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Im Ernstfall setzen sich die Kontrolleure hinters Steuer

Während der Ausschreitungen von letzter Woche hatte nicht nur die Kantonspolizei alle Hände voll zu tun: Auch in der Leitstelle von Bernmobil herrscht Hektik, wenn es darum geht, bei solchen Störungen für Umleitungen zu sorgen.

Sheila Matti
Michael Schärer, Fachverantwortlicher für den Linienverkehr bei Bernmobil, erklärt, was in der Leitstelle so passiert.

«Ein Lieferwagen blockiert die Haltestelle – wir klären ab, ob er gleich wieder abfährt oder ob wir auf ein anderes Perron ausweichen müssen.» Beat Moser legt das Headset wieder beiseite und beginnt, im Computer etwas einzutippen.

Vor ihm auf dem Bildschirm sind lauter gelbe und grüne Quadrate zu sehen; sie symbolisieren die Bus- und Tramlinien der Stadt und Agglomeration Bern und zeigen an, welches Fahrzeug sich gerade wo befindet. Via Funktelefon kommunizierte er mit einem von vielen Fahrern, die auf der Strasse unterwegs sind.

Moser ist einer von zwei Verkehrsdisponenten, welche heute – zusammen mit einem Infomanager – in der Leitstelle von Bernmobil sitzen und für den reibungslosen Verkehr auf dem Liniennetz sorgen.

Das insgesamt 19-köpfige Team koordiniert Busse und Trams, informiert Passagiere über Störungen und kümmert sich um Fahrzeugpannen. «An einem gewöhnlichen Tag ist es in der Leitstelle schon fast ruhig», erzählt Michael Schärer, Fachverantwortlicher für den Linienverkehr.

Eine solch entspannte Atmos­phäre herrscht im Kontrollzentrum aber nicht immer: Kommt es zu einer Störung auf dem Liniennetz von Bernmobil, wird es plötzlich hektisch in dem von Technik dominierten Raum. So etwa auch letzte Woche, als zuerst wegen eines Polizeieinsatzes in der Effingerstrasse ein grosser Teil des ÖV-Netzes ausfiel und anschliessend wegen mehrerer Demonstrationen die Gegend rund um die Reitschule unpassierbar war. «In solchen Situationen blühen die Frauen und Männer erst richtig auf», weiss Schärer, «dann dür­fen sie nämlich zeigen, was sie ­können.»

Abklärung vor Ort treffen

Alles beginnt mit einer Funkmeldung; sobald es irgendwo stockt oder die Strasse blockiert ist, melden die Fahrerinnen und Fahrer dies der Zentrale. «Sie sind unsere Augen auf dem Netz», meint Schärer und erzählt, dass auch letzte Woche jeweils eine solche Funkmeldung einging. Am letzten Mittwoch etwa wusste das Team der Leitstelle bereits kurz nach 8 Uhr über den Einsatz in der Effingerstrasse Bescheid – obwohl es von der Polizei selbst nicht vorgewarnt wurde. Ein paar Minuten später wurde die Strasse komplett gesperrt.

Nach der Meldung durch die Fahrzeugführenden kommt die vierte Person des Leitstellenteams zum Zug, jener Verkehrsdisponent, welcher den ganzen Tag über mit einem Fahrzeug in der Stadt unterwegs ist. Er fährt zur Störungsstelle und klärt die Situation ab, erklärt Schärer: «Dieser Aussenmitarbeiter ist es auch, welcher mit den Einsatzkräften vor Ort in Kontakt tritt.»

Sobald die Zentrale Bescheid weiss, wo genau die Fahrzeuge noch fahren können und wo nicht, wird die konkrete Umleitung geplant. Dies muss innert wenigen Minuten erfolgen. Die Verkehrsdisponenten müssen aber nicht bei jeder Störung von vorne anfangen: In einem ausführlichen Störfallkonzept sind für die am häufigsten betroffenen Knotenpunkte, wie etwa das Bollwerk, bereits Basislösungen vorbereitet. «Diese müssen wir dann nur noch geringfügig an die jeweilige Situation anpassen», sagt Schärer.

Busse und Fahrer organisieren

Während eine Person die Umleitungsstrecke bestimmt, übernimmt der Infomanager die Fahrgastinformation. Der dritte Verkehrsdisponent macht sich daran, die nötigen Ersatzbusse und Chauffeure zu organisieren. Woher diese kommen, sei stark von Tageszeit, Wochentag und Ort der Störung abhängig, erklärt Schärer: «Befinden wir uns, wie etwa am Mittwochmorgen, in den Hauptverkehrszeiten, werden Verdichtungskurse von anderen Linien abgezogen und als Ersatzbusse eingesetzt.» Ereigne sich die Störung hingegen ausserhalb der Rushhour, also etwa während Demonstrationen am Abend, stünden in der Garage beim Eigerplatz meist genug ungenutzte Busse bereit.

«Es ist für uns auch eine emotionale Erleichterung, wenn wieder Normalität auf dem Liniennetz einzieht.»

Michael Schärer

Sind die Fahrzeuge organisiert, braucht es noch das nötige Personal, das diese bedient. Dazu werden die Fahrzeugkontrolleure, welche meist bereits unterwegs sind, hinzugezogen. Wochentags können zusätzlich Leute aus der Verwaltung aufgeboten werden. Diese lassen dann alles stehen und liegen, unterbrechen Sitzungen und setzen sich hinter die Steuer der Busse. «Viele Mitarbeitende von Bernmobil sind in der Lage, einen Bus zu fahren», erklärt Schärer. Die Kontrolleure müssen darüber hinaus auch ein Tram bedienen können.

Passagiere informieren

Nach ungefähr 20 Minuten sind Busse und Chauffeure organisiert, und die Umleitung steht. Doch auch dann kehrt in der Leitstelle keine Ruhe ein, sondern das Organisieren nimmt seinen Lauf. Laut Arbeitsrecht müssen die Fahrerinnen und Fahrer nämlich regelmässig Pausen einlegen und abgelöst werden – eine organisatorische Herausforderung, wenn das Fahrzeug irgendwo ausserhalb des Zentrums feststeckt.

Der Fahrer dieses blockierten Fahrzeugs sitze übrigens nicht nur rum und warte, sondern informiere die Passagiere vor Ort über die Störung. «Die Bernerinnen und Berner reagieren sehr unterschiedlich auf grössere ­Störungen», erzählt Schärer: Je sichtbarer der Grund sei, desto mehr Verständnis zeigten sie.

Auch im Bereich der Informationsweitergabe gibt es für die Mitarbeitenden in der Leitstelle einiges zu tun: Sie informieren die Bernerinnen und Berner auf verschiedenen Kanälen über die Störung, wie etwa mit der ÖV-plus-App oder über die sozialen Netzwerke. Zudem kann von der Leitzentrale aus sowohl auf die elektronischen Infotafeln an den Haltestellen als auch auf jene in den Fahrzeugen selbst zugegriffen werden.

Letzte Woche ging es also nicht nur in der Effingerstrasse und um die Reitschule turbulent zu und her, sondern auch in der Leitstelle von Bernmobil. Entsprechend sei es für Schärer und sein Team auch eine «emotionale Erleichterung», wenn wieder Normalität auf dem Liniennetz einziehe und die schlimmsten Probleme wieder aus falsch parkierenden Lieferwagen bestünden.

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