Im Ballon dem Himmel entgegenschweben

Mein Hobby

Der Berner David Hochreutener gehört zu den besten Ballonfahrern der Welt. Dank seiner Passion hat der 30-Jährige schon die halbe Welt bereist.

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Es gibt Söhne, die treffen am Sonntag ihren Vater zum Jassen, andere gehen mit ihrem alten Herrn auswärts essen oder be­suchen ein Fussballspiel. Nicht, dass David Hochreutener dagegen etwas einzuwenden hätte. Aber der 30-Jährige aus dem ­Berner «Breitsch» mag es etwas spektakulärer. Am liebsten hebt er gemeinsam mit seinem Vater ab. Mit einem Heissluftballon.

Um sich dann auf 2000 Metern Höhe einen Fallschirm umzu­binden und in die Tiefe zu springen. Wenn er wieder festen Boden unter den Füssen hat, fährt er mit Auto und Anhänger zum Landeplatz seines Vaters, um ihn und den Heissluftballon wieder zurück zum Ausgangspunkt zu fahren. Ein ganz normaler Sonntagsausflug eben.

Nichts für Siebenschläfer

Wenn David Hochreutener seiner Passion – dem Ballonfahren – nachgehen will, muss er früh aus den Federn. «Meistens starte ich bei Sonnenaufgang, wenn der Wind gut ist, danach kommt Thermik auf», erklärt der Berner.

An rund 25 Tagen pro Jahr geht er, der bei den SBB als Projekt­leiter tätig ist, buchstäblich in die Luft. Sei es, um Wettkämpfe zu bestreiten, für Passagierfahrten – welche helfen, die Selbstkosten zu decken – oder aber einfach zum Plausch, mit Freunden oder eben seinem Vater.

Das spezielle Hobby wurde der Frohnatur praktisch in die Wiege gelegt – sein Vater ist zweifacher Schweizer Meister. «Er hat mich schon als kleiner Bub immer mitgenommen.» Und so kam es, wie es kommen musste. Mit 20 macht Hochreutener die Ausbildung zum Ballonpiloten.

«Insbesondere die Theorie ist sehr anspruchsvoll», erzählt er. Zehn Prüfungen müssen abgelegt werden – von Luftrecht über menschliches Leistungsvermögen bis hin zu Meteorologie, Navigation, Betriebsverfahren oder Flugleistung und Flugplanung.

Die Nummer 16 der Welt

Mittlerweile ist David Hochreutener bei 600 Flugstunden an­gelangt, gehört der Schweizer ­Nationalmannschaft an, nimmt regelmässig an Europa- und Weltmeisterschaften teil – und belegt in der Weltrangliste Rang 16. Als Training dienen ihm die Passagier- und Plauschfahrten. Er sagt aber auch: Für mich steht der Spass ganz klar im Vordergrund.»

Und die Möglichkeit, die halbe Welt zu bereisen. Denn für seine Einsätze war der Spitzen­pilot schon fast auf jedem Kon­tinent. Speziell in Erinnerung geblieben sind Hochreutener die World Air Games in Dubai. «Die siebzig Besten jeder Flugsportart wurden vom Scheich eingeladen», erzählt er.

Die Ballonfahrt startete am Strand, führte über Palmen und die grossen Schiffe am Hafen hinweg, gefolgt von einem Zwischenstopp inmitten der Skyline, ehe kurz darauf die Landung in der Wüste bevorstand. «Das war wahnsinnig. Eine sehr spezielle Fahrt.»

Oder die Reise nach Burma, wo Heissluftballone nur selten am Himmel zu sehen sind. «Wir sind inmitten Hunderter begeisterter Menschen gelandet», erinnert sich Hochreutener. Generell sagt er: «Heissluftballone sind echte Sympathieträger. Überall, wo wir landen, freuen sich die Leute.»

Wobei, warum in die Ferne schweifen? Mit den schönsten Orten der Welt könne es die Schweiz locker aufnehmen. «Ein Start im Belpmoos und ein Flug über die Stadt Bern ist etwas vom Schönsten überhaupt.» Auch wenn er von seinen vielen Fahrten über das hügelige Emmental spricht, kommt er ins Schwärmen.

Wetterabhängig

Die Flughöhe bewegt sich meistens zwischen 2000 und 2500 Metern. «Für die Alpenüberquerung war ich aber auch schon auf über 4000 Meter unterwegs», erzählt David Hochreutener. Eine Obergrenze gebe es nicht: «Theoretisch kann man so hoch steigen, bis einem das Blut kocht», sagt er – und lacht. Wichtigster Faktor beim Ballonfahren ist der Wind.

Er allein entscheidet, in welche Richtung die Fahrt geht. Und ob überhaupt gestartet werden kann. «Wenn der Ballon abhebt, sind bereits 15 Stundenkilometer viel», erklärt der Pilot, aber auch, dass er – etwa bei der Alpenüberquerung – schon mit 90 Stundenkilometern unterwegs war.

Ein Teamsport

David Hochreutener hat das Glück, auf Sponsoren zurück­greifen zu können, die ihm Ballone zur Verfügung stellen. Derzeit fährt er drei Stück: jenen der Post, jenen der Postfinance und – für Wettkämpfe im Ausland – einen der befreundeten Firma Blaser Swisslube aus dem Emmental. Letzterer hat in einem VW-Bus Platz, für die anderen benötigt Hochreutener einen Anhänger.

So oder so ist er auf Hilfe angewiesen. Einerseits muss jemand am Boden mit dem Ballon mitfahren, ­andererseits schätzt er auch in der Luft die Gesellschaft anderer. «Allein fliegen macht keinen Spass. Zudem wolle er ja auch die Leute aus seinem «guten Team» belohnen, die ihn – etwa bei internationalen Anlässen – immer wieder unterstützten.

«Ballonfahren ist ein Teamsport», sagt er denn auch. Die Gruppe, welche Hochreutener um sich geschart hat, nennt sich Team Vollgas. Diesem gehört auch seine Freundin Marie-Louise an. «Sie hat Höhenangst», sagt Hochreutener und lacht. Aber im Ballon sei diese jeweils wie verflogen – wobei das ja auch am erfahrenen Piloten liegen könnte ...

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