HIV-verseuchtes Blut von einem Schüler?

Bern

Der Berner «Heiler», der 16 Personen mit dem HI-Virus angesteckt haben soll, könnte das versuchte Blut über Jahre einem seiner Musikschüler abgenommen haben.

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Wolf Röcken

Im März muss sich der Berner Musiklehrer G.* vor Gericht verantworten. Der Hauptvorwurf: Der selbst ernannte Heiler soll über Jahre hinweg 16 Personen mit dem HI-Virus angesteckt haben, indem er ihnen verseuchtes Blut spritzte. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Unklar war bisher, woher er das verseuchte Blut hatte – und ob von einer oder von mehreren Personen. Er selber ist HIV-negativ. Aus der Anklageschrift geht nun hervor, dass es sich theoretisch um eine einzige Quelle handeln könnte, von der er das Blut oder anderes versuchtes biologisches Material bezog. Ein Musikschüler soll G. von seiner HIV-Infektion berichtet haben. Danach soll ihm G. gesagt haben, er könne ihm helfen und das Blut in einem Labor analysieren lassen. Unter diesem Vorwand soll er dem Schüler wiederholt Blut entnommen haben – bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2005.

Abgelenkt und gestochen

Bekannt ist, dass G. den Opfern verseuchtes Blut nach ähnlichem Muster spritzte: Den meisten kündete er eine Akupunkturbehandlung, einen Schmerztest oder ein «Öffnen des dritten Auges» an. Einige wies er an, dabei einen Kristall zu fixieren. Während der Behandlungen stach er die Opfer mit einem Gegenstand. Einigen servierte er ein Getränk, nach dessen Einnahme sie einschliefen. So soll es zweimal auch seiner Ex-Freundin ergangen sein. Kurz nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie sich von ihm trennen wolle, empfing G. sie in seiner Wohnung. Während der Bewusstlosigkeit soll er sie auf unbekannte Art und Weise vorsätzlich mit HIV infiziert haben.

Ehefrau mit Tod bedroht

G. wird sich vor Gericht nicht nur wegen Verbreiten von menschlichen Krankheiten verantworten müssen. Ihm werden auch schwere Körperverletzung, Drohung, versuchte Nötigung und Tätlichkeiten vorgeworfen. So soll er seiner Ehefrau gesagt haben, dass er sie töten und sie mit einem Messer erstechen werde, damit sie verblute und qualvoll sterbe. Einmal soll G. gesagt haben, er werde die Tochter entführen. Eine Tätlichkeit soll er begangen haben, als er seine Ehefrau ohrfeigte, als sie die gemeinsame Tochter im Arm hielt.

2010 verfügte das Haftgericht G. ein Kontaktverbot zu Ehefrau, Tochter, Schwager und Schwiegereltern. Zudem wurde er dazu verpflichtet, sich täglich bei der Polizei zu melden und sich vom neuen Wohnort der Ehefrau fernzuhalten.

Pistole und Armbrust

Bei G. wurden nebst Akupunkturnadeln und dem Kristall auch Waffen beschlagnahmt: etwa eine Selbstladepistole, zwei Magazine, 23 Patronen, ein Schulterholster, eine Kleinarmbrust mit Pfeil sowie ein Springmesser.

G. sass zwischen 2005 und 2010 während total 72 Tagen in Untersuchungshaft. Zuletzt war er auf freiem Fuss, weil laut Staatsanwaltschaft keine Gründe für eine U-Haft mehr gegeben waren.

*Name der Redaktion bekannt

Berner Zeitung

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