Höchster Berner, Basler Fasnächtler

Bern

Am Donnerstag wird Thomas Göttin (SP) Stadtratspräsident und höchster Berner. Er möchte im Wahljahr Gelassenheit ins Parlament bringen und findet, der Stadtrat sei besser als sein Ruf.

Thomas Göttin?auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier Elfenau. «Meine Heimat ist Bern», sagt der gebürtige Basler.

Thomas Göttin?auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier Elfenau. «Meine Heimat ist Bern», sagt der gebürtige Basler.

(Bild: Andreas Blatter)

Thomas Göttin, morgen werden Sie als Basler zum höchsten Berner gewählt.Thomas Göttin:Meine Heimat ist Bern. Ich lebe seit Jahrzehnten hier. Ich bin hier verwurzelt. Aber es ist natürlich interessant, dass ich mit der Stadt Basel eine zweite Heimat habe. Einen anderen Referenzpunkt.

Worin unterscheiden sich die Städte Bern und Basel?Sie sind recht ähnlich – auch politisch. Ich habe das Gefühl, Basel ist noch eine Spur offener. Und die Basler haben einen etwas spitzeren Humor als die Berner. Das spürt man zum Beispiel während der Fasnacht.

Bei der Fasnacht sind Sie ja klar ein Basler: Sie spielen dort in einer Gugge . . .. . . Clique! (lacht) Ja, als Fasnächtler habe ich mich für Basel entschieden.

Böse Zungen behaupten ja, im Berner Stadtrat gehe es hie und da zu wie an der Fasnacht.In letzter Zeit wurde für meinen Geschmack die Arbeit des Stadtrats etwas gar schlecht gemacht – und dies auch von Stadträtinnen und Stadträten selber. Ich empfinde das nicht so. Die grosse Mehrheit der Parlamentsmitglieder ist engagiert, seriös und sich der grossen Verantwortung durchaus bewusst.

Wie starten Sie in Ihr Präsidialjahr?Mit Vorfreude. Und sicher auch mit einem gewissen Respekt. Natürlich frage ich mich, wie dieses Jahr wird und ob ich der Aufgabe gewachsen bin.

Sie präsidieren den Stadtrat in einem Wahljahr. Wie verändert das Ihre Aufgabe?Ich glaube, nicht gross. Grundsätzlich sind die Positionen bezogen. Die Emotionen werden wohl bei den üblichen Themen hoch gehen. Ich finde, es gehört auch dazu, dass man engagiert diskutiert. Das scheue ich nicht. Nicht das Ziel ist sicher, dass man bei Sachgeschäften während des Stadtrats quasi eine zweite Kommissionssitzung abhält und sich in x Anträgen und Details verliert. Man sollte strategisch entscheiden: Will man das oder nicht.

Wo werden Sie als Präsident eingreifen? Was tolerieren Sie nicht?Persönliche Angriffe oder Beleidigungen liegen nicht drin. Aber ich muss noch einmal sagen: Solche Situationen sind die grosse Ausnahme. Der Stadtrat macht grösstenteils «suberi Büez».

Wird es Ihnen fehlen, selber mitzudiskutieren?Nein, das habe ich schon als Vizepräsident nicht vermisst. Diesen Aspekt habe ich ausgelebt – sei es früher als Präsident der SP oder als Stadtrat. Nun habe ich eine andere Rolle, die mir auch gefällt.

Stichwort SP: Sie waren Präsident der grössten Stadtberner Partei und sind damit erfolgsverwöhnt. Wo steht die SP vor den kommenden Wahlen?Grundsätzlich halte ich mich zurück mit solchen Einschätzungen. Dafür sind unsere Parteistrategen da. Aber ich denke, die SP und die Fraktion im Stadtrat sind gut aufgestellt.

Das Stadtpräsidium ist der SP mit Ursula Wyss so gut wie sicher.Ich masse mir keine Prognosen an. Aber natürlich ist Ursula Wyss eine sehr versierte und engagierte Gemeinderätin und ausgezeichnete Kandidatin für das Stadtpräsidium.

Die SP ist im Rot-Grün-Mitte-Bündnis seit über 20 Jahren an der Macht. Nun liebäugeln die grünen Parteien mit einer Fusion. Was bedeutet das für RGM?RGM passt zu Bern, einer spannenden, offenen und innovativen Stadt. Daran wird sich aus meiner Sicht nicht grundsätzlich etwas ändern. Dass die grünen Parteien enger zusammenarbeiten wollen, finde ich nachvollziehbar. Das tun sie ja auch auf kantonaler und nationaler Ebene. Aber ich wollte mich ja eigentlich gar nicht gross zu parteistrategischen Fragen äussern. (lacht) Als Stadtratspräsident bin ich neutral.

Was werden Sie dem Parlament morgen in Ihrer Antrittsrede mit auf den Weg geben?Dass wir uns wieder mehr bewusst sein sollen, dass das Parlament gute und wichtige Arbeit leistet. Ich finde zum Beispiel auch nicht, dass Effizienz über allem stehen sollte. Debatten brauchen ihre Zeit. Ich möchte in meinem Präsidialjahr eine gewisse Gelassenheit in den Ratsbetrieb bringen. Und auch gegen aussen ein Botschafter sein für die Arbeit des Parlaments.

Berner Zeitung

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