«Ich werde die Akzente anders setzen»

Köniz

Sie wollte nicht als Frau, sondern wegen ihrer Qualifikationen gewählt werden. Dennoch ist Annemarie Berlinger stolz, die erste Gemeinde­präsidentin von Köniz zu sein.

«Ich habe im Wahlkampf nicht angegriffen, nicht gekontert, wie man das vielleicht zum Teil erwartet hätte», sagt Annemarie Berlinger nach ihrem Sieg.

Annemarie Berlinger, herzliche Gratulation zur Wahl als ­Gemeindepräsidentin von Köniz. Man darf Sie jetzt doch mit ­Gemeindepräsidentin anreden?Annemarie Berlinger:Aber sicher. Nur noch so, bitte.

Sie betonten im Wahlkampf, sie träten nicht an, um in Köniz die erste, sondern die beste Gemeindepräsidentin zu werden.Meine Wahl ist wunderschön, und es ist auch richtig, dass nun eine Frau das Präsidium innehat. Ich werde als Frau die Akzente anders setzen, als dies vielleicht ein Präsident machen würde. Ich glaube aber auch nicht, dass man darum sehr viel Aufhebens machen sollte. Ich will daran gemessen werden, wie ich arbeite.

Trotzdem. Als Frau an der Spitze einer grossen Berner Gemeinde gehören Sie zu einer klaren ­Minderheit.Ich stand im Wahlkampf mit meinem Team in der Tat vor der Frage, ob wir das so hervorstreichen sollen. Oder ob wir nicht lieber im Hintergrund darauf hinarbeiten, dass an der Untervertretung der Frauen etwas ändert – wir wählten diesen Weg, der mir auch viel besser liegt. Dass wir Erfolg hatten, freut mich umso mehr.

Vielleicht haben Sie auch nurdie Lehren aus den letztjährigen Wahlen ins Berner Stadt­prä­sidium gezogen. Dort wurde die Frauenfrage breit zum ­Thema gemacht – und prompt machte der Mann das Rennen.Was rundherum passiert ist, haben wir sicher in unsere Überlegungen mit einbezogen.

Eine ihrer ersten Aufgaben im Präsidium wird sein, aus dem neuen Gemeinderat eine Einheit zu bilden. Wie gehen Sie vor?Wir sind fünf Persönlichkeiten, die alle im bisherigen Berufsleben einen guten Job gemacht haben und dies auch weiter tun . . .

In den vergangenen rund zwölf Monaten Wahlkampf waren sie aber vor allem eins: Gegner. Jeder und jede drängte ins ­Gemeindepräsidium in der ­Hoffnung, so vor allem Aufmerksamkeit für den Gemeinderatswahlkampf zu bekommen.Ich glaube nicht, dass dies zum Problem wird. Wir haben alle ein Interesse daran, gut zusammenzuarbeiten. Etwas anderes würde mich erstaunen. Zuallererst werden wir uns ohnehin in unseren neuen Rollen finden müssen.

Der Wahlkampf kam ja auch ­ohne Gehässigkeiten aus. Man ging anständig miteinander um.Ich persönlich nahm mich in dieser Hinsicht klar zurück. Ich griff bewusst nie an, sprach bewusst nie vom Wahlkampf, weil ich den militärischen Jargon in der Politik fehl am Platz finde. Heftige Debatten gab es aber sehr wohl, und ich gehe davon aus, dass wir auch in Zukunft um Entscheide ringen werden. Ich traue aber allen zu, dass man einander zuhört und auch bereit ist, von einem Standpunkt abzuweichen.

Als Gemeindepräsidentin sind Sie auch Finanzdirektorin. Wie belastend ist es, zu wissen, dass Sie nächstes Jahr den Stimm­berechtigten wohl eine Steuererhöhung verkaufen müssen?Dass die Steuererhöhung kommen muss, ist schon länger bekannt. Wenn wir den Schritt gut begründen, ist er sicher machbar. Wir müssen aber auch einen Plan B bereithalten.

Wird sich die Frage tatsächlich so schnell stellen?Aufgrund der aktuellen Zahlen gehe ich davon aus.

In der Finanzpolitik sind sich Gemeinderat und Parlament fremd geworden. Exemplarisch dafür steht die Debatte, in der jede Seite wollte, dass die andere die ersten Sparvorschläge macht. Wie lösen Sie die Blockade?Für mich ist in dieser Frage die Finanzkommission zentral. Sie hat tiefere Einblicke in die Zahlen als das restliche Parlament.

Hat diese Kommission in der Vergangenheit zu wenig gut funktioniert?Dieser Punkt erklärt sicher einiges davon, wieso es in der Finanzpolitik so und nicht anders gelaufen ist.

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