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Igor L. lässt nicht locker

Der «Schläger von Schüpfen» gelangt mit einer Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ein Strafrechtsexperte begrüsst dies.

Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, rügt der Ver­teidiger von Igor L. beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (Bild) eine Verletzung der Menschenrechtskonvention.
Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, rügt der Ver­teidiger von Igor L. beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (Bild) eine Verletzung der Menschenrechtskonvention.
Keystone

Seit vielen Jahren beschäftigt der als «Schläger von Schüpfen» bekannte Igor L. die Justiz im Kanton Bern und das Bundesgericht. Demnächst muss sich nun der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit einer Eingabe des jungen Mannes beschäftigen. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, rügt sein Ver­teidiger Julian Burkhalter in Strassburg eine Verletzung der Menschenrechtskonvention.

Vorwurf von Folter

In seiner Beschwerde geht es um die Verfahrensdauer beim Entlassungsgesuch und den Vorwurf, dass Igor L. in einer ungeeigneten Institution platziert worden ist. Schliesslich steht der Vorwurf von Folter im Raum. Er soll in den Gefängnissen misshandelt worden sein (nackt an Wand gekettet, tagelang mit Hand- und Fuss­fesseln). Die Beschwerde befindet sich gemäss Zeitungsbericht in Strassburg in der Vorprüfung.

Igor L. war vom Obergericht des Kantons Bern im Juni 2011 zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Er hatte den Wirt der Dorfbeiz mit einem Metallaschenbecher am Kopf verletzt. Schon vorher war Igor L. in seiner Wohngemeinde negativ aufgefallen. Das Gericht schob die Haftstrafe zugunsten einer Therapie auf. Igor L. leidet an einer Persönlichkeitsstörung und weist schizophrene Züge auf.

Im letzten Moment

Die Behörden fanden für den jungen Mann aus dem Seeland aber keinen geeigneten Therapieplatz. Eigentlich war die Haftstrafe zugunsten einer Therapie aufgeschoben worden. Am Schluss war es während Jahren aber gerade umgekehrt: Gefängnis statt Therapie. Ende 2015 ordnete das Bundesgericht an, dass der Verurteilte Ende Februar 2016 aus der Haft entlassen werden müsse, sollte er bis zu diesem Zeitpunkt die Therapie nicht beginnen können. Im letzten Moment brachte der Kanton Bern Igor L. in der Station Etoine der Universitären Psychiatrischen Dienste unter. Seit rund acht Monaten absolviert er nun eine Therapie in der Klinik Rheinau.

Das Regionalgericht Biel-Seeland hat die angeordnete Massnahme, die im Sommer 2016 nach fünf Jahren ausgelaufen war, im September um vier Jahre verlängert. Gegen diesen Entscheid ist beim Obergericht eine Beschwerde hängig. Das Gesuch um eine aufschiebende Wirkung – Igor L. sollte aus der Haft entlassen werden – wurde kürzlich vom Bundesgericht abgewiesen.

Viel zu wenig Plätze

Strafrechtsexperte Benjamin Brägger begrüsst den Gang nach Strassburg. Es gehe um die Frage, ob die Praxis in der Schweiz konform mit der Menschenrechtskonvention sei, sagt er gegenüber der «SonntagsZeitung». Sollte der Gerichtshof die Beschwerde gutheissen, würde das den politischen Druck auf die Schweiz erhöhen. Denn es brauche dringend mehr ärztlich geleitete Therapieplätze für psychisch kranke Straftäter, so Benjamin Brägger. Besonders in den Bereichen mit hoher und tiefer Sicherheit mangle es in der Schweiz an Plätzen.

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