Zum Hauptinhalt springen

Hoch oben auf dem Gurnigel könnten dereinst Bären leben

Im Gantrischwald schwärmt Ruedi Flückiger vom Projekt des Tierparks Bern: Das Areal ist einer von zwei möglichen Standorten für die geplanten Bärengehege. Weniger euphorisch klang es hingegen am Abend an der Infoveranstaltung.

Das Waldstück hinter dem Gurnigelbad sei ein idealer Standort, so Projektleiter Ruedi Flückiger.
Das Waldstück hinter dem Gurnigelbad sei ein idealer Standort, so Projektleiter Ruedi Flückiger.
Adrian Moser
Den Waldpfad durch den Gurnigelwald könnten dereinst Bärengehege säumen.
Den Waldpfad durch den Gurnigelwald könnten dereinst Bärengehege säumen.
Adrian Moser
Im Gantrischgebiet sollen die voraussichtlich sechs Bären auf rund fünf Hektaren möglichst natürlich leben können.
Im Gantrischgebiet sollen die voraussichtlich sechs Bären auf rund fünf Hektaren möglichst natürlich leben können.
Adrian Moser
1 / 4

Falls die Bären dereinst nach Riggisberg ziehen, werden sie eine wunderbare Aussicht haben. Als Ruedi Flückiger auf dem Kiesparkplatz hinter dem Gurnigelbad aus dem Auto steigt, erstreckt sich das Panorama zu seinen Füssen: Schwarzenburg, Riggisberg, Gürbental – der Präsident der GantrischPlus AG lässt seinen Blick kurz über das Panorama streifen und schlägt dann den Weg ein, der tief in den Wald hinein führt.

Hier oben auf dem Gurnigel, direkt hinter dem Gurnigelbad, liegt der erste von zwei möglichen Standorten für die geplanten Bärengehege des Tierparks Bern. Zwischen den Fichten, Felsen und Bächlein würde sich der Bär sicher wohlfühlen, so Flückiger. Rund fünf Hektaren werden benötigt, um drei Gehege für die Bären zu bauen.

So sieht es der Plan des Tierparkdirektors Bernd Schildger vor: Dieser will, dass die Mutzen im städtischen Bärenpark wieder Nachwuchs haben können – so, wie letztmals 2010, als die beiden Bärenjungen Ursina und Berna im Park herumtollten. Damit die Jungen dann aber auch im Kanton bleiben können, braucht der Tierpark mehr Platz. Diesen findet er im Gantrischgebiet: Hier sollen jene Tiere unterkommen, die von ihren Müttern weggetrieben werden.

Viel Wohlwollen rundherum

Neben dem Gurnigelwald kommt zurzeit noch der Dorfwald bei Schwarzenburg als Standort infrage. Um diesen zu erreichen, hätte Ruedi Flückiger weniger lange gebraucht: Der Dorfwald ist gut erschlossen – im Halbstundentakt fährt die S-Bahn nach Schwarzenburg. Und das Postauto nach Guggisberg hält mitten im Wald.

Ob da der Gurnigelwald im Vergleich nicht etwas gar weit weg ist? Flückiger relativiert: «Beide Standorte haben ihre Vor- und Nachteile. Der Dorfwald ist zwar besser erreichbar, dafür ist hier bereits viel Infrastruktur vorhanden.»

Damit meint Flückiger nicht nur die alten Baracken der Armasuisse, der das Waldstück aktuell gehört und die zurzeit ungenutzt neben dem Parkplatz herumstehen. Auch auf den Gasthof Gurnigelbad spielt er an: Dessen Inhaber habe bereits grosses Interesse bekundet.

Bei ihm könnten die Besucher speisen, übernachten oder sogar Souvenirs kaufen. «Die nötigen Räume dafür wären vorhanden», so Flückiger. Im Februar 2020 soll entschieden werden, an welchen der beiden Standorte die Bären ziehen.

