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Immobilienverwaltungen fühlen sich von den Sozialämtern alleingelassen

Für Sozialhilfebezüger ist es zunehmend schwierig, eine Wohnung zu finden. Die strenge Handhabung der Sozialämter macht jedoch auch die Situation der Vermieter nicht einfacher.

Eine Vermieterin sagt, sie wolle keine Sozialhilfeempfänger mehr in ihren Immobilien. Die Gründe: Mietzinsausstände, stark beschädigte Wohnungen und Exmissionen (polizeiliche Ausweisungen aus Wohnungen).
Eine Vermieterin sagt, sie wolle keine Sozialhilfeempfänger mehr in ihren Immobilien. Die Gründe: Mietzinsausstände, stark beschädigte Wohnungen und Exmissionen (polizeiliche Ausweisungen aus Wohnungen).
Keystone

Eine Umfrage bei grossen Immobilienverwaltungen in der Region Bern zeigt: Auch bei den Vermietern sorgt die strengere Handhabung seitens der Sozialämter für ein Umdenken – jedoch im negativen Sinn.

Fast alle befragten Unternehmen vermieten zurzeit Wohnungen an Sozialhilfeempfänger. Und ihr Tenor gleicht sich: Man wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Sozialämter.

«Einige Sozialdienste geben sich Mühe, bis der Mieter eine Wohnung gefunden hat. Dann vernachlässigen sie ihn aber. Und auch den Eigentümer der Liegenschaft oder deren Verwaltung unterstützen sie nicht mehr», sagt beispielsweise Roger Niederer, Geschäftsleiter der Niederer AG aus Ostermundigen.

Seine Erfahrungen mit Sozialhilfebezügern als Mieter sind sehr unterschiedlich: «Es kommt auf den zuständigen Sozialdienst und natürlich auf den Mieter selbst an», so Niederer.

Ähnliche Ansichten vertritt Andreas Schlecht, Geschäftsleiter und Inhaber der AS Immobilien AG: «Wenn das Sozialamt als Vertragspartner auftritt, ist es in der Regel einfacher für uns.»

Er habe positive wie negative Erfahrungen gemacht, so Schlecht. «Tendenziell lässt sich aber sagen, dass Mietverhältnisse mit Sozialhilfebezügern etwas aufwendiger sind als andere.»

Mietzinsausstände und stark beschädigte Wohnungen

Bei den Grossverwaltungen Privera AG und Livit AG hat man unterschiedliche Handhabungen. Die Livit, ein Tochterunternehmen der Swiss Life, vermietet keine Wohnungen mehr direkt an Sozialhilfebezüger, sondern nur noch via Dritte.

Sprich: Vertragspartner ist eine soziale Institution. Die Privera vermietet Wohnungen auch direkt, jedoch gibt es je nach Eigentümer der Liegenschaft klare Vorgaben, welche Mieter in Betracht gezogen werden.

Einige der angefragten Verwaltungen wollten zum Thema nur anonym Stellung nehmen. Eine Vermieterin gibt an, seit kurzem keine Wohnungen mehr an Sozialhilfebezüger zu vermieten.

Dazu geführt haben hohe Mietzinsausstände, stark beschädigte Wohnungen und Exmissionen (polizeiliche Ausweisungen aus Wohnungen). Eine Mitschuld tragen laut der Verwalterin die Sozialämter.

Es gebe zwischen den Gemeinden grosse Unterschiede, was die Hilfsbereitschaft gegenüber der Verwaltung anbelange. Grundsätzlich sei jedoch zu sagen, dass die Zusammenarbeit sehr verbesserungswürdig sei. Die jetzige Situation sei für viele Verwaltungen nicht mehr tragbar.

Eine weitere grosse Immobilienverwaltung in der Region hat mit den Sozialämtern negative Erfahrungen gemacht. Unterschiede bestünden von Gemeinde zu Gemeinde und noch viel extremer von Person zu Person.

Es gebe Sozialarbeiter, welche auch die Pflichten ihrer Klienten durchsetzen würden und nicht nur die Rechte. Diese grossen Unterschiede bestehen auch unter den Sozialhilfebezügern selbst.

Der Vermieter hat daher eine bevorzugte Gruppe ausgemacht: «Alleinerziehende Mütter und Väter: Die wollen in Ruhe leben und haben keine Zeit, uns x-mal täglich anzurufen wegen Kleinigkeiten.»

qsc

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