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Ihr Beruf ist ihre Leidenschaft

Lateinische Namen gehören dazu: Julia Bürgisser ist diplomierte Drogistin und hat in ihrer vierjährigen Ausbildung viel Chemie und Latein gebüffelt. Jetzt bedient sie ihre Kunden in Schwarzenburg.

Konzentriert: Julia Bürgisser prüft im hinteren Teil der Drogerie ein Produkt, bevor es in den Verkauf kommt.
Konzentriert: Julia Bürgisser prüft im hinteren Teil der Drogerie ein Produkt, bevor es in den Verkauf kommt.
Raphael Moser
Kreieren: Hier entsteht eine feine Teemischung.
Kreieren: Hier entsteht eine feine Teemischung.
Raphael Moser
Präsentieren: Ringelblumen, Thymian und Lavendel.
Präsentieren: Ringelblumen, Thymian und Lavendel.
Raphael Moser
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Sich einen Tee mischen lassen, die geeignete Babynahrung auswählen, ein Schmerzpflaster kaufen: Die Anliegen von Kundinnen und Kunden in der Drogerie Hüttinger sind breit gefächert. Ebenso umfassend ist das Wissen der Fachkräfte, die hier in Schwarzenburg arbeiten.

Die 30-jährige Julia Bürgisser ist eine von ihnen. In weisser Schürze und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht bedient sie die Kundschaft. Sichtlich zufrieden. Aber was hat sie dazu bewogen, ausgerechnet diesen Beruf zu wählen?

«Meine Mutter war der Auslöser», antwortet sie. Eigentlich habe ihr eine KV-Lehre vorgeschwebt. Das sei gerade gross in Mode gewesen. Die Mutter stellte sich ihre Tochter jedoch eher im Gesundheitsbereich vor, zum Beispiel als Drogistin.

«Wieso eigentlich nicht», überlegte sich die Jugendliche. In Plaffeien erschnupperte sie sich zum ersten Mal den Arbeitsalltag in einer Drogerie. Von da an war für sie klar: Sie wollte diesen Beruf erlernen.

«Ich kam mir vor wie in einer Hexenküche, all diese Heilkräuter, das hat mich so richtig gepackt», erinnert sich Julia Bürgisser. Auch die individuelle Beratung, der intensive Kontakt mit den Kunden und die Herstellung von Produkten empfindet sie bis heute als ein grosses Plus in ihrem Beruf.

Vielfältige Tätigkeit

Vier Jahre hat die Ausbildung zur Drogistin gedauert. Julia Bürgisser büffelte an der Wirtschafts- und Kaderschule Bern lateinische Namen, die Anatomie des menschlichen Körpers, Chemie und die Wirkung von Heilmitteln.

Bereut hat sie den Aufwand keine Minute. Drogistin zu sein, das passe einfach zu ihr, meint sie.

Dass sie die lateinischen Namen von Pflanzen nicht vergessen hat, beweist ihr zielsicherer Griff in die Schubladen des altehrwürdigen Schrankes ganz hinten im Verkaufsladen. In schnörkeliger Schrift steht hier «Calendula officinalis».

Diese getrockneten Ringelblumen braucht sie für die Teemischung, welche sie mit der Lehrtochter Olivia Obrist kreiert. Dazu kommt noch der sanfte Duft von Thymian und Lavendel. Die Drogistin öffnet die Nasenflügel weit. «Riecht gut», konstatiert sie und füllt die Teemischung in eine Tüte.

Dann geht es weiter zu den Heilmitteln. Ihnen gilt das ganz besondere Interesse der jungen Frau. Sie erklärt der Auszubildenden Zusammensetzung und Wirkung von Schüssler-Salzen, die Palette der Bachblüten und wie die Blumen und Kräuter sonst noch positiven Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden entfalten können.

Aber auch bei Unfällen kann die Drogistin ihr Wissen einsetzen. So verarztete sie eine Kundin, welche gleich neben der Drogerie die Treppe heruntergestürzt war. «Das vergesse ich nie», sagt Julia Bürgisser. Die Blutung an der Hand sei sehr stark gewesen und die Wunde unschön anzusehen.

Die Drogistin riet der Kundin dringend, einen Arzt aufzusuchen, und legte einen Notverband an. Doch anfänglich wollte die Verletzte auf keinen Fall zum Arzt. Heute kommt sie immer wieder zu ihrer Helferin in Not und dankt ihr für deren Insistieren. Die Wunde musste mit 13 Stichen genäht werden, sonst hätten eine unschöne Narbe und eine Infektion entstehen können.

Man kennt sich

Die Drogerie Hüttinger in Schwarzenburg kann auf viele Stammkunden zählen. «Einzelne kommen sogar von Köniz hierher», sagt Julia Bürgisser. Mit ein Grund sei wahrscheinlich die konstante Zusammensetzung im Team. Man kenne sich und wisse, was der Kunde wünsche.

Viele Leute kennen die Drogistin aus Schwarzenburg. Dies erlebt sie auch bei ihren Ausflügen in die Stadt Bern. Begegnet ihr eine Kundin oder ein Kunde, wird sie gegrüsst. Das ist für Julia Bürgisser ein Stück «Heimat in der Fremde». Denn sie sei definitiv «kein Stadtkind», die Ruhe in der Natur ziehe sie mehr an.

Aber nicht dass die naturverbundene Frau mit freiburgischen Wurzeln eine Einzelgängerin wäre. Nein, sie liebt die Gesellschaft, Spielabende im Freundeskreis, das Treffen mit Verwandten und ihre beiden Patenbuben.

«Mir chunt nid langwielig», sagt sie in breitem Senslerdialekt. Das Freiburgische pflegt sie, auch wenn sie seit einiger Zeit bei ihrem Freund in Heitenried wohnt.

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