Moosseedorf

Immer noch viel Rauch, trotz neuer Zeugin

MoosseedorfHat der Besitzer des Restaurants Seerose in Moosseedorf einen Bekannten angestiftet, die Liegenschaft anzuzünden? In erster Instanz wurde er freigesprochen. Eine neue Zeugin sollte vor Obergericht neue Fakten erzählen. Sollte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was ist genau in jener Februarnacht 2006 geschehen, als das ­alte Restaurant Seerose durch einen Brand zerstört wurde? Und vor allem: Was ist in den Monaten zuvor passiert? Hat der Restaurantbesitzer etwa einen Bekannten angestiftet, das Gebäude anzuzünden? Auch über elf Jahre später beschäftigt sich die Justiz mit dem Brand des Ausflugsrestaurants am Moossee.

Am Dienstag fand vor dem Obergericht die Berufungsverhandlung gegen die drei beschuldigten Männer statt. Eine neue Zeugin sollte wichtige Fakten zur Klärung des Falles beitragen. Sie war von der Verteidigerin des nicht geständigen Brandstifters ins Spiel gebracht worden.

Die Betonung liegt auf «sollte». Denn die Frau, die beim Seerose-Besitzer vor ein paar Jahren eine Lehre absolviert hatte, hätte diesen noch so gerne in die Pfanne gehauen, weil er durch «seine Machenschaften ihr Leben kaputtgemacht» habe. Aber sie musste zugeben: «Ich kann nichts Brauchbares aussagen.»

Aus den Gesprächen mit ihm habe sie zwar geschlossen, dass ihr Chef den Brand organisiert habe. Aber: «Konkret hat er dies nie gesagt.» So war man gleich weit wie vor dem Wirtschaftsstrafgericht im Januar 2016: Viele wissen etwas, aber nur vom Hörensagen.

Es gab Andeutungen

In den Plädoyers vor Obergericht drehte sich alles um die Fragen: Wer hat wann was gesagt und gemacht? Der Restaurantbesitzer hatte zugegeben, dass er gegenüber einem der späteren Brandstifter eine Bemerkung gemacht habe.

Er hatte sinngemäss gesagt, dass es nicht schlecht wäre, wenn es mal einen Funken geben würde. Nicht erwiesen ist aber, dass er später bei weiteren Gesprächen eine Summe von 80 000 Franken genannt habe, die ihm ein Brand wert sei.

Für den Staatsanwalt reichen diese «Durch-die-Blume-Gespräche» für eine Anstiftung zur Brandstiftung, auch wenn es keinen konkreten Auftrag gegeben habe. Mit diesen Andeutungen habe der Seerose-Besitzer den Impuls gegeben.

Zudem habe er finanzielle Interessen gehabt. Ohne das Geld der Versicherung wäre ein geplantes Neubauprojekt nicht finanzierbar gewesen.

Der Vertreter der Gebäudeversicherung (GVB) wies darauf hin, dass der Seerose-Besitzer nicht gesagt habe, dass die zwei Brandstifter ihm gegenüber die Tat ­zugegeben hatten.

Wenn er nicht beteiligt war, hätte er das doch ­sagen können, ohne Konsequenzen, sagte der GVB-Vertreter. Der Staatsanwalt forderte für den Beschuldigten eine bedingte Strafe von 24 Monaten.

Wacklige Anklage

Der Verteidiger des Seerose-Besitzers betonte, dass die ganze Anklage allein auf den Aussagen des geständigen Täters beruhe. «Wie glaubhaft sind seine Angaben? Er gilt als ‹Plouderi›», sagte der Verteidiger.

Und: Der Mann verstricke sich in Widersprüche. In diesem Indizienprozess würden die verschiedenen Mosaiksteinchen kein klares Bild geben. Das Obergericht müsse deshalb den Freispruch durch die Vorinstanz bestätigen.

Kein gutes Haar an der Anklageschrift liess die Verteidigerin des nicht geständigen, aber verurteilten Brandstifters. Sie sei überrascht gewesen, dass das Wirtschaftsstrafgericht sie nicht zurückgewiesen habe.

Das Gericht hatte die Anklageschrift lediglich als sehr knapp formuliert und eher «als ausführliche Erzählung» bezeichnet. Die Vor­instanz habe zudem die Aussagen einseitig zuungunsten ihres Mandanten ausgelegt. Der Tatablauf sei nicht erwiesen. Zusammenfassend sagte sie: «Wir wissen auch heute noch nicht, wer was wann gemacht hat.»

Das Obergericht wird das Urteil am Freitagnachmittag eröffnen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 06:13 Uhr

Brandfall Seerose

Der Brand des Restaurants Seerose in Moosseedorf brach in der Nacht auf den 12. Februar 2006 aus. Schnell war klar, dass das Feuer gelegt worden war. Trotz vielen Befragungen konnte die Täterschaft nicht ermittelt werden. Gut sieben Jahre später wurde die Untersuchung neu aufgenommen.

In Zusammenhang mit einem anderen Verfahren machte ein Mann konkrete Aussagen. Demnach hatte der Restaurantbesitzer einen Bekannten angestiftet, den Brand in der Seerose zu ­legen. Im Januar 2016 mussten sich drei Männer wegen Brandstiftung und Betrugs, respektive ­Anstiftung und Gehilfenschaft dazu, vor dem Wirtschaftsstrafgericht verantworten.

Das Gericht sprach den Seerose-Besitzer in dubio pro reo in allen Anklagepunkten frei. Ein geständiger Täter, der ganz am Schluss der Brandstiftung nicht mehr dabei war, kassierte eine bedingte Gefängnisstrafe von 16 Monaten. Ein zweiter Brandstifter, der alles abstreitet, erhielt eine bedingte Strafe von 22 Monaten.

Der Staatsanwalt und die Versicherungen erhoben beim Obergericht Berufung gegen den Freispruch des Liegenschaftsbesitzers. Ebenfalls die Verteidigerin des nicht geständigen Brandstifters gegen die Verurteilung. Das Strafurteil gegen den dritten Mann ist rechtskräftig. Vor Obergericht wehrt er sich hingegen gegen die Zivilforderungen der Versicherungen.

Artikel zum Thema

Freispruch für Seerosen-Besitzer

Moosseedorf Der Brand des Restaurants Seerose in Moosseedorf hat für den Besitzer keine strafrechtlichen Konsequenzen. Das Wirtschaftsstrafgericht verurteilte hingegen die beiden Brandstifter zu bedingten Gefängnisstrafen. Mehr...

Rauch verzieht sich nur teilweise

Moosseedorf Der Staatsanwalt fordert im Fall des Brandes der alten Seerose Moosseedorf bedingte Gefängnisstrafen für die drei Beschuldigten. Die Verteidiger verlangen Freisprüche respektive eine bedingte ­Geldstrafe. Mehr...

Einige wussten es, schwiegen aber

Moosseedorf Wer hat im Februar 2006 die alte Seerose in Moosseedorf angezündet? Vor dem Wirtschaftsstrafgericht müssen sich seit Mittwoch drei Beschuldigte wegen Brandstiftung und Betrug verantworten. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Dicker Schmatzer: Eine Mähnenrobbe küsst eine Besucherin im Hakkeijima Sea Paradise in Yokohama (11. September 2017).
(Bild: Shizuo Kambayashi) Mehr...