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Hier kommen Tiere unter das Messer

Hinter der Metalltüre neben den Papageientauchern befindet sich die Tierarztpraxis des Tierparks Bern.

Zwei Türen, eine führt zu den Papageientauchern, die andere öffnet Stefan Hoby mit einem Schlüssel. Der Tierarzt geht voraus und macht eine weitere Türe auf. Hinter dieser ist der Operationsraum, in dem heute männliche Tauben sterilisiert werden. Die Tierpflegerin Iris Baumgartner sitzt vor dem OP-Tisch und hält einen Täuberich in den Händen, der eben aus der Narkose erwacht. Der Vogel öffnet die Augen und macht bald einen munteren Eindruck. Baumgartner legt ihn in eine Transportkiste, wo er noch 24 Stunden zur Beobachtung bleibt, bevor er in den Taubenschlag im Turm der Heiliggeistkirche zurück darf. Tauben sind ihrem Standort treu.

Weltweit einzigartig

Seit 2011 kümmert sich der Tierpark Bern offiziell um die Berner Stadttauben. Ein Team impft, beringt, füttert sie und reinigt regelmässig die sechs städtischen Taubenschläge. Damit sich die Vögel nicht unkontrolliert vermehren, werden jährlich rund 50 bis 100 Männchen sterilisiert. Zur Geburtenkontrolle wurden früher den Tauben die Eier aus den Nestern genommen. Oder man hat sie getötet. Heute setzt man auf eine tierfreundliche Methode. «Damit ist Bern weltweit einzigartig», erklärt Tierarzt Stefan Hoby. Die Stadt will den Taubenbestand bei rund 1000 Tieren belassen. Deren Kot können die Sandsteinbauten verkraften. Das Team Stadttauben sorgt dafür, dass es bei dieser Zahl bleibt.

Im Operationsraum des Tierparks wird von Tierarzt Stefan Hoby und Iris Baumgartner eine Taube sterilisiert. Die Operation erfolgt mit einem Endoskop. Bilder: Raphael Moser
Im Operationsraum des Tierparks wird von Tierarzt Stefan Hoby und Iris Baumgartner eine Taube sterilisiert. Die Operation erfolgt mit einem Endoskop. Bilder: Raphael Moser

Instrumente und Narkosegerät für die Operation eines weiteren Täuberichs sind vorbereitet. Sein Geschlecht ist von aussen aber nicht erkennbar, sondern nur mit der endoskopischen Kamera, die in den geöffneten Bauchraum eingeführt wird. «Erst da sehen wir, ob die Taube einen Eierstock und Eileiter hat oder Hoden und Samenstränge», erklärt der Tierarzt.

In der Zwischenzeit hat Iris Baumgartner die Taube mit einem Narkosegas betäubt. Hoby rupft dem schlafenden Tier am Bauch ein paar Federn weg, spritzt ein Schmerzmittel, desinfiziert und schiebt nach einem Schnitt das endoskopische Instrument in den Bauch. Die Taube atmet regelmässig. Die Operation beginnt.

Moderne OP-Methode

Auf einem Bildschirm lässt sich verfolgen, was im Innern der Taube geschieht, die sich nun als Täuberich entpuppt. Stefan Hoby zeigt den Samenstrang, der von einer transparenten Haut eingepackt ist. Diese öffnet er und entfernt mit einer Zange ein Stück des Samenstrangs. Der Bauchschnitt wird genäht, der Täuberich gedreht und auch der rechte Samenleiter durchgeschnitten. Fertig.

Iris Baumgartner nimmt den schlafenden Vogel, hält ihn aufrecht, nach ein paar Minuten öffnet er die Augen und kann sich nun in einer Transportkiste erholen. Der Weg in ein nachwuchsfreies Liebesleben ist frei. Bald wird der Täuberich wieder Weibchen betören. Die Eier, die sie legen, werden nicht befruchtet sein, damit ist der unkontrollierten Taubenvermehrung ein Riegel geschoben.

Stefan Hoby zieht die unscheinbare Türe hinter uns zu und schliesst sie. Wer würde denken, dass sich dahinter ein Operationsraum verbirgt?

Stadttauben Bern: Das Team ist von Mo bis Fr von 8 bis 16 Uhr erreichbar. 079 363 47 88.

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
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Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
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Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
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Beat Mathys
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