«Beide Standorte haben ihre Vor-und Nachteile. Der Dorfwald ist zwar besser erreichbar, dafür ist beim Gurnigelbad bereits viel Infrastruktur vorhanden.»

Ruedi Flückiger, Projektleiter und Präsident der GantrischPlus AG

Beim Wegweiser mit der Aufschrift «Waldpfad» hält Flückiger an. Er deutet den Weg entlang: «Hier könnten einst Schulklassen, Vereine und andere Besuchergruppen hindurchwandern – ein Gehege links und eines rechts.»

Ein massiver, teilweise elektrischer Zaun, der mehrere Meter im Boden verankert wird, soll dafür sorgen, dass der Bär und die Besuchenden jeweils auf ihrer Seite bleiben. Viel mehr dürfe im Wald aber nicht gebaut werden. Umso praktischer seien die alten Barracken der Armee, die ebenfalls genutzt werden könnten.

Bei all dem handle es sich aber noch nur um Grundzüge, so Flückiger. Wo genau die Gehege hinkommen, was noch alles gemacht werden muss und vor allem für welchen der beiden Standorte man sich entscheiden wird, das alles ist noch offen.

Eines jedoch scheint klar zu sein: Die Pläne des Tierparks sind breit abgestützt. Sowohl die Gemeinderäte als auch die Grundeigentümer bekennen sich zu den Bären. Deutlich kritischer wird es ein paar Stunden später klingen, zurück im Tal.

Das Volk bleibt skeptisch

In der Aula der Schule Riggisberg füllen sich die Stühle bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Informationsveranstaltung. Gemeinsam mit Tierparkdirektor Bernd Schildger und dem Riggisberger Gemeindepräsident Michael Bürki (SVP) lädt Ruedi Flückiger Medien und Bevölkerung ein, um über das Vorhaben zu informieren. Es ist einer von zwei geplanten Abenden: Der zweite wird morgen Freitag in Schwarzenburg stattfinden.

Der Anlass selbst beginnt mit einem Schrei. Auf die Frage, was den Bären ausmache, antwortet Bernd Schildger nach einer kurzen Pause mit lautem Gebrüll. «Der Bär ist faszinierend und unberechenbar zugleich», fügte er erklärend an. Gewohnt überzeugend schildert der Direktor des Tierparks, wie der Bär lebt und was er für ein glückliches Leben braucht.

Und er zieht den Vergleich zur früheren Bärenzucht in der Stadt Bern: «Teilweise lebten bis zu 25 Tiere im Bärengraben. Im Frühling wurden die Jungen den Müttern weggenommen, gemastet und dann im Herbst gegessen.»

«Es wäre schade um jeden Franken, der da reininvestiert wird.»

Ein Besucher der Infoveranstaltung

Überzeugen kann er damit nicht jeden. Obwohl die meisten Reaktionen positiv ausfallen, meldeten sich im Anschluss auch einige skeptische Stimmen. Jemand möchte wissen, wie es denn um die Sicherheit stehe – etwa, wenn ein Sturm die Zäune umweht. Eine andere Anwesende macht sich Sorgen um die Finanzierung und fürchtet, dass die Gemeinde einen grossen Teil der Kosten übernehmen muss.

Die Finanzierung gehe sicherlich nicht über die Gemeinden, erklärt Ruedi Flückgier, «eine Steuererhöhung muss nicht befürchtet werden». Und Schildger versucht zu beruhigen, was die Sicherheit anbelangt: Der Zaun verfüge über ein ausgeklügeltes Warnsystem. «Zudem bleiben Tiere bei Naturkatastrophen ohnehin lieber in ihrem Territorium.»

Am deutlichsten drückt sich indes ein älterer Herr aus: Er verstehe nicht, weshalb es an zwei Standorten im Kanton Bären brauche – der Park in der Stadt reiche doch völlig aus. «Ich finde, das Ganze sollte man rechtzeitig abblasen», schliesst er, «es wäre schade um jeden Franken, der da reininvestiert wird.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch