«Ich sehe hier keine Parteibücher, sondern lauter grüne Wiesen»

Walkringen

Der Bundespräsident und viele Ehrengäste: Am Samstag besuchte Alain Berset das Eidgenössische Hornusserfest. Dabei zeigte er sich von seiner sportlichen Seite.

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Und plötzlich ist er da, mitten unter den Zuschauern, der am­tierende Bundespräsident der Schweiz. In lässig eleganter Kleidung und mit Hut hat sich am Samstag Alain Berset am Eid­genössischen Hornusserfest in Walkringen unter die Zuschauer gemischt, er schüttelt Hände und lässt sich hier und dort in Gespräche verwickeln.

Personenschützer, frenetische Fans und erboste Demonstranten fehlen bei diesem Anlass. Und das verleitet manch einen Gast dazu, ein Loblied auf die Schweiz anstimmen: Hier sei so etwas noch möglich, man lasse weder Despoten noch Irre an die Macht kommen. Hier in der Schweiz nehme man alles etwas gelassener.

Der Bundespräsident lächelt und versprüht mit seinem leicht französischen Akzent Charme und Leichtigkeit. Ja, die Hornusser mögen ihn, ihren Bundespräsidenten, auch wenn für viele sein Parteibüchlein nicht ihrer politischen Ausrichtung entspricht.

Ein Naturtalent

Dass Bundespräsident Berset kraftvoll zuschlagen kann, zeigt er beim anschliessenden Fototermin für die Medien. Auf einem ­extra aufgestellten Bock soll er den Nouss möglichst weit ins Feld schlagen. Bock, Nouss, Feld: Der Welsche schaut etwas skeptisch in die Runde. Nein, geübt habe er nicht, das sei Neuland für ihn. Doch wie bei seinen Dossiers im Bundeshaus hofft Berset auch hier auf einen Erfolg.

Mit voller Konzentration schwingt der Mann aus Bundesbern den Schlagstock. Er lässt sich Zeit, um dann blitzschnell zuzuschlagen. Der Nouss fliegt ins Feld, und der Applaus ist dem Bundespräsidenten für einmal ­sicher. Gekonnt schlägt er für die Journalisten den Bogen zu seinem Amt: «Hier gilt es, ruhig und kraftvoll vorzugehen, wie in der Politik.» Sagts und befördert weitere Nousse ins Feld. Nicht jeder Schlag gelingt ihm, und auch da widerspiegelt sich sein Engagement als Bundesrat.

Verbinden statt entzweien

«Ja, das hat Spass gemacht», sagt er auf eine entsprechende Fragen. Es sei gut, immer wieder Neues zu wagen und dazuzu­lernen. Hornussen sei eine der Wurzeln unseres Landes. Eine Anerkennung und Weiterentwicklung dieser Tradition sei wichtig. Wie in der Politik herrsche aber auch im Sport die Tendenz zur Spaltung. Doch die Vielfalt von Ideen und Meinungen mache die Schweiz aus. Bundespräsident Berset betont: «Hart und kompromisslos zu sein, ist unschweizerisch.»

Anerkennung der Spieler

Angesprochen auf die SVP-Anhänger unter den Hornussern, meint Berset: «Ich sehe hier keine SVP- oder SP-Parteibücher, sondern lauter grüne Wiesen.» Als ehemaliger Leichtathlet schätzt der Bundespräsident in erster Linie die grosse Leistung der Spieler und das imposante Spielgelände.

Später schreitet Berset würdevoll durch den Eingang des Festgeländes. Die Ehrenformation des Kantons Bern steht hier in historischer Uniform Spalier, und zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Militär folgen dem Bundespräsidenten.

Weil der Anlass in der Schweiz stattfindet und weil es offenbar Spass macht, schreiten zuletzt noch etliche der Besucher hinter Berset durch das Spalier der Ehrengarde hindurch. Handys werden dabei gezückt, und man fotografiert und witzelt.

An diesem «Eidgenössischen» in Walkringen feiern die Hornusser ihre Leistungen, hohe Gäste und auch ein wenig sich selbst.

Berner Zeitung

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