Immer mehr Fahrende

Wileroltigen

Anfang Juni haben sich neben dem Rastplatz an der A1 bei Wileroltigen Fahrende niedergelassen. Seither herrscht ein Kommen und Gehen. Eine Wegweisung ist praktisch unmöglich.

Das Fahrendencamp bei Wileroltigen bleibt voraussichtlich bis auf weiteres bestehen.

Das Fahrendencamp bei Wileroltigen bleibt voraussichtlich bis auf weiteres bestehen.

(Bild: Christian Pfander)

Anfang Juni waren es um die 40 Wagen, jetzt schon um die 100. «Auf dem Feld neben dem Rastplatz an der A 1 leben derzeit mehr Menschen als in unserer Gemeinde», sagt Christian Grossenbacher, Gemeindepräsident von Wileroltigen.

Auf dem Grundstück, das auf Gemeindegebiet von Wileroltigen liegt, aber dem Bundesamt für Strassen (Astra) gehört, lassen sich seit fünf Wochen immer wieder andere ausländische Fahrende nieder.

Das sei bis jetzt gut gegangen, sagt Grossenbacher, und dank der Vermittlung des Schweizer Jenischen Andreas Geringer habe die Kommunikation gut geklappt. «Aber seit eine Sippe von Roma aus Spanien dazukam, gibt es Probleme.» Weil die Spanier ungern Toitoi-Toiletten benutzen, lägen überall Fäkalien und Abfälle. «Die Fahrenden haben deshalb auch Streit untereinander», erklärt Grossenbacher.

Es sei unhygienisch, wenn auf einem Feld, wo Lebensmittel angebaut würden, menschliche Fäkalien lägen. Allerdings fehle die rechtliche Handhabe, etwas gegen die Besucher aus Frankreich und Spanien zu unternehmen. Deshalb wendete sich die Gemeinde ans Regierungsstatthalteramt.

«Astra ist zuständig»

Der stellvertretende Regierungsstatthalter Peter Blaser sagt: «Wir unterstützen die Gemeinde, wo und wie wir können.» Aber die Fahrenden könnten nicht einfach weggewiesen werden, solange die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet sei. Eine Wegweisung in die Wege zu leiten, sei Sache des Grundstückeigentümers, in diesem Fall des Astra.

«Aber Sauberkeit und Ordnung können sicher nicht die alleinigen Gründe sein, um einfach die Polizei aufzubieten», sagt Peter Blaser.

Zuerst auf dem Rastplatz

Eine erste Gruppe von Fahrenden habe sich Anfang Juni auf dem Rastplatz niedergelassen, wo sie ein paar Tage bleiben konnten und dafür bezahlten, wie Thomas Rohrbach berichtet, Mediensprecher des Astra. Weil die Sicherheit auf dem Rastplatz gefährdet war und die Fahrenden den Raum belegten, der eigentlich für Lastwagen vorgesehen ist, wurde ihnen eine Frist gesetzt. Sie zogen dann einfach auf ein Feld direkt neben dem Rastplatz, das mit einem Zaun abgetrennt ist.

«Wir reichten eine Räumungsklage ein. Aber weil ständig neue Leute kamen, mussten wir sie zurückziehen. Dies auch, weil die Sicherheit hinter dem Zaun nicht gefährdet war», sagt Rohrbach, der viel Lob für die Fahrenden übrig hat. Dank der Vermittlung von Mediator Andreas Geringer habe die Kommunikation gut funktioniert.

Wie Grossenbacher findet auch Rohrbach, mit dem Zuzug der spanischen Sippe sei die Si­tuation schwieriger geworden. Nur schon den richtigen Platz für die Toitoi-Toiletten zu finden, sei eine Herausforderung gewesen. «Sie müssen so aufgestellt werden, dass die Männer nicht sehen können, wenn eine Frau auf die Toilette geht.»

Hände gebunden

Das Astra ist zwar Grundstückeigentümer, aber obschon ein Bundesbetrieb, könne nur wenig unternommen werden. Die Fahrenden mit Gewalt zu evakuieren, sei unmöglich und auch nicht wünschenswert. «Uns sind die Hände gebunden, es handelt sich schliesslich um Menschen», sagt Rohrbach.

Das einzige Argument, Druck zu machen, sei die Sicherheit. Deshalb sehe es im Moment so aus, als ob die Wiese ennet dem Rastplatz bis auf weiteres noch den Fahrenden gehören werde.

In der Schweiz gibt es gerade nur einen einzigen offiziellen Transitplatz in Domat/Ems für ausländische Fahrende. Daneben sind einige Durchgangsplätze vorhanden, welche sowohl von Schweizern wie von ausländischen Fahrenden benutzt werden.

Solange nicht mehr geeig­nete Plätze vorhanden sind, lassen sich die ausländischen Fahrenden dort nieder, wo es gerade passt, beispielsweise in Wiler­oltigen.

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