«Ich bin jetzt der neue Schauspielleiter»

Bern

Eine überraschende Wahl: Konzert Theater Bern hat am Dienstag Regisseur Cihan Inan (47) als neuen Schauspiel-Spartenleiter vorgestellt. Zum Theater kam der gebürtige Burgdorfer über den Verriss einer Theaterpremiere.

Der neue KTB-Schauspieldirektor Cihan Inan spricht über seine Pläne für Bern.
Michael Feller@mikefelloni

In den frühen 90er-Jahren haute Cihan Inan für die «Berner Tagwacht» in die Tasten. So laut, dass es Auswirkungen auf seine Karriere hatte – die nun vorläufig darin gipfelt, dass er Schauspielchef von Konzert Theater Bern wird, wie das Vierspartenhaus gestern im Kubus bekannt gab.

Ab 1. September ist er Teilzeitangestellter von Konzert Theater Bern und nimmt die Vorbereitung der nächsten Spielzeit in Angriff. Auf die Spielzeit 2017/2018 übernimmt er die Spartenleitung von Intendant Stephan Märki, der das Schauspiel bis dahin ­interimistisch leitet. Inan wird bei jährlich einer Produktion selbst die Regie übernehmen.

Wie er dann wohl selbst mit Kritik zurechtkommen wird? Es war 1994, als der damals 25-jäh­rige Inan die Uraufführung von «Die Alphabeten» von Matthias Zschokke derart zerpflückte, dass ihn der Chefdramaturg des Stadttheaters herbeizitierte und ihm die Leviten las. Daraus ergab sich für den Studenten der Phi­losophie und Germanistik aber – o Wunder – die Möglichkeit, am Stadttheater ein Regiepraktikum zu absolvieren.

Regie und «grosses Kino»

Es war der Start zu seiner zunächst steilen Regiekarriere. 1996 wurde er an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau Regieassistent, wenig später ­inszenierte er selbst und wurde Hausregisseur. 2002 kehrte er erstmals nach Bern zurück und inszenierte am Stadttheater «Parasiten» von Marius von Mayenburg.

Danach wechselte er zum Film. Für «Pelotudo», eine Nick-Cave-Romanverfilmung, schrieb er das Drehbuch und führte Regie (2003), für «Der Verdingbub» (2008) von Markus Imboden lektorierte er das Drehbuch. 2010 schrieb er für den Episodenfilm «180°» wiederum das Drehbuch und führte Regie – «grosses Kino», urteilte diese Zeitung vor sechs Jahren.

Die Rückkehr ins Theater folgte 2011, war aber von kurzer Dauer: Am Theater Neumarkt in Zürich war er in einem stürmischen Umfeld eine Saison lang Chefdramaturg. Er verliess das Haus schon nach einem Jahr wieder, «aus privaten Gründen», wie er heute sagt. Seither hatte er zahlreiche Aufträge in Film- und TV-Produktionen.

«Ja, ich bin jetzt der neue Schauspielleiter»: So stellte er sich gestern vor, nachdem Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel und Intendant Stephan Märki an der kurzen Medien­konferenz das Auswahlprozedere umrissen hatten. Aus einer Shortlist von 15 Kandidaten hatte Märki dem Stiftungsrat 3 Namen vorgeschlagen. Das Gremium wählte Cihan Inan «mit Überzeugung».

Von diesem folgten weder Theaterfloskeln noch eine wortgewaltig geschmückte Vision. Immerhin war zu erfahren, dass er mit Stephan Märki die Idee vom Theatermachen teile. Nach der geräuschintensiven Freistellung seiner Vorgängerin Stephanie Gräve steht er unter genauer Beobachtung. Er nimmt es mit einem Schulterzucken (siehe Videointerview).

Bald erste Regiearbeit

Weil Inan zuletzt nicht mehr im Theater tätig war, hatte ihn niemand auf der Rechnung für die Schauspielleitung. Doch Bern kann sich schon bald ein Bild über Cihan Inans Idee des Theaters machen. Nächste Woche führt er Regie in Jürg Halters erstem Schauspiel «Der Mondläufer».

Nur dank Jürg Halter kam Cihan Inan bei Konzert Theater Bern überhaupt ins Gespräch.

Diesen Auftrag fasste er, lange bevor er für die Theaterleitung in Frage gekommen war. Jürg Halter selbst schlug ihn als Regisseur vor. Die beiden kennen sich schon lange: Als Rapper Kutti MC hatte Halter beim «180°»-Titelsong mitgewirkt. Nur dank Halter kam Inan also ins Gespräch um die Gräve-Nachfolge.

Der gebürtige Burgdorfer mit türkischen Wurzeln wuchs in Wohlen AG auf und wurde dort 2002 eingebürgert. Er bringt eine breite Erfahrung in der Kulturproduktion mit. Er kehrt zurück ans Haus, wo seine kurvenreiche Karriere begann. Und wie hält er es nun mit der Kritik? «Ach, die gehört dazu.»

Berner Zeitung

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