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Oldtimer-Ausfahrt in Berns Westen

Im Westen Berns begeisterten am Sonntag über 300 Oldtimer Hunderte von Zuschauern. Am GP-Memorial fuhren auch erfahrene Rennpiloten.

Spektakel in Bern-West: Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer sahen am Sonntag zu, wie historische Autos und Töffs ihre Runden drehten. Hier im Vordergrund ein Monteverdi Hai 450 GTS aus dem Jahr 1970 in der Kategorie Sport- und Tourenwagen 1966–1988.
Spektakel in Bern-West: Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer sahen am Sonntag zu, wie historische Autos und Töffs ihre Runden drehten. Hier im Vordergrund ein Monteverdi Hai 450 GTS aus dem Jahr 1970 in der Kategorie Sport- und Tourenwagen 1966–1988.
Iris Andermatt
Prominente Piloten: Neel Jani (links) mit einem Porsche 550 Spyder, 1957, daneben Martin Hugi mit einem Aston Martin DB GTZ, 1959.
Prominente Piloten: Neel Jani (links) mit einem Porsche 550 Spyder, 1957, daneben Martin Hugi mit einem Aston Martin DB GTZ, 1959.
Iris Andermatt
Rund 350 historische Renn- und Sportwagen starten dann auch am Sonntag auf einem Rundkurs zu Demonstrationsfahrten. Im Bild die Healey Silverstone Sport, 1950.
Rund 350 historische Renn- und Sportwagen starten dann auch am Sonntag auf einem Rundkurs zu Demonstrationsfahrten. Im Bild die Healey Silverstone Sport, 1950.
Iris Andermatt
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Martin Hugi fährt einen Wagen, der seinem Freund gehört. «Ein solches Auto könnte ich mir nie leisten», sagt der 67-jährige ehemalige Berner Werbefachmann. «Da müsste ich schon vier bis fünf Millionen hinblättern.»Es ist ein grüner 1959er Aston Martin DB GTZ, 6 Zylinder, 286 PS.

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr steht die Rarität noch im Fahrerpark beim Westside – und Hugi sitzt mit einigen Hundert Leuten im Food-Court, denn das Fahrerbriefing steht auf dem Programm. 250 Renn- und Sport­wagen sowie 80 Rennmotorräder werden an diesem Tag beim Grand-Prix-Suisse-Berne-Memo­rial starten. Die Strecke führt vom Westside nach Frauenkappelen und über Riedbach und Oberbottigen zurück zum Start.

Shelby Cobra, Chevy Corvette

Die Fahrerinnen und Fahrer kommen aus dem In- und Ausland, und Rennleiter Sepp Ludin erklärt «allen mit Benzin im Blut» die Regeln des GP. Ein Rennen ist es nicht. «Überholen ist verboten», schärft Ludin den Drivern ein. «Die Höchstgeschwindigkeit ist 100 Stundenkilometer, der GP ist kein Freipass für Raserei!» Die Polizei werde Kontrollen machen und jene Fahrer, die sich nicht an die Regeln halten, rausnehmen und büssen.

In Reih und Glied stehen die Boliden auf dem Freigelände, und kurz vor 10 Uhr setzen sich die 69 Fahrer der Kategorie A in ihr ­Gefährt. Sechs weitere Kategorien drehen gestaffelt je 45 Minuten ihre Runden.

Historische Renn-, Sport- und Tourenwagen vom frühen 20. Jahrhundert bis 1988. Hunderte von Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter viele Kinder, bestaunen die Oldtimer. «Papi, schau mal», ruft ein Knirps, «dieser da hat 400 PS», und er zeigt auf einen Shelby Cobra. Der Chevy Corvette nebenan bringt es gar auf 500.

Rauch und hohe Dezibelwerte

Aber wehe, wenn die Oldtimer ­gestartet werden; da steigt jede Menge Rauch auf, und die Dezibelwerte stellen ein Rockkonzert in den Schatten. «Schmöcksch, wies fein nach Bänzin schmöckt?», fragt ein Vater seinen Sohn. Speaker Jürg Strehler erzählt via Lautsprecher zu ­jedem Auto eine Geschichte. Er spricht von «mechanischen Wunder­werken» und von «Öl­sardinen», von Autos, die mehr Öl verlören, als sie Benzin schluckten.

Das Westside ist an diesem Sonntag nicht nur ein Tummelplatz für Motorfans. Kinder vergnügen sich an Spielgeräten, schminken sich, turnen – und spielen Rennfahrer in Kunststoffautos, die mit Muskelkraft auf Tempo gebracht werden können. Hier ist überholen nicht verboten.

Dann schreit plötzlich ein kleiner Junge: «Schau mal, fliegende Autos.» Was sich da am Himmel bewegt, sind zwar keine Autos, aber historische und zeitgenössische Kleinflugzeuge: eine Fieseler Storch aus dem Zweiten Weltkrieg, eine Piper-Staffel, eine Bücker Jungmann. Auch das ­gehört zum Programm des Grand Prix Memorial.

Zwei echte Rennfahrer

Während die Flieger ihre Runden drehen, zwängt sich Martin Hugi auf dem Freigelände in einen Overall, öffnet die Fahrertür zum Aston Martin und setzt sich mal probehalber in das 5-Millionen-Ding.

Dass er mit einem Wagen, der 280 schafft, nur mit Tempo 100 fahren darf, stört ihn nicht im Geringsten. Er hat jahrelang an richtigen Rennen teilgenommen. «Von 1976 bis 1990 bin ich bis Formel 2 gefahren», sagt er. Und 1988 sei er gar Europameister in der Kategorie «Historische Formel 1» geworden.

Den Aston Martin dürfe er nur dank seiner Erfahrung fahren. «Wenn der Besitzer des Wagens einen Mann sucht, der sein Auto nicht zu Schrott fährt, fragt er mich», sagt Martin Hugi und lacht.

«Der beste Rennfahrer hier aber ist mein Nebenmann», meint er. Dieser sitzt in einem Porsche 550 Spyder aus dem Jahr 1957, ein Wagen, der extra vom Porsche-Museum in Deutschland nach Bern transportiert wurde. «Der Fahrer», sagt Hugi, «ist Neel Jani, er hat letztes Jahr das Rennen in Le Mans gewonnen.»

Neel Jani, der gebürtige Berner Seeländer, ist ein bescheidener Typ. «Ich darf dieses Auto nur fahren, weil ich Werksfahrer bei Porsche bin», sagt er. Auch er hat keine Probleme damit, beim ­heutigen Gasgeben zurückhaltend zu sein. «Wenn du mit diesem alten Wagen mit 50 km/h fährst, hast du das Gefühl, 200 draufzuhaben.»

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