Hotpants und feurige Pointen

Bern

Zum Start der zweiten Staffel hat die «Too Late Show» im Progr-Hof so richtig geklotzt. Nicht jede Pointe sass. Ausgerechnet die Frau vom Zirkus sorgte für den Satz des Abends.

So etwas wie ein Höhepunkt: Feuerspeierin Jennifer Gasser, Spross der traditionsreichen Zirkusfamilie, an der «Too Late Show» beim Progr.

So etwas wie ein Höhepunkt: Feuerspeierin Jennifer Gasser, Spross der traditionsreichen Zirkusfamilie, an der «Too Late Show» beim Progr.

(Bild: Rob Lewis/zvg)

Michael Feller@mikefelloni

Was ist es denn nun – Ironie oder selbstverliebtes Gefasel oder Trash oder ein bisschen von allem? Darauf gab es auch nach dem Auftakt der zweiten Staffel der «Too Late Show» keine schlüssige Antwort. Falsche Bescheidenheit indes war ganz sicher nicht das Thema des Open-Air-Abends. Im Progr-Hof wurde geklotzt.

Zu Beginn fuhren die Mitstreiter einer nach dem anderen mit Töffli und Motorrädern auf die Bühne. Zuerst die Nebendarsteller Gisela Feuz, Raphael Urweider und Matto Kämpf, dann der in Pelz gewandete Showmaster Dominik Gysin. Kann die erste Open-Air-Show mit ihrem eigenen Auftaktgetöse überhaupt mithalten?

«Das Land ist genug gross!»

Zum Teil. Auch wenn bei Raphael Urweider kein Gefühl von Witz-Timing zu erkennen war und sich von den drei Sidekicks einzig Matto Kämpf als Bereicherung des Abends erwies. Dominik Gysin führte aufgekratzt bis schwungvoll an seinem Showmaster-Pult durch den Abend, der mit den Themen des Sommers – Asylkrise bis Bischof Huonder – eingeleitet wurde. «Huonder, ist das ein Sirup?» verwies den anderen Witz zum Thema knapp auf Rang zwei: «Was ist der? Homoschof? Heteroschof? Nein, Bischof!»

Nicht jede Pointe sass, der Abend bot trotzdem gute Unterhaltung. Das lag in erster Linie an Gysins überraschenden Fragen und an den Gästen. Nachdem die Rapper Kaiser und Dimitri eher wenig zu Wort gekommen waren, erklomm die Feuerspeierin Jennifer Gasser, Spross der traditionsreichen Zirkusfamilie («Ich bin die neue Generation») und vom Schlag «Blondes Gift», die Showbühne.

Erfrischend ironiefrei stellte sie sich den Fragen – und war für den Satz des Abends besorgt. Auf die Frage, ob es denn zwischen den Zirkusfamilien nicht Zoff gebe wie unter rivalisierenden Rappern, sagte sie: «Das Land ist genug gross!» – was sich zum Gaudi des Publikums auf die politische Grosswetterlage uminterpretieren liess. Danach riss sich Frau Gasser das Beinkleid vom Leib und spie in Netzstrümpfen und Hotpants Feuer.

Ihr unfreiwilliges Statement konnte auch Weltumarmer Müslüm zum Schluss nicht mehr toppen. Nach etwas moraltriefenden philosophischen Umwegen und Zickereien mit Matto Kämpf (der ihn nach seinem Lohn gefragt hatte) fand er die Lacher des Publikums dann doch noch. Sein Liedbeitrag wurde zu einem erwarteten Höhepunkt.

Die Erstbesteigung des Progr

Die Begleitband um Drummer Gere Stäuble und Gitarrist/Sänger Maze Küenzler spielte jederzeit auf den Punkt und könnte es durchaus mit Bands deutscher TV-Late-Night-Shows aufnehmen. An ihr waren die hohen Ambitionen von Initiator und Produzent Till Könneker am besten erkennbar. Erstmals wird die Show diese Woche auf TeleBärn ausgestrahlt.

Zum Schluss kündete Raphael Urweider die Erstbesteigung des Progrs an und schlüpfte ins Klettergeschirr. Er schaffte es bis zum zweiten Stock.

Nächste Show: Fr, 25.9., 21.30 Uhr, Progr, Turnhalle. www.toolateshow.ch

Berner Zeitung

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