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Hohe Erwartungen an den Stapi für alle

Überraschend deutlich ist der Grüne Alec von Graffenried zum neuen Berner Stadtpräsidenten gewählt worden. Er positionierte sich als Brückenbauer und «Stapi für alle». Mit entsprechend hohen Erwartungen wird er sich nun konfrontiert sehen.

Stapi-Kandidatin Ursula Wyss sei im Vorfeld der Wahl als «machthungrige, distanzierte Favoritin» dargestellt worden, findet die SP Stadt Bern.
Stapi-Kandidatin Ursula Wyss sei im Vorfeld der Wahl als «machthungrige, distanzierte Favoritin» dargestellt worden, findet die SP Stadt Bern.
Keystone
15.01.2017: Der Grüne Alec von Graffenried ist neuer Berner Stadtpräsident.
15.01.2017: Der Grüne Alec von Graffenried ist neuer Berner Stadtpräsident.
Andreas Blatter
Ende November durften sich Ursula Wyss und Alec von Graffenried noch gegenseitig zur Wiederwahl beziehungsweise Wahl in den Gemeinderat beglückwünschen. Beim Stadtpräsidium gibt es nur einen Sieger. (27.11.2016)
Ende November durften sich Ursula Wyss und Alec von Graffenried noch gegenseitig zur Wiederwahl beziehungsweise Wahl in den Gemeinderat beglückwünschen. Beim Stadtpräsidium gibt es nur einen Sieger. (27.11.2016)
Urs Baumann
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Alec von Graffenried (GFL) ist Berns neuer Stadtpräsident. Es hatte sich nach dem ersten Wahlgang abgezeichnet, dass Ursula Wyss (SP) es schwer haben würde, den bündnisinternen Konkurrenten auf der Ziellinie noch abzufangen – dass von Graffenrieds Vorsprung aber derart deutlich ist, überrascht doch.

Ein Stadtpräsident für alle werde er sein, verspricht von Graffenried. Er positionierte sich als Brückenbauer und hat damit mehr Bernerinnen und Berner angesprochen als die pointiert links politisierende Ursula Wyss. Von Graffenried nutzte geschickt den Bonus des Neuen, in den sich mehr hineininterpretieren lässt. Es ist ihm auch gelungen, Stimmen aus dem bürgerlichen Lager abzuholen. Entsprechend hoch sind nun die Erwartungen, die an den Stapi für alle von allen Seiten gestellt werden. Es wird von Graffenrieds grosse Herausforderung werden, den Spagat zwischen diesen Ansprüchen und seiner eigenen Haltung zu meistern. Dabei wird der Stapi nicht darum herumkommen, Entscheidungen zu treffen, für die er kritisiert wird.

Von Graffenrieds Triumph ist eine herbe Niederlage für die SP. Nach 24 Jahren verliert die grösste Partei das Stadtpräsidium. Fast vergessen geht dabei, dass die SP weiterhin mit zwei Mitgliedern in der Stadtregierung vertreten ist und dass das Rot-Grün-Mitte-Bündnis mit vier Sitzen die absolute Übermacht hat. Ein schwacher Trost dürfte für die SP auch sein, dass sie das Stadtpräsidium «nur» bündnisintern abtreten muss.

Die SP hatte sich entschieden, das Bündnis über alles zu stellen. Nun dürfte sich die Partei fragen, ob das der richtige Weg war: Das Bündnis geht zwar noch stärker aus diesen Wahlen hervor, die SP verliert aber das Präsidium. Ursula Wyss trug die für sie grosse Niederlage mit bewundernswerter Würde. Es ist diese Professionalität, die nun im Gemeinderat von allen gefordert sein wird. Der Wahlkampf ist vorbei. Von heute an geht es darum, die Stadt Bern gemeinsam voranzubringen.

Mail: mirjam.messerli@bernerzeitung.ch

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