Im Zirkus sprechen alle gleich

Bern

Die Schule ­Kleefeld im Westen der Stadt Bern unterrichtet viele Kinder aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Sprachen. Im Zirkus gehen alle Unterschiede vergessen.

Ohne Sprachbarrieren üben Kinder im Schulhaus Kleefeld in Bern-West ihre Kunststücke.<p class='credit'>(Bild: Nicole Philipp)</p>

Ohne Sprachbarrieren üben Kinder im Schulhaus Kleefeld in Bern-West ihre Kunststücke.

(Bild: Nicole Philipp)

Zirkusatmosphäre im Schulhaus Kleefeld: Vor dem Zelt auf der Wiese proben kleine Clowns ihre Spässe, und in der Turnhalle ­werden Trapez- oder Balancierkunststücke geübt. Mutig wirken die Akrobaten auf ihren Leitern und Körperpyramiden oder die Fakire auf dem Nagelbrett, verblüffend die Zauberer mit ihren Knotentricks. Der Eifer der gegen 80 Dritt- und Viertklässler ist beeindruckend.

«Es ist erstaunlich, was Kinder in nur einer Woche lernen können, wenn sie es wirklich wollen», sagt Projektleiterin Bente Scheffold. Die deutsche Sozialpädagogin und Akrobatin führt unter dem Namen Zirkus Abeba seit sieben Jahren derartige Schul- und Freizeitaktivitäten durch, unterstützt von ihrem Partner Beny Messatehi.

Dabei stehe aber nicht die artistische Leistung im Vordergrund, betont sie: «Wertvoller ist die Erfahrung, dass man nur Erfolg hat, wenn man zusammenarbeitet.» Die Erwachsenen würden sich zunehmend überflüssig machen, indem sie den Kindern zeigten, wie sie einander helfen können.

Verständnis ganz ohne Worte

So entstünden oft Freundschaften über die Schulklassen hinweg. Das ist besonders wichtig in einer Schule mit einem so hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund wie in Bern-West. «Oft streiten sich die ­Kinder, weil ihre mangelnden Sprachkenntnisse das Aushandeln von Kompromissen erschweren», sagt die Heilpäda­gogin Andrea Zimmermann. Die auch wortlos mögliche Zusammenarbeit im Zirkus sei daher eine grosse Chance.

Deshalb hat sich das Kolle­gium für dieses sozialpädagogische Projekt entschieden, das vom Kanton finanziell unterstützt wird. Schön sei auch, dass dabei gerade schulisch schwache Kinder glänzen könnten. Oder dass Mädchen ungeachtet ihres kulturellen Hintergrunds problemlos mit den Buben übten, oft sogar mit noch mehr Geschick und Mut als diese.

Für die unmittelbar beteiligten Lehrkräfte bringt diese Woche viel Aufwand. «Aber es lohnt sich», sagt Klassenlehrer Roger Bigler: «Wenn die Kinder viel von dem, was wir ihnen beizubringen versuchen, längst vergessen haben – an dieses Erlebnis werden sie sich erinnern.» Und auch an den Erfolg, den sie bei ihrer Vorstellung für ihre Familien sicher feiern können.

Berner Zeitung

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