Immer weniger Lehrer fahren Ski

Die Durchführung der Skilager steht immer wieder auf der Kippe. Sei es wegen des damit verbundenen Mehraufwands oder aus finanziellen Gründen. Und neuerdings auch, weil weniger Lehrkräfte Ski fahren können.

Auf den Pisten werden Schülerinnen und Schüler ­vermehrt von Hilfsleiter betreut.

Auf den Pisten werden Schülerinnen und Schüler ­vermehrt von Hilfsleiter betreut.

(Bild: Fotolia)

Der Wind pfeift um die Ohren. In die Kurve liegen und dann in die Knie gehen, um Tempo aufzunehmen. Auf dem Brett oder den Ski die Piste hinuntersausen, darauf freuen sich viele Schülerinnen und Schüler. Nun ist es bald wieder so weit: Sie fahren ins Skilager. Doch welche Herausforderungen stellen sich den anderen Beteiligten?

«Es fahren nicht nur immer weniger Kinder Ski oder Snowboard, sondern auch bei Lehrern und Lehrerinnen nimmt die Zahl ab», sagt Sam Meyer, Schulleiter in Niederscherli. «Dass man Ski fahren kann, ist nicht mehr die Norm – auch bei den Lehrkräften nicht.» Zudem könne bei Lehrpersonen im höheren Alter der Schneesport die Gesundheit belasten.

In Ittigen geht Bernhard Kormann, Schulleiter des Oberstufenzentrums, diesem Problem ganz gezielt aus dem Weg. «Wenn wir eine neue Lehrperson einstellen, gehört es zu unseren Anforderungen, dass sie Ski oder Snowboard fahren kann», sagt er. Wenn sie dazu noch eine Ausbildung von Jugend und Sport (J + S) habe, sei dies optimal.

Auch der Schulleiter des Oberstufenzentrums Köniz, Peter Rohrer, fragt beim Vorstellungsgespräch die Lehrperson, ob sie im Schneesport erfahren sei. «Es ist durchaus ein Pluspunkt, aber keine Bedingung», sagt er. Dennoch könnten die meisten angestellten Lehrkräfte Ski fahren.

Bei anderen Schulen in der Gemeinde Köniz ist der Tenor ähnlich. Niels Lang von der Schule Wangental sagt: «Dass Lehrkräfte nicht Skifahren können, ist bei uns ist kein Thema.» Er fügt allerdings hinzu, dass Lehrer eher selten eine J + S-Ausbildung hätten.

Mehr Hilfspersonal

An der Pädagogischen Hochschule PH Bern ist im Studiengang Vorschulstufe und Primarschule keine Schneesportausbildung integriert. Ein Basis-Pool-Brevet hingegen schon. Über Coachs der PH Bern haben Studierende die Möglichkeit, sich ausserhalb der regulären Studienzeit für J + S Kurse anzumelden. Wenn man im Studiengang Sekundarstufe I das Fach Sport gewählt hat, ist die Teilnahme eines Schneesportlagers obligatorisch. Am Ende dieser Woche kann die Prüfung zum J + S-Leiter absolviert werden.

Um die Skilager dennoch durchführen zu können, greifen die meisten Schulen auf Hilfsleiter zurück wie beispielsweise in Ittigen. «Wir brauchen immer mehr Hilfspersonal, weil sich die Kinder öfters als Anfänger anmelden», sagt Schulleiter Kormann. Gesamthaft vergnügten sich letztes Jahr 220 Kinder der Ittiger Oberstufe in den Winterlagern. Für die Betreuung rekrutierten die verantwortlichen Hauptlagerleiter 20 auswärtige Skilehrer und acht Küchenhilfen.

«Dass man Ski  fahren kann, ist nicht mehr die Norm – auch bei den Lehrkräften nicht.»Schulleiter Sam Meyer

Die Gemeinde Ittigen hat dieses Jahr die Entschädigung auf 100 Franken pro Tag erhöht. «Es ist ein symbolisches Zeichen, dass wir ihre Arbeit wertschätzen», sagt der Gemeindepräsident Marco Rupp. «Uns liegen die Skilager sehr am Herzen.» Die Gemeinde habe präventiv den Beitrag aufgestockt, damit die Lager auch künftig stattfinden können. Zudem bekommen die Hilfsleiter Kost und Logis. In Köniz kann die Schule selber entscheiden, mit welchem Beitrag sie die Hilfsleiter entschädigt.

Verbundener Mehraufwand

Unter den Helfern befinden sich ehemalige Schüler, Eltern, Bekannte oder Studenten. «Im Moment sind wir voll daran, diese zu suchen», sagt Peter Rohrer, Schulleiter des Oberstufenzentrums Köniz. Die Suche sei nicht einfach, «aber schliesslich haben wir immer jemanden gefunden».

Im März begeben sich die elf Klassen ins obligatorische Skilager. Wenn jemand eine Skiausrüstung mieten muss, unterstützt ihn die Schule und übernimmt die Hälfte des Beitrags. Zudem besitzt die Schule Material wie Skischuhe, Jacken oder Ski, welche gratis verliehen werden. «Die besten Erinnerungen meiner Schulzeit stammen aus diesen Lagern», sagt Rohrer. Am Oberstufenzentrum sei man sich einig, dass es eine gute Sache sei – trotz dem damit verbundenen Mehraufwand.

Berner Zeitung

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