Ostermundigen

Ostermundiger Imam fordert Galgen für Putschisten

OstermundigenDer Ostermundiger Imam Abdullah Dikmen hat auf Facebook ein Bild geteilt, das die türkischen Putschisten an den Galgen wünscht. Die Moscheeverantwortlichen beteuern: Politik hat bei ihnen nichts verloren.

Der umstrittene Post – mit der Übersetzung des Fernsehens.

Der umstrittene Post – mit der Übersetzung des Fernsehens. Bild: Screenshot

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«Teile dieses Bild, wenn du die Putschisten am Galgen sehen willst.» Die Botschaft des Facebook-Posts, der einen Galgen mit Henkerschleife zeigt, hätte klarer nicht sein können, und Abdullah Dikmen hat ihn geteilt. Das berichtet die Fernsehsendung «10 vor 10» und schiebt gleich nach, wieso dies interessieren muss: Abdullah Dikmen ist nicht irgendein Privater, sondern Imam an der vom regionalen türkisch-islamischen Verein getragenen Moschee in Ostermundigen.

Der strittige Post, geteilt in den Tagen des gescheiterten Putschversuchs von Mitte Juli, ist zwar mittlerweile von Dikmens Facebook-Seite wieder verschwunden. Trotzdem steht unvermittelt die Frage im Raum, inwieweit im Schutze einer Moschee in der Region Bern gegen die Gegner des türkischen Machthabers Recep Tayyip Erdogan gehetzt wird.

Zumal der Ostermundiger Imam, wie Vertreter des Trägervereins in der Vergangenheit mehrfach bestätigt haben, jeweils vom türkischen Religionsministerium bestimmt und aus diesen Quellen auch bezahlt wird.

Nun die Krisensitzung

Trotzdem hielt Yuksel Toy als Vereinsvizepräsident am Montag mit Nachdruck fest: «In der Moschee hat Politik keinen Platz.» Während er im Fernsehen noch aus­geführt hatte, Dikmen habe den Post, wenn überhaupt, nur unbewusst platziert, so sagte er nun: Was der Imam auf Facebook tue und lasse, sei dessen Privatsache und habe mit der Moschee gar nichts zu tun. Dikmen selber äusserte sich nicht dazu.

Trotzdem wird sich der Verein mit dem Vorfall auseinandersetzen. Allerdings müsse dafür zuerst Präsident Ahmed Cindir aus den Ferien zurückkehren, so Toy weiter. Nächste Woche werde das der Fall sein, und dann werde der Vorstand zu einer Sitzung zusammenkommen.

Politiker erschreckt

Ob es damit getan ist? Für Roland Rino Büchel (SVP) als Präsident der aussenpolitischen Nationalratskommission auf alle Fälle nicht. Ein solcher Post gehe «definitiv nicht», sagte der Politiker in die Fernsehkamera. «Wenn strafrechtlich relevante Elemente dabei sind, und danach sieht es aus, ist das ein Fall für die Untersuchungsbehörde.»

Yuksel Toy sucht derweil nach Erklärungen für die aufgeheizte Stimmung: Wer gegen die Demokratie putsche und den Tod Unschuldiger in Kauf nehme, müsse sich über «gewisse Reaktionen» nicht wundern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.08.2016, 19:46 Uhr

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