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HIV-verseuchtes Blut von einem Schüler?

Der Berner «Heiler», der 16 Personen mit dem HI-Virus angesteckt haben soll, könnte das versuchte Blut über Jahre einem seiner Musikschüler abgenommen haben.

Wolf Röcken
Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
Musiklehrer und Esoteriker: Der selbsternannte «Heiler» von Bern.
Musiklehrer und Esoteriker: Der selbsternannte «Heiler» von Bern.
Mit einem grossen Medienrummel ging Ende Juni der Heilerprozess zu Ende.
Mit einem grossen Medienrummel ging Ende Juni der Heilerprozess zu Ende.
Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den «Heiler» zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten wegen schwerer Körperverletzung und Verbreitens menschlicher Krankheiten.
Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den «Heiler» zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten wegen schwerer Körperverletzung und Verbreitens menschlicher Krankheiten.
Der «Heiler von Bern» sei nach dem Urteil «sehr niedergeschlagen», sagte sein Verteidiger Ernst Reber am Freitag vor dem Berner Amthaus.
Der «Heiler von Bern» sei nach dem Urteil «sehr niedergeschlagen», sagte sein Verteidiger Ernst Reber am Freitag vor dem Berner Amthaus.
Staatsanwalt Hermann Fleischhackl beantragte 15 Jahre. Das Gericht blieb bei der Strafzumessung mit 12 Jahren und 9 Monaten allerdings darunter. Er wolle deshalb die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und erst danach über einem allfälligen Weiterzug entscheiden.
Staatsanwalt Hermann Fleischhackl beantragte 15 Jahre. Das Gericht blieb bei der Strafzumessung mit 12 Jahren und 9 Monaten allerdings darunter. Er wolle deshalb die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und erst danach über einem allfälligen Weiterzug entscheiden.
Die Blutentnahmen verliefen laut Zeugenaussage vor Gericht immer gleich: Der «Heiler» band ihm den Arm ab und setzte eine Spritze. Einst wurde er als Mittäter verdächtigt, nun belastet er den «Heiler» stark. «Ja, das weiss ich. Aber ich muss die Wahrheit sagen.
Die Blutentnahmen verliefen laut Zeugenaussage vor Gericht immer gleich: Der «Heiler» band ihm den Arm ab und setzte eine Spritze. Einst wurde er als Mittäter verdächtigt, nun belastet er den «Heiler» stark. «Ja, das weiss ich. Aber ich muss die Wahrheit sagen.
Eine Kerze, eine Kugel, eine Nadel: Opfer X.Y. lag  beim «Heiler» auf dem Boden. Er solle sich  auf die Kugel konzentrieren, habe dieser gesagt.
Eine Kerze, eine Kugel, eine Nadel: Opfer X.Y. lag beim «Heiler» auf dem Boden. Er solle sich auf die Kugel konzentrieren, habe dieser gesagt.
Die Betroffenen legten sich auf den Bauch – und dann kam es zu einem Stich. Nach diesem Muster soll der «Heiler» bei den Opfern vorgegangen sein. Andere machte er bewusstlos und soll sie dann gestochen haben.
Die Betroffenen legten sich auf den Bauch – und dann kam es zu einem Stich. Nach diesem Muster soll der «Heiler» bei den Opfern vorgegangen sein. Andere machte er bewusstlos und soll sie dann gestochen haben.
Ein Reservoir: Die HI-Viren der Opfer haben die gleiche Quelle.
Ein Reservoir: Die HI-Viren der Opfer haben die gleiche Quelle.
Fatale Injektionen: Der Berner Heiler hat seine Patienten vermutlich durch eine Spritze mit HIV infiziert und verkaufte es ihnen als Akupunktur.
Fatale Injektionen: Der Berner Heiler hat seine Patienten vermutlich durch eine Spritze mit HIV infiziert und verkaufte es ihnen als Akupunktur.
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Im März muss sich der Berner Musiklehrer G.* vor Gericht verantworten. Der Hauptvorwurf: Der selbst ernannte Heiler soll über Jahre hinweg 16 Personen mit dem HI-Virus angesteckt haben, indem er ihnen verseuchtes Blut spritzte. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Unklar war bisher, woher er das verseuchte Blut hatte – und ob von einer oder von mehreren Personen. Er selber ist HIV-negativ. Aus der Anklageschrift geht nun hervor, dass es sich theoretisch um eine einzige Quelle handeln könnte, von der er das Blut oder anderes versuchtes biologisches Material bezog. Ein Musikschüler soll G. von seiner HIV-Infektion berichtet haben. Danach soll ihm G. gesagt haben, er könne ihm helfen und das Blut in einem Labor analysieren lassen. Unter diesem Vorwand soll er dem Schüler wiederholt Blut entnommen haben – bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2005.

Abgelenkt und gestochen

Bekannt ist, dass G. den Opfern verseuchtes Blut nach ähnlichem Muster spritzte: Den meisten kündete er eine Akupunkturbehandlung, einen Schmerztest oder ein «Öffnen des dritten Auges» an. Einige wies er an, dabei einen Kristall zu fixieren. Während der Behandlungen stach er die Opfer mit einem Gegenstand. Einigen servierte er ein Getränk, nach dessen Einnahme sie einschliefen. So soll es zweimal auch seiner Ex-Freundin ergangen sein. Kurz nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie sich von ihm trennen wolle, empfing G. sie in seiner Wohnung. Während der Bewusstlosigkeit soll er sie auf unbekannte Art und Weise vorsätzlich mit HIV infiziert haben.

Ehefrau mit Tod bedroht

G. wird sich vor Gericht nicht nur wegen Verbreiten von menschlichen Krankheiten verantworten müssen. Ihm werden auch schwere Körperverletzung, Drohung, versuchte Nötigung und Tätlichkeiten vorgeworfen. So soll er seiner Ehefrau gesagt haben, dass er sie töten und sie mit einem Messer erstechen werde, damit sie verblute und qualvoll sterbe. Einmal soll G. gesagt haben, er werde die Tochter entführen. Eine Tätlichkeit soll er begangen haben, als er seine Ehefrau ohrfeigte, als sie die gemeinsame Tochter im Arm hielt.

2010 verfügte das Haftgericht G. ein Kontaktverbot zu Ehefrau, Tochter, Schwager und Schwiegereltern. Zudem wurde er dazu verpflichtet, sich täglich bei der Polizei zu melden und sich vom neuen Wohnort der Ehefrau fernzuhalten.

Pistole und Armbrust

Bei G. wurden nebst Akupunkturnadeln und dem Kristall auch Waffen beschlagnahmt: etwa eine Selbstladepistole, zwei Magazine, 23 Patronen, ein Schulterholster, eine Kleinarmbrust mit Pfeil sowie ein Springmesser.

G. sass zwischen 2005 und 2010 während total 72 Tagen in Untersuchungshaft. Zuletzt war er auf freiem Fuss, weil laut Staatsanwaltschaft keine Gründe für eine U-Haft mehr gegeben waren.

*Name der Redaktion bekannt

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