«Ich gehe, bevor ich amtsmüde bin»

Köniz

Die Finanzlage habe sich verbessert und das städtische Köniz sich positiv entwickelt, zieht Luc Mentha Bilanz.

Luc Mentha auf dem Könizer Schlossareal. Es ist der Lieblingsort des abtretenden Gemeindepräsidenten, der sich künftig vermehrt wieder kulturell statt politisch betätigen will.

Luc Mentha auf dem Könizer Schlossareal. Es ist der Lieblingsort des abtretenden Gemeindepräsidenten, der sich künftig vermehrt wieder kulturell statt politisch betätigen will.

(Bild: Andreas Blatter)

Lucia Probst

Luc Mentha, am Dienstag das Communiqué, dass Sie Stiftungsratspräsident des Historischen Museums in Bern werden, am Donnerstag Ihr Rücktritt als Könizer Gemeindepräsident: Das wirkt aufeinander abgestimmt.Luc Mentha: Nein, das hat keinen Zusammenhang. Ich freue mich auf die spannende Aufgabe im Historischen Museum, die Regierungsrat Bernhard Pulver an mich als Grossrat herangetragen hat. Sie hätte sich zeitlich aber durchaus mit dem Amt als Gemeindepräsident vereinbaren lassen. Der Stiftungsrat tagt viermal jährlich, dazu gibt es Sitzungen des Ausschusses.

Das heisst, Sie werden nach Ihrem Rücktritt auch noch Zeit für andere Engagements haben. Was haben Sie vor? Ich habe die politischen Aufgaben sehr gerne wahrgenommen. Das war eine super Zeit. Ich werde zwar Grossrat bleiben, aber ich bin nicht zu 150 Prozent der Politik verschrieben, ich habe auch andere Neigungen und Interessen. Gut vorstellen kann ich mir, mich im kulturellen Bereich mehr zu engagieren. Ich möchte auch mehr reisen – nach Schottland zum Beispiel, wo ich sehr gerne hinfahre. Ich werde weiterhin arbeiten, aber möchte mein Pensum etwas reduzieren.

Sie spielen Geige. Wird auch diese wieder öfters erklingen? Ja, ich möchte gerne wieder mehr Musik machen. In den letzten Jahren blieb dafür wenig Zeit.

Haben Sie kein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrer Partei, die Sie mit diesem Rücktritt in eine delikate Situation bringen? Jeder Politiker hat so etwas wie eine Halbwertszeit. Die Uhr läuft. Für mich ist es jetzt Zeit. Ich bin froh, dass die Partei meinen Entscheid respektiert. Jeder ist ersetzbar, auch ich.

Sie hätten aber gute Chancen auf eine Wiederwahl gehabt. Ja, das denke ich auch. Aber ich will nicht zu den Politikern gehören, die am Schluss amtsmüde sind. Ich arbeite immer noch mit Freude als Gemeindepräsident und trete lieber ab, solange dies so ist.

Was sind die zentralsten Veränderungen, die Köniz unter Ihrer Ägide erlebt hat? Ich finde, Köniz hat sich als Agglomerationsgemeinde insgesamt erfreulich entwickelt. Im städtischen Teil ist viel passiert mit dem Liebefeld-Park, den Vidmarhallen und dem Schlossareal. Das ländliche Köniz konnten wir erhalten, wie es ist. Dass wir für unsere vorbildliche Siedlungsentwicklung den Wakkerpreis erhalten haben, hat mich sehr gefreut. Zudem ist es mir gelungen, die Finanzlage zu stabilisieren.

Der Stadt-Land-Graben ist in Köniz eine grosse Herausforderung für einen Gemeindepräsidenten.

Ich komme zwar selbst aus einem urbanen Kontext, aber ich habe immer gerne mit der ländlichen Bevölkerung gearbeitet. Ich glaube, man schätzte mich dort auch.

Was ist die grösste Herausforderung, die Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin meistern muss? Ganz klar das Verkehrsproblem. Ich finde, das Tram ist eine gute Antwort darauf. Es ist für uns eine einmalige Chance, ich hoffe, dass auch die Könizer Bürgerlichen dies noch begreifen.

Das Schlossareal ist Ihr liebster Ort in Köniz. Wie stellen Sie es sich vor, nicht mehr «König» von Köniz zu sein? Ich habe mich nie als König von Köniz gesehen. Klar trete ich auch mit einem weinenden Auge ab, ich habe viele gute Leute um mich. Sicher werde ich auch künftig gerne auf dem Schlossareal sein.

Berner Zeitung

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