. CO2-neutral ist heutzutage praktisch nichts. Wichtig ist jedoch, dass wir den CO2 gering halten können.

Was sagen Sie zur Kritik,wonach der Staat Saudiarabien Sponsor der Rennserie ist?
Ich verstehen den Vorwurf nicht ganz und kann dazu nicht viel sagen. Fakt ist: Wir nehmen kein Geld von Saudiarabien. Wir sind ein unabhängiges Unternehmen.

Rechnen Sie mit Widerstandsaktionen?
Es gibt überall Leute, die den Anlass gut oder weniger gut finden. Und bei uns gilt die Meinungsäusserungsfreiheit. Über Nachhaltigkeit kann und soll man diskutieren.

2020 wird der E-Prix wieder in Zürich ausgetragen, 2021 ist Genf an der Reihe. Auch Lausanne und Lugano haben schon Interesse angemeldet. Findet der E-Prix nun zum ersten und letzten Mal in Bern statt?
Viele Städte bemühen sich um das Formel-E-Rennen. Wir wollen den E-Prix in einer Stadt austragen, die Charme hat. Bern hat mit dem Weltkulturerbe eine enorme Ausstrahlung. Ich würde gerne wieder zurück nach Bern kommen. Das diesjährige Rennen wird im Anschluss analysiert. Dann schauen wir weiter.

Berner Zeitung

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