Im Biogarten kehrt nach dem Baulärm Ruhe ein

Bern

Neben der Münsterplattform in Bern liegt der Stiftsgarten. Dieser soll nun dank einem Förderverein wieder aufblühen.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Früher wurden im Stiftsgarten neben der Münsterplattform ­Geranien für die kantonalen Verwaltungsgebäude gezogen. Ab dem Jahr 2010 ging es bergab, und der 2200 Quadratmeter grosse Garten verwilderte zusehends. Bis die 49-jährige Angela Losert drei Jahre später in die Bresche sprang und mit Tausenden von Gratisarbeitsstunden den Hang vom Müll ­befreite und teilweise bepflanzte. Sie pachtet das Gelände nun im Baurecht und gründete dafür die Stiftsgarten GmbH.

Am Mittwochabend wurde zudem ein Förderverein gegründet, der sie entlasten soll. «Diese Verlotterung mitten in der Stadt darf einfach nicht sein», sagt Peter Künzler, Präsident des Vereins und ehemaliger GFL-Stadtrat. «Es ist leider symptomatisch für diesen Kanton, dass jeder Skilift im Diemtigtal interessiert, aber anderes in Bern unwichtig scheint.» Künzler kritisiere ­damit nicht den Regierungsrat, sondern ei­nen Teil des Grossen Rats.

«Diese Ver­lotterung mitten in der  Stadt darf einfach nicht sein.»Peter Künzler

Böse Überraschungen

Mehr Öl ins Feuer giessen mag er nicht, ihm geht es um die Sache. Schliesslich sei er ein alter Profi und Mitglied bei Innovage, wo Pensionierte mit Führungserfahrung ihre Beratung anbieten. Sie tun dies für gemeinnützige Organisationen wie den Stiftsgarten gratis.

Dieses Jahr sei das Erste gewesen, dass man den Garten vollständig habe bepflanzen können. Zuvor waren Geländearbeiten nötig, bei denen der Kanton Bern und die Stiftsgarten GmbH Bauherren waren – und einige Überraschungen erlebten. So habe man entlang der Plattform rund 30 Zentimeter Erde als Sondermüll entsorgen müssen, da Zigarettenstummel und Abfall diese kontaminiert hätten. Hänge mussten stabilisiert werden, weil sie nicht sicher waren. Die Arbeiten dauerten viel länger als geplant, wie Briefe an die Nachbarschaft zeigen.

Dies war für die Anrainer der oberen Badgasse mühsam. Eine Anwohnerin erzählt: «Was ursprünglich zwei Monate hätte dauern sollen, ging rund ein Jahr. Wir wussten nicht, warum, weil wir zum Teil gar nicht oder extrem verzögert ­informiert wurden.» In einem Schreiben vom Juli 2017 bedauert die Stiftsgarten GmbH, dass aus «der einfachen Idee, eine Gartenoase zu schaffen, ein gigantisches Tiefbauprojekt geworden ist». Tatsächlich sei immer mehr zum Vorschein gekommen, sagt der 72-jährige Künzler.

Man habe einen Tank fürs Auffangen des Hangwassers einbauen und Strom- und Wasserleitungen neu installieren müssen. Ein Bewohner der Badgasse meint: «Die Mieterin des Gartens hatte die undankbare Aufgabe, dies immer wieder den vom Baulärm genervten Nachbarn zu kommunizieren.» Jetzt sei aber alles vorbei, und es sei richtig schön geworden.

Sirup, Reben und rare Sorten

Ziel des Fördervereins ist, für den Stiftsgarten Gönner zu gewinnen und Freiwillige für Gartenarbeit zu akquirieren. Es soll ein grosser gemeinnütziger Garten für alle sein, in dem auch Lesungen, ­Kurse und Ähnliches stattfinden. Ein Gemeinschaftshaus soll dereinst das Häuschen ersetzen, «aber zuerst brauchen wir mal ein bisschen Geld», sagt Künzler.

Bereits jetzt seien Freiwillige in die Gartenarbeit und die Produktion von Konfitüren und Sirup involviert. Der Garten wird biologisch geführt. Primär wächst hier Pro-Spezie-Rara-Gemüse. Auch Reben wurden gepflanzt. Künzler meint: «Wer weiss, vielleicht gibt es bald Wein aus dem Stiftsgarten.»

Berner Zeitung

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