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Im Gerichtssaal finden künftig Feste statt

Während sechs Monaten hat Besitzer Matthias Steinmann das Schloss Wyl renoviert und neu eingerichtet. Am Dienstag stellte er das neue Nutzungskonzept vor. Künftig können Verliebte hier wieder heiraten.

Dino Dal Farra
Hier finden die Trauungen statt.
Hier finden die Trauungen statt.
Hier geht es zum Festsaal des Schlosses.
Hier geht es zum Festsaal des Schlosses.
Schlossbesitzer Matthias Friedrich Steinmann erklärt den Besuchern sein neues Konzept.
Schlossbesitzer Matthias Friedrich Steinmann erklärt den Besuchern sein neues Konzept.
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Im letzten halben Jahr hat sich im Schloss Wyl einiges getan. Viele Räume wurden neu eingerichtet und umgestaltet. Gestern informierte Besitzer Matthias Steinmann die Öffentlichkeit über das neue Nutzungskonzept. Er hatte vor einem Jahr die neue Ära des Schlosses eingeläutet, als er es dem Kanton abkaufte. Steinmanns Ziel war, das Schloss für alle zugänglich zu machen. «Es sollte wieder ein Bestandteil der Region werden», sagte er an der gestrigen Orientierung.

Todesstrafe bis 1854

Relikte und Dokumente aus vergangener Zeit verraten es: Das Schloss Wyl war früher kein Ort, wo Nettigkeiten ausgetauscht wurden. Über 870 Jahre hinweg fällten die Richter hier ihre Urteile. Ein grosses Schwert an der Wand erinnert daran, dass bis 1854 Todesstrafen verhängt wurden. Hand- und Fussfesseln zeugen von Folter und Erniedrigung.

Das Schloss Wyl war der Ort, wo die Hohen über die Niedrigen herrschten. In den letzten 200 Jahren diente das Gebäude noch als Sitz der kantonalen Verwaltung und Justiz.

Feste statt Urteile

Heute ist der ehemalige Gerichtssaal ein Festsaal. Auf die Tische klopfen künftig die Fäuste feiernder Menschen statt der Hammer des Richters. Die Wände zieren nicht etwa Bilder aus der Renaissance. Der Berner Maler Bruno Baumann hat im Auftrag Steinmanns zu jeder der Gemeinden des ehemaligen Amtsbezirks Konolfingen ein Bild auf Seide gemalt. Die Werke sind farbig, fast schrill. «Sicher gefällt das nicht allen», sagt Steinmann. «Aber es haucht dem Saal Freude ein.»

Nach dem Motto «Mehr Freude statt Folter» hat Schlossherr Matthias Steinmann auch das Standesamt neu belebt. Hier kann ab 2013 wieder geheiratet werden. Im Trauungszimmer steht ein Glastisch für die Standesbeamten. «Er ist aus Glas, weil die Ehe transparent sein soll», sagt Steinmann lächelnd.

Die Räume des früheren Regierungsstatthalteramts dienen neu als Apérosäle. Wie alle anderen Zimmer wurden sie mit antiken Möbeln, Wandteppichen, Stehlampen und vielem mehr neu eingerichtet. «Dabei halfen mir mehrere Experten», sagte Steinmann. In einigen der Räume sollen künftig Künstler ausstellen können. Zurzeit sind im Schloss fünfzig Gotthelf-Radierungen des Künstlers Walter Jonas zu sehen.

Gemeinde darf mitreden

Das Schloss Wyl ist zum offenen Haus geworden. Auch ausserhalb der Pforten. So bleiben Allee und Park für Spaziergänger öffentlich zugänglich. Für Konfirmationen, Hochzeiten und ähnliche Anlässe wird künftig ein Teil des Parks abgegrenzt. Einrichtung und Renovation kosteten total 1,5 Millionen Franken.

Die Gemeinde ist froh, dass Matthias Steinmann das Schloss gekauft hat. Er sei ein Schlossherr, der die Behörden mitreden lasse. «Wir haben einen Sitz im Rat der Schloss-Stiftung. Das gab es noch nie», sagte Gemeindepräsidentin Doris Reber.

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