Hitzige Debatte um Wärmeverbund

Hinterkappelen

Mit einer Planungszone hat der Gemeinderat das Heizen mit Öl und Holz im Kappelenring verboten. Das umstrittene Vorgehen sorgte für Kritik – und hat nun zur Einsprachenflut geführt.

Im Kappelenring herrscht dicke Luft. Dies jedoch nicht nur wegen des Feinstaubs, sondern auch wegen einer umstrittenen Massnahme des Gemeinderats.<p class='credit'>(Bild: Adriana Bella)</p>

Im Kappelenring herrscht dicke Luft. Dies jedoch nicht nur wegen des Feinstaubs, sondern auch wegen einer umstrittenen Massnahme des Gemeinderats.

(Bild: Adriana Bella)

Angefangen hat alles mit dicker Luft. Diese gibt es im Winter in Hinterkappelen oft, weil je nach Wetterlage der Feinstaub aus den Ölheizungen hängen bleibt. Als Reaktion hat der Wohlener Gemeinderat vor einem Monat per sofort eine Planungszone für den Kappelenring erlassen. Seither herrscht dort auch im übertragenen Sinn dicke Luft.

Der Grund: Mit der Planungszone ist es Hauseigentümern für die nächsten zwei Jahre nicht mehr erlaubt, neue Heizungen zu installieren, die Feinstaub ausstossen. Und zwar auch solche, für die es keine Baubewilligung braucht, wie etwa Öl- und Holzheizungen. Das hat in Hinterkappelen nicht nur Kopfschütteln, sondern auch Misstrauen ausgelöst. Denn ausgerechnet für den Kappelenring ist ein Wärmeverbund in Planung, bei dem künftig Energie aus Seewasser gewonnen werden soll.

Ziel der zuständigen Firma Energie 360° ist es, auf die Heizperiode 2018/2019 erste Kunden mit Wärme zu versorgen. Noch sind aber zu wenig Abnahmeverträge unterschrieben, sodass noch nicht definitiv sicher ist, ob das Projekt tatsächlich realisiert werden kann. Kritiker des Vorhabens werfen der Gemeinde nun vor, dass diese mit der Planungszone das Projekt indirekt unterstütze – und damit Hauseigentümer quasi zwinge, einen Vertrag mit Energie 360° abzuschliessen.

Eigentümer wehren sich

«Klar, dass es so ausgelegt werden kann», sagte Wohlens Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus) Ende Juni gegenüber dieser Zeitung. Der Wärmeverbund komme aber auch ohne die Planungszone zustande, betonte er. Diese stehe vielmehr im Zusammenhang mit dem Baureglement, das zurzeit überarbeitet werde, auch auf der Basis des kommunalen Energierichtplans. Darin ist vorgesehen, für den Kappelenring im Interesse der Umwelt und des Klimas Energievorschriften zu erlassen. Mit der Planungszone, so der Gemeinderat, solle verhindert werden, dass Liegenschaftsbesitzer die Ölheizungen ersetzen, bevor das neue Baureglement gilt.

Die Erklärungen des Gemeinderats scheinen bei den Betroffenen allerdings kaum gewirkt zu haben. Im Gegenteil. Anfang dieser Woche ist die Einsprachefrist gegen den Erlass abgelaufen. Laut der Gemeindeverwaltung sind neben vier Einzeleinsprachen Sammeleingaben von insgesamt 77 Personen eingegangen.

Einer der Einsprecher ist Urs Ellenberger. Der Stockwerkeigentümer findet den Wärmeverbund zwar eine gute Idee. Er kritisiert aber, dass beim ganzen Projekt offenbar nur die Firma Energie 360° im Boot ist. «Weil es keine Konkurrenz gab, werden jetzt auch die Preise entsprechend hoch.» Etwa um die Hälfte teu­rer würden die Tarife mit dem ­Wärmeverbund, so Ellenberger. «Deshalb gibt es die Zweifel, den Vertrag zu unterschreiben.»

«Gemeinde schiesst Eigentor»

Dass die Gemeinde nun eine Planungszone erlassen habe, komme einer Zwangsmassnahme gleich. «Sie schiesst damit aber ein Eigentor», ist Ellenberger überzeugt. Denn dadurch würden viele den Vertrag erst recht nicht unterschreiben wollen. Der Widerstand habe seither nochmals zugenommen. Er wisse zudem von mehreren anderen Eigentümern, die sich bereits beraten liessen, um juristisch gegen die Gemeinde vorzugehen.

Dort hält man den Ball derweil flach. Die Einsprachen seien zu erwarten gewesen, sagt Gemeindepräsident Bänz Müller. «Wir werden mit den Einsprechern Verhandlungen führen.» Die Einsprachen hätten aber keine aufschiebende Wirkung. Müller betont, dass es auch positive Rückmeldungen gegeben habe. Er gibt sich deshalb trotz hitziger Stimmung rund um den Wärmeverbund cool: «Wegen der Einsprachen ist jetzt noch kein Feuer im Dach.»

Berner Zeitung

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