Köniz

Hymnen ohne Worte

KönizPianist Hanery Amman startete im Kulturhof Schloss Köniz eine Tournee, die ihn erstmals rein instrumental zeigt. Das Publikum konnte sich der euphorisierenden Wirkung seiner Melodien nicht entziehen.

Ein Angefressener: Hanery Amman am Samstag im Kulturhof Schloss Köniz.

Ein Angefressener: Hanery Amman am Samstag im Kulturhof Schloss Köniz. Bild: Susanne Keller

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stücke, die er an der Premiere zu seiner «Instrumental Tour» spielt, tragen Titel wie «Indigo», «Primavera» oder «Tristessa». Aber eigentlich könnten sie alle «Hanery» heissen. Denn Hanery Amman ist einer, der alles in seine Songs wirft, der eins ist mit ­seiner Musik.

Ein Angefressener, der auf dem Klavierstuhl herumhüpft wie auf einem Gummiball, der sich tief über sein E-Piano beugt und zuschaut, wie die Finger über die Tasten gleiten, der strahlt und schwitzt.

Man kennt den 63-Jährigen als Pianisten der legendären Mundartrockband Rumpelstilz. Dort war er für die melodiösen Einwürfe und die Hits zuständig. Klassiker wie «D’Rosmarie und i» waren geprägt von seinen Intros.

Später startete er eine Solo­karriere, zuerst mit englischen Songs, dann wieder auf Mundart – nachdem Polo Hofer einen Text zu einem seiner «Ausschusssongs» geschrieben hatte und dem Duo mit «Alperose» seinen langlebigsten Erfolg bescherte. Heute ist ein Platz in seiner Heimatstadt Interlaken nach Hanery benannt.

Abwarten und Klavier spielen

Doch wenn Hanery Amman spielt, braucht es solche Erklärungen nicht. Vieles, was an dieser Premiere vorgestellt wird, hat das Publikum im Rossstall Köniz noch nie gehört. Und doch kommt es einem vor, als seien diese Melodien und Arrangements schon immer da gewesen, als gehöre das alles zusammen.

Ab und zu gibt es ein Déjà-vu, etwa wenn Amman «Alpewäse» von seinem letzten Studioalbum «Solitaire» anspielt, das vor 16 (!) Jahren erschien – ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. «Wir schauen nun zuerst, was auf der Bühne passiert», sagt Hanery. Er setze eben auf Geduld, eine Eigenschaft, die im Musikgeschäft selten anzutreffen sei.

Fels in der Brandung

Auch seiner Band hält Amman schon lange die Treue – und sie ihm. Im Zentrum steht wie ein Fels in der Brandung Ammans einstiger Rumpelstilz-Kollege Säm Jungen,der seine sparsamen Bassfiguren mit seinen Atemzügen synchronisiert hat.

An den Bühnenrändern wirken zwei Gitarristen, die sich ergänzen: Hier der Eremit Andy Maurer mit seinen Flamenco-Einwürfen, dort der entspannte Rhythmiker Mägi Koch. Für das Fundament sorgt Drummer Timo Wüthrich, der für diese Tour mit dem filigranen Perkussionisten Andi Pupato ergänzt wird.

Standing Ovations

Der euphorisierenden Wirkung von Ammans neuen Melodien, die ab und zu mit einem Groove im New-Orleans-Stil aufgepeppt werden, kann sich das Publikum am Samstag nicht entziehen. Bald kommt der erste Szenenapplaus, es folgen spontane Zwischenrufe und schliesslich Standing Ovations. Hanery Ammans Kompositionen haben etwas Hymnisches.

Deshalb schlug Polo Hofer auch schon vor, die neue Nationalhymne von ihm schreiben zu lassen. Aber eben: In Ammans Melodien ist zu viel Hanery drin, um aus ihm einen Auftragsschreiber zu machen – selbst, wenn der Auftraggeber die Schweiz wäre. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.03.2016, 07:26 Uhr

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Bern & so Eine Stadt im Wandel

Sportblog Ich, ich, ich!

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...