«Ich wollte keinen Machtkampf»

Bern

Nach ihrem Rücktritt aus dem Stadtrat und der SVP äussert sich die ehemalige Stadträtin Nathalie D’Addezio zum Ende ihrer Politkarriere.

Warum verlassen sie den Stadtrat und die SVP?Nathalie D’Addezio: In der Fraktion kam es zu massiven Auseinandersetzungen, wenn man eigene Themen einbringen wollte oder von der Parteilinie abwich. Wer Vorstösse von anderen Fraktionen unterstützen wollte, ist von Fraktionspräsident Roland Jakob zurückgepfiffen worden.

Sie sagten: «Politisch und persönlich haben wir das Heu nicht auf der gleichen Bühne.» Was heisst persönlich? Dazu möchte ich nichts sagen.

Waren Sie in der Fraktion isoliert? Sie schienen beliebt gewesen zu sein. Der Schein trügt. Ich war nicht unbedingt isoliert, aber wenn man anderer Meinung war, verlief das in der Fraktion nicht problemlos. Mit der Mehrheit hatte ich es aber gut.

Warum haben Sie sich nicht gewehrt? Roland Jakob ist der Fraktionspräsident, und ich wollte keinen Machtkampf. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch, und eine Konfrontation war in niemandes Interesse.

Sie haben während Ihrer Zeit im Stadtrat zwei Vorstösse eingereicht. Sind das die politischen Spuren, die Sie hinterlassen? Es kommt nicht auf die Anzahl an. Immerhin sorgte einer der Vorstösse für Aufruhr, und der Gemeinderat hat sich damit befasst (sie forderte einen Männerlauf. Anm. d. Redaktion). Insgesamt bin ich zufrieden mit meiner Legislatur, auch was die Zusammenarbeit in der Kommission betrifft.

Sie erlangten Bekanntheit für provokative Slogans in Ihren Kampagnen. Ist das Ihr politisches Vermächtnis? Diese Sachen sind schon länger abgeschlossen. Ich möchte das nicht mehr thematisieren.

Ist der Austritt aus dem Stadtrat das Ende Ihrer Politkarriere? Darüber muss ich mir noch Gedanken machen.

Sie sagten einst, dass Sie Bundesrätin werden wollen. Ist das noch so? Nein, und ich kandidiere auch nicht für den Nationalrat.

Wieso nicht? Ich werde mich politisch anderweitig einsetzen. Mit karitativen Einsätzen und Themen, die mich beschäftigen, etwa Jugendliche oder Secondos.

Bei der FDP und der SVP waren Sie bereits. Welche Partei steht Ihnen noch offen? Ich habe im Stadtrat Angebote von anderen Parteien erhalten, habe aber abgelehnt.

Berner Zeitung

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