Hier schlägt des Heimwerkers Herz höher

Bern

Letztes Jahr entschied die Stadt Bern, die Bauteilbörse aus Spargründen zu schliessen. Nun hat diese eine neue Trägerschaft und einen neuen Standort.

Experten für Werterhaltung: Stefan Tschannen (links) und Tom Schilter von der Bauteilbörse Bern.

Experten für Werterhaltung: Stefan Tschannen (links) und Tom Schilter von der Bauteilbörse Bern.

(Bild: Tanja Buchser)

Christoph Hämmann

Backofen an Backofen, Waschmaschine neben Waschmaschine, Lavabo um Lavabo: In den Gestellreihen der Bauteilbörse Bern schlägt das Herz der Heimwerkerin und des Hausbauers höher. Alle Waren, die ihnen hier zur Auswahl stehen, sind gebraucht.

Der einzige Hinweis darauf ist in der Regel, dass es sich um ältere Modelle handelt – denn die meisten Geräte sehen aus wie neu. Und für eins bürgen die Co-Geschäfts­leiter Tom Schilter und Stefan Tschannen: Wenn sie nicht einwandfrei funktionieren würden, stünden sie nicht hier.

«Wir können bei vielen Geräten sogar eine Garantie geben», sagt Tom Schilter. Dieses nicht unwesentliche Detail ist einer Partnerschaft im Bereich Geräteprüfung zu verdanken – und es ist Ausdruck der Professionalität der Bauteilbörse.

Selbstbewusst sagt Stefan Tschannen: «Wir sind die kundigsten Experten darin, zu entscheiden, ob die Wiederverwendung eines Geräts sinnvoll ist oder nicht.» Jedes Gerät wird geprüft. Fällt beispielsweise die Energiebilanz negativ aus, kommt es nicht in den Verkauf.

Eine Selbstverständlichkeit

Letzte Woche hat die Bauteilbörse Bern an der Frankenstrasse 70 in Bümpliz neue Räume bezogen. Die ehemalige Autogarage bietet 1000 Quadratmeter Platz – mehr als vorher im Könizer Bläuacker. Noch ist nicht alles eingerichtet, für das Eröffnungsfest lassen sich die Betreiber Zeit bis im Frühling.

Trotzdem herrscht Aufbruchstimmung. «Wir streben neue Partnerschaften mit Privaten und mit Gemeinden aus der Region an», sagen die Geschäftsleiter. Schliesslich behaupten doch die meisten Kommunen, «Energiestädte» zu sein. Da müsse es selbstverständlich werden, bei Schulhaussanierungen oder Ersatzneubauten zu schauen, ob sich sanitäre Anlagen und anderes wiederverwenden lasse.

Vor eineinhalb Jahren standen die Zeichen noch auf Abbruch. Wegen Sparmassnahmen des Kantons sah sich die Stadt gezwungen, die Bauteilbörse auf­zugeben (siehe Infobox).

Schliesslich einigte sich die Syphon AG, die in Biel seit sieben Jahren eine Bauteilbörse betreibt, mit dem städtischen Kompetenzzentrum Arbeit auf eine Vereinbarung: Die Syphon AG übernimmt die Bauteilbörse samt Leiterteam, die Stadt unterstützt weiterhin die Anstellung von rund 20 Sozial­hilfeempfängern.

Viele Arbeitsschritte

In der Bauteilbörse werden Langzeitarbeitslose nicht irgendwie beschäftigt, damit sie beschäftigt sind. «Es sind gelernte Berufs­leute, die hier im Büro, als Maler oder als Reinigungsexperte zum Einsatz kommen», sagt Stefan Tschannen.

Insgesamt werden 50 Sozialhilfeempfänger mit unterschiedlichen Pensen beschäftigt, der Umsatz der Börse beträgt 700'000 Franken. Laut Stefan Tschannen fördert die Bauteilbörse die Werterhaltung in der Region Bern gleich auf zwei Arten: «Unser Betrieb nutzt die regionalen Ressourcen sowohl von Arbeitskräften wie von wiederverwendbaren Bauteilen.»

Die Arbeit in der Bauteilbörse könnte kaum sinnstiftender sein. Bei der einen Tür kommen alte Geräte herein, für deren Demontage häufig bereits Angestellte der Bauteilbörse eingesetzt werden.

Bevor die Artikel – fast wie neu – zur anderen Tür wieder hinausgetragen werden, haben viele Hände an ihnen geschraubt, sie geprüft oder restauriert – und gereinigt. «Da holt man am meisten heraus», sagt Tom Schilter. Unversehrter Keramik sehe man nach einem Säurebad nicht mehr an, dass sie schon gebraucht worden ist. Auch bei der Montage am neuen Ort werden Angestellte der Bauteilbörse eingesetzt.

Und die Börse ist auch ein Onlineladen: Büroangestellte fotografieren alle wiederverwerteten Artikel und stellen die Bilder ins Internet.

Berner Zeitung

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