Hund durfte nicht an Bord, Passagierin verlor die Nerven

Eine Flugpassagierin wollte nicht akzeptieren, dass sie ihre Hündin nicht in einer Sporttasche transportieren darf. Davor und danach lief am Flughafen Bern-Belp einiges schief.

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Die Frau hatte vermeintlich alles abgeklärt für ihren Flug nach Berlin. Ihre grösste Sorge war, dass sie ihre Hündin, einen Jack Russel Terrier, mitnehmen wollte.

Nach vielen Telefongesprächen und einem Mailverkehr mit der Fluggesellschaft Skywork glaubte die Frau, alles Nötige vorgekehrt zu haben: Ihre tierische Begleiterin sollte in einer grossen Sporttasche mitfliegen. Denn ihre Transportboxen kamen nicht infrage. Zusammen mit der Hündin hätten sie das bei Skywork maximal erlaubte Gewicht von acht Kilogramm überschritten.

Durch Sicherheitskontrolle

Zu Beginn lief an diesem Januarnachmittag 2018 alles wie am Schnürchen. Die Frau passierte mit ihrer Hündin das Check-in und die Sicherheitskontrolle. Erst kurz vor dem Abflug wurde sie darauf hingewiesen, dass die schwarze Sporttasche kein ge­eignetes Transportmittel sei.

Die Tasche müsste geschlossen werden, die Hündin wäre ohne Licht und Luft. So dürfe sie das Flugzeug nicht besteigen, beschied ihr die Skywork-Mitarbeiterin in einer langen Diskussion. Daran ändert sich auch nach einer Nachfrage bei der Pilotin und der Fluggesellschaft nichts.

In den folgenden Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Die Frau packte ihre Sachen, öffnete eine Tür und marschierte schnurstracks in Richtung Flugzeug, in dem die anderen Passagiere auf den Abflug warteten.

Die Skywork-Mitarbeiterin und ein Polizist hinterher. Nachdem sie auf die Anweisungen nicht reagiert hatte, packte der Polizist sie am Arm und führte sie zurück in die Abflughalle.

Strafbefehl angefochten

«Ich war mir nicht bewusst, dass ich im Unrecht war», sagte die Frau am Mittwoch vor Gericht. «Ich bin in Panik geraten.» Auf dem Flugfeld sei sie so in ein Telefongespräch vertieft gewesen, dass sie die Aufforderungen nicht gehört habe.

Sie habe eine Lösung für ­ihre Hündin gesucht, jemanden angerufen, der das Tier abholen würde. Das Ganze tue ihr leid, sagte sie am Mittwoch unter Tränen. Sie habe sich ungerecht behandelt gefühlt. Die Stimmung vonseiten von Skywork sei «aggressiv und respektlos» gewesen.

Das Gericht musste den Vorfall behandeln, nachdem die Frau einen Strafbefehl angefochten hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte sie wegen Hinderung einer Amtshandlung sowie wegen Widerhandlungen gegen das Luftfahrt- und Tierschutzgesetz zu einer bedingten Geldstrafe (15 Tagessätze) und einer Busse (500 Franken) verurteilt.

Ihr Verteidiger verlangte Freisprüche in allen Anklagepunkten. Er wies auch auf die psychischen Probleme seiner Mandantin hin, die sich unter anderem in einer Wahrnehmungsstörung äusserten. Die Frau sei in Stresssituationen schnell überfordert.

Sie hatte keinen Freipass

«Es ist auf dem Flughafen nicht alles rundgelaufen», fasste Gerichtspräsidentin Christine Schär die Ereignisse zusammen. Die vorherigen Abklärungen seien aber ebenso wenig ein Freipass gewesen wie die Tatsache, dass am Check-in-Schalter und bei der Sicherheitskontrolle niemand reagiert habe.

Und: «An einem Flugplatz öffnet man nicht einfach eine Tür, selbst auf dem Belpmoos nicht.» Die Frau sei in eine verbotene Zone gelangt. Für Schär war ebenfalls klar, dass der Transport der Hündin in dieser Sporttasche nicht dem Tierschutzgesetz entspricht.

Die Richterin bestätigte die Schuldsprüche beim Luftfahrt- und Tierschutzgesetz und brummte der Frau eine Busse von 400 Franken auf. Hingegen sprach sie die Passagierin vom Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung frei, dem Hauptanklagepunkt. Es sei ein Grenzfall. Aber wenn jemand bloss einer Anordnung nicht folge, sei der Straftatbestand noch nicht erfüllt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 19:50 Uhr

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