Imker streiten um Standort

Köniz

Nach einem Bienensterben streiten in Köniz zwei Imker um den Abstand zwischen ihren Bienen.

Die mobilen Bienenbeuten eines Wanderimkers führten im Köniztal zu einem Streit. Viele Bienen auf engem Raum können Krankheiten auslösen.

Die mobilen Bienenbeuten eines Wanderimkers führten im Köniztal zu einem Streit. Viele Bienen auf engem Raum können Krankheiten auslösen.

(Bild: Fotolia)

Noch bleiben die Bienen in ihren Stöcken. Sie sind eng zusammengerückt und wärmen sich gegenseitig. In dem kugeligen Gebilde aus Tausenden Bienenkörpern sitzt mittendrin die Königin. Nun endet die Winterruhe, und erste Flüge werden unternommen. Für Imker beginnt ab jetzt wieder die spannendste Zeit des Jahres.

Rudolf Studer sieht der neuen Saison aber mit gemischten Gefühlen entgegen. Als der Imker aus Niederscherli vergangenes Frühjahr seinen Bienenstand im Köniztal untersuchte, machte er einen grausigen Fund: Hunderte seiner Bienen lagen tot am Boden. Ein Bienensterben hatte stattgefunden. «Sechs meiner Bienenvölker haben den Winter nicht überlebt», sagt der Pensionär.

In der Regel ist ein Bienensterben auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Gründe dafür können Krankheiten oder auch Milben sein. Rudolf Studer vermutet aber etwas anderes: «Meine Bienen wurden von anderen Bienen ausgeraubt. Die Waben waren leer, das Futter war weg, und die Tiere sind verhungert», sagt er.

Kampf ums Zuckerwasser

Rund 300 Meter von Rudolf Studers Bienenhaus entfernt hat ein Wanderimker seine Bienenbeuten aufgestellt. Sie seien der Grund für sein Bienensterben, ist Studer überzeugt. Der Abstand zwischen den verschiedenen Standorten sei einfach nicht weit genug.

Darum komme es zu Kämpfen um das Zuckerwasser. Mehrmals habe er den Wanderimker auf die Problematik aufmerksam gemacht – vergeblich. Der Verein der Wanderimker empfiehlt, einen Abstand von 500 Metern zwischen den Standorten einzuhalten, Greenpeace empfiehlt 1000 Meter Abstand.

Chance für den Wanderimker

Der Wanderimker will zu den Vorkommnissen im Köniztal keine Stellung nehmen. Dafür äussert sich Landwirt Hanspeter Kohler zur Situation. Er hat dem Wanderimker das Land für die Bienenbeuten zur Verfügung gestellt. Auf seinem Grundstück sei kein Standort vorhanden, der weit genug von Studers Bienenhaus entfernt liege, sagt Kohler.

Der angrenzende Wanderweg mache einen Standortwechsel nämlich unmöglich. Im Gegensatz zu Rudolf Studer verdiene der Wanderimker einen Teil seines Einkommens mit dem Imkern. Er wolle ihm darum eine Chance geben.

Keine gesetzliche Regelung

Rudolf Studer fühlt sich vom Wanderimker und vom Landwirt ausgebootet. Das Bienensterben habe ihm einen Verlust von 2500 Franken beschert. Weil es keine gesetzlichen Vorschriften zu den Abständen gebe, könne er derzeit aber nicht mehr machen, als an die Vernunft zu appellieren.

Tatsächlich gibt es keine gesetzlichen Regelungen zu den Abständen. Der Grund: Sammelbienen haben einen Flugradius von vier bis fünf Kilometern. «Grenzabstände festzulegen, ist darum wenig zielführend», sagt Kantonstierarzt Reto Wyss.

Es sei aber eine Tatsache, dass viele Bienenvölker auf engem Raum die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen würden. Entscheidend sei die richtigen Imkerpraxis als Vorbeugung gegen die Krankheitsverschleppung. Streitigkeiten wegen des Abstands sind dem Veterinärdienst dennoch keine bekannt. Es sei aber zunehmend festzustellen, dass die Imker auf die Imkerpraxis des Nachbarn sensibel reagieren würden.

«Ein solcher Streit ist privatrechtlich zu klären», sagt der Kantonstierarzt. Rudolf Studer ist ehemaliger Grossrat (FDP). Im Grossen Rat möchte er nun mit einem Vorstoss das kantonale Seuchengesetz ändern: «Es braucht einfach verbindliche Werte.»

Berner Zeitung

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