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«Ich sah, wie Arbeit Identität stiftet»

Seit über dreissig Jahren setzt sich Roland Baumann für die berufliche Integration von Menschen ein, die es schwer haben im Leben. Am Freitag erhielt er für sein Engagement den Berner Sozialstern.

Roland Baumann und Thomas Joss (im Hintergrund) in der Schreinerei in Zäziwil.
Roland Baumann und Thomas Joss (im Hintergrund) in der Schreinerei in Zäziwil.
Nicole Philipp
An der Verleihung: Die Preisträger Simone Baumann, Roland Baumann und Micha Somandin von der Geschäftsleitung der Baumann und Eggimann AG, Claude Nicollier, Festredner und ehemaliger Astronaut, Markus Hunziker vom Job Coach Placement der UPD (v.l.n.r.).
An der Verleihung: Die Preisträger Simone Baumann, Roland Baumann und Micha Somandin von der Geschäftsleitung der Baumann und Eggimann AG, Claude Nicollier, Festredner und ehemaliger Astronaut, Markus Hunziker vom Job Coach Placement der UPD (v.l.n.r.).
PD
Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier war der Gastreferent an der 10. Verleihung des Sozialsterns.
Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier war der Gastreferent an der 10. Verleihung des Sozialsterns.
PD
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Zwei Gabelstapler kommen sich in die Quere. Der eine will rein, der andere raus. «Es ist ein bisschen eng hier», sagt Roland Baumann, Geschäftsführer der Schreinerei Baumann und Eggimann in Zäziwil. Er schiebt zwei Container zur Seite und bittet in sein Büro. Dort angekommen, zieht er die Tür hinter sich zu: «Die Angestellten wissen noch nichts.»

Dass die Schreinerei den Sozialstern erhält, soll einen Tag vor der Verleihung noch eine Überraschung bleiben. Mit dem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die sich für die berufliche Integration von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen einsetzen.

Gegen die Wertlosigkeit

«Angefangen habe ich als Einmannbetrieb», erzählt Baumann (56). Das ist über dreissig Jahre her. Taten statt Worte, dieser biblische Leitsatz begleitete ihn von Anfang an: Er stellte damals immer wieder Mitarbeiter an, die es nicht leicht hatten im Leben. Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Leiden. Menschen, die andere Unternehmen nicht einstellen wollten.

Die Idee dazu hatte er während eines Auftrags in einer Reha, wo ihm Suchtkranke zur Hand gingen. «Ich sah, wie die Arbeit Identität stiften kann. Die Menschen bekommen eine Aufgabe und fühlen sich nicht mehr wertlos.»

Mittlerweile hat Baumann expandiert. Heute zählt die Schreinerei rund 50 Mitarbeiter. Vieles ist gleich geblieben. Noch immer gibt Baumann Menschen eine Chance, die Mühe haben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. «Natürlich achten wir darauf, genügend Umsatz zu machen. Dennoch ist es uns wichtig, in die Menschen zu investieren.»

Zum Team der Schreinerei gehört auch Thomas Joss. Seine Geburt sei schwierig gewesen, erzählt der 32-Jährige. Im Alter von drei Jahren folgte ein Autounfall. Die Schule hat ihm Mühe bereitet. Dennoch fand er eine passende Anschlusslösung: «Als ich wusste, dass ich Schreiner werden wollte, habe ich schnell eine Anlehre gefunden.» Diese habe er an einem Freitag abgeschlossen und am darauffolgenden Montag bei Baumann angefangen. Dreizehn Jahre ist das her. «Das zeigt wohl, dass ich mich hier wohlfühle.

Für das Wohlbefinden

Wenn Baumann jemanden einstellt, der die geforderte Leistung nicht – oder noch nicht – erbringen kann, gibt es fast immer Lösungen. «Manchmal müssen Mitarbeiter erst wieder lernen, ihre Fähigkeiten abzurufen.» In dieser Phase zahlt Baumann einen tieferen Lohn, Zuschüsse erhält der Mitarbeiter durch Ergänzungsleistungen oder durch die IV.

«Sobald die Leistung besser wird, erhöhen wir den Lohn, und im Gegenzug sinken die Zuschüsse.» Zugute kommt Baumann, dass die Schreinerei unter anderem Türen im Auftrag anderer Unternehmen herstellt. Dies in einem standardisierten Prozess, der sich immer wiederholt. «Das mag für manche zwar eintönig wirken, andere fühlen sich bei dieser Tätigkeit aber wohl.»

Thomas Joss bestätigt die Aussage seines Chefs. «Schnelle Wechsel bei meinen Aufgaben fallen mir schwer. Deshalb bin ich froh, wenn ich längere Zeit dasselbe machen kann.» Einen Jobwechsel könnte sich Thomas Joss zurzeit nicht vorstellen.

Und ein Dankeschön

Zweifel an seinem Engagement sind Baumann nie gekommen. «Wenn schon, hätte ich das ganze Geschäft hingeschmissen.» Denn grössere Schwierigkeiten als die Integration von Mitarbeitern bereite ihm das Marktumfeld: der starke Franken, die günstige Konkurrenz aus dem Ausland. Man halte sich aber gut.

Baumann bringt Menschen unter, die sich direkt an ihn wenden, die ihm von anderen Institutionen oder vom Job Coach Placement geschickt werden. Dieses Engagement sei bloss ein Tropfen auf den heissen Stein. Trotzdem freut er sich nun über den Sozialstern, der mit 10'000 Franken dotiert ist.

Was er mit dem Geld anfangen will, weiss er noch nicht. Es ist zweckgebunden und muss in die Integration fliessen. «Ich hoffe, dass ich einen Teil für ein Dankeschön an die Mitarbeiter einsetzen kann.»

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