Im Netz haben die Tramgegner die Nase vorn

Bern

Am 26. November stimmt die Stadt Bern über das Tram Bern–Ostermundigen ab. Die Befürworter sind im Abstimmungskampf verdächtig still. Nehmen sie die Abstimmung auf die leichte Schulter?

Die stadtberner Stimmbevölkerung stimmt Ende November über das Tramprojekt ab.

Die stadtberner Stimmbevölkerung stimmt Ende November über das Tramprojekt ab.

(Bild: zvg)

Markus Ehinger@ehiBE

«Ja Tram Bern Ostermundigen». Wer diese Suchbegriffe bei Google eingibt, rechnet damit, bei einem Ja-Komitee für das Tram Bern–Ostermundigen zu landen. Als erster Treffer spuckt die Onlinesuchmaschine einen Link zur Seite der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion aus.

Hier werden die Fakten zum Projekt, über das die Stadt Bern am 26. November abstimmen wird, aufgezählt. «Mit dem Projekt Tram Bern–Ostermundigen soll die Buslinie 10 zwischen Bern und Ostermundigen auf Trambetrieb umgestellt werden», heisst es da zum Beispiel.

Gegner sind präsenter

Wer meint, der zweite Treffer der Google-Suche führe einen zu den Befürwortern des Projekts, irrt. Man landet auf der Website «Nein zum Luxus Tram!». Ein Klick führt auf eine weitere Homepage von Tramgegnern. Auf Facebook gibt es gleich mehrere Seiten von Tramgegnern.

«Bei der ersten Tramabstimmung hat man in Ostermundigen die Gegnerschaft massiv unterschätzt»Henrik Schoop, Gemeinderat von Ostermundigen

Bei den Trambefürwortern findet man im Internet nur wenig offizielle Auftritte. Einerseits wird auf der VCS-Website für das Projekt geworben, anderseits gibt es die Facebook-Seite «Ja zum Tram Bern–Ostermundigen».

Kritiker nicht unterschätzen

Bei der ersten Abstimmung 2014 sagte die Stadt Bern zum Projekt mit 61,3 Prozent deutlich Ja. Jetzt, kurz vor der zweiten Abstimmung, scheinen die Gegner zumindest im Netz die Nase vorn zu haben. Tramgegner und SVP-Fraktionschef Alexander Feuz hofft, dass sich das Blatt diesmal wendet und die Bevölkerung das Tramprojekt ablehnt.

Nehmen die Befürworter die Abstimmung auf die leichte Schulter? «Die Befürworterinnen und Befürworter des Trams haben schon früh ein Komitee gebildet und sind durchaus aktiv», sagt Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Allerdings nehme man im Abstimmungskampf die Gegnerschaft tatsächlich stärker wahr, sagt die Stadtberner Verkehrs­direktorin. Erfreulich sei, dass die bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der SVP heute – im Gegensatz zu 2014 – geschlossen hinter der Tramvorlage stünden.

Ähnlich sieht das der Ostermundiger Gemeinderat Henrik Schoop, der, obwohl in der Stadt Bern nicht stimmberechtigt, im Pro-Komitee dabei ist. «Bei der ersten Tramabstimmung hat man in Ostermundigen die Gegnerschaft massiv unterschätzt», sagt Schoop.

«Die Befürworterinnen und Befürworter des Trams haben schon früh ein Komitee gebildet und sind durchaus aktiv.»Ursula Wyss (SP), Berner Verkehrsdirektorin

Die Gefahr bestehe auch jetzt, dass man die Kritiker unterschätze. «Ihre Kritik ist der Nährboden für die kantonale Abstimmung zum Tramprojekt im März 2018. Deshalb ist es wichtig, dass man auch bei der Stadtberner Abstimmung einen engagierten Abstimmungskampf führt», sagt Schoop.

Geringe Stimmbeteiligung?

Tatsächlich sind auch die Befürworter im Abstimmungskampf aktiv. So wurden etwa Aktionen bei Pendlerinnen und Pendlern durchgeführt, Flyer an alle Haushalte verteilt, und auch in den sozialen Medien sei man präsent, sagt Stéphanie Penher, Geschäftsleiterin VCS Kanton und Region Bern. Da aber am 26. November weder über kantonale noch nationale Vorlagen abgestimmt wird, müsse man die Leute anderweitig mobilisieren, sagt Penher.

Dass nur über städtische Vorlagen abgestimmt wird, könnte sich in einer geringen Stimmbeteiligung niederschlagen. Ist das eine Gefahr für das Tramprojekt? «Ja, diese Gefahr besteht», sagt Ursula Wyss. «Die Gegner des Trams mobilisieren in ihren Kreisen massiv. Eine geringere Mobilisierung als 2014 bei Tram Region Bern könnte also durchaus zu Verschiebungen führen.»

Trotzdem rechnet sie wieder mit einem Ja: «Die Bernerinnen und Berner lieben ihren ÖV. Darum bin ich zuversichtlich.» Für sie sei die Tramabstimmung ein besonderes Herzensanliegen: «Nur mit einem Tram können wir die überfüllte Linie 10 entlasten und attraktiver machen. Das ist wichtig für eine nachhaltige Mobilität in Bern. Ein Nein wäre ein ­verkehrspolitischer Scherben­haufen.

Berner Zeitung

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