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«Ig by halt e Zigüner»

Sergio Castelli ist nicht mehr. Der Berner Akkordeonist ist 86-jährig verstorben.

Sergio Castelli bei einem Auftritt.
Sergio Castelli bei einem Auftritt.
Christian Pfander

Drei Tage vor seinem Tod war Sergio Castelli noch im Aufnahmestudio. Ein Soloalbum sollte ohne Begleitmusiker die Breite seines Talents widerspiegeln. Die Studiocrew war hingerissen. Tonmeister Walter Schürch, der Castelli erstmals hörte, meint beeindruckt: «Sergios Akkordeonspiel hatte für mich etwas Magisches, das mich sofort begeisterte.»

Auf Canzone-Erfolgswelle

So ist es seit Jahrzehnten vielen Zuhörerinnen und Zuhörern ergangen, angefangen bereits in Castellis Lehr- und Wanderjahren in den 1950ern. Damals surfte er mit musikalischer Virtuosität auf der Erfolgswelle der Canzone italiane von Erfolg zu Erfolg. Im Hafenrestaurant von Göteborg flogen ihm die Herzen ebenso zu wie im Posthotel Arosa.

Freilich hatte sich der 1932 geborene Turiner in seiner Jugend auch in anderen Tätigkeiten versucht, doch immer wieder stellte er fest: «Mini Züg isch eifach Musig u fertig! Ig by halt e Zigüner.»

Ein Vertrag in Bern beendete 1961 das Wanderleben. Zwei Monate lang trat Castelli im Kursaal mit einem Pianisten auf. Das ging so: «Für Walzer und Tango nahm ich das Akkordeon, für English Waltz das Vibrafon, meist aber spielte ich Schlagzeug und summte mit tiefer Stimme den Bass ins Mikrofon, so gut, dass die Leute fragten: Wo ist denn der Bassist?», sagte er in einem Gespräch.

Der Entschluss, sesshaft zu werden und bei den Berner Musikhandlungen anzuheuern, geschah in Absprache mit seiner Partnerin Lena, die er 1967 heiratete. Sie motivierte ihn zum Musikstudium am Konservatorium Winterthur.

Akkordeon-Schule in Bern

Mit dem Lehrdiplom in der Tasche erwarb das Paar die Musikschule Herzig. Der Schriftzug «Castelli Sergio Akkordeon-Schule» prangt bis heute an der Häuserfront am Kornhausplatz. Neben dem Unterricht widmete sich Sergio Castelli weiterhin Konzerten. Er gastierte als Solist mal bei François Hofer und den Red Hot Peppers, mal bei Meinrad Kochs klassischem Orchestre Festival.

1995 erhielt Castelli das Schweizer Bürgerrecht. 2001 gab er die Schule auf. Castelli verlegte sich vermehrt aufs Komponieren. Entstanden sind über 300 Kompositionen, mal kurz und prägnant für jedermann, mal lang und anspruchsvoll für die Konzertbühne.

Eine der eindrucksvollsten ist «Verlorenes Land», eine Hommage in Form eines temperamentvollen Csárdás an seine Heimat Piemont nach den Überschwemmungen von 1995. Castelli fühlte sich gezwungen, die Trauer musikalisch zu verarbeiten.

Nun hat uns der Magier verlassen. Er verstarb am 23. Oktober in seinem Wohnheim.

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