Hier kommen 143 Ehejahre zusammen

Köniz

Es muss in der Familie liegen: Ruth Hofer und ihr Bruder Otto Schmied aus Köniz sind je über 70 Jahre mit ihren Partnern verheiratet.

Lange gemeinsame Jahre: Hedwig und Otto Schmied sowie Ruth und Christian Hofer auf dem gemütlichen Sofa im Tilia Köniz (von links). Foto: Iris Andermatt

Lange gemeinsame Jahre: Hedwig und Otto Schmied sowie Ruth und Christian Hofer auf dem gemütlichen Sofa im Tilia Köniz (von links). Foto: Iris Andermatt

Stephan Künzi

Was das Geheimnis einer langen Liebe ist? Ausser, dass man das Glück hat, zu zweit so lange gesund bleiben zu können? «Man muss sich gern haben», stellt Hedwig Schmied fest und lächelt verschmitzt. «Man muss immer miteinander reden», ergänzt Ruth Hofer und lächelt ebenfalls.

Bewegte Kindheit

Die beiden Frauen müssen es wissen. Gemeinsam mit ihren Männern Otto Schmied und Christian Hofer haben sie auf dem Sofa in der Cafeteria des Pflegeheims Tilia in Köniz Platz genommen.

Es ist das erste Wiedersehen nach vielleicht vier, fünf Jahren. Man ist halt nicht mehr so mobil in diesem Alter: Ruth und Christian Hofer haben heuer den 95. Geburtstag gefeiert, Otto Schmied ist 94 und Hedwig Schmied 90 Jahre alt.

Und nicht nur das. Ruth und Christian Hofer blicken auf 73 gemeinsame Jahre zurück, bei Otto und Hedwig Schmied sind es deren 70. Auf dem gemütlichen Sofa haben sich nicht weniger als 143 Ehejahre zu diesem Familientreffen versammelt.

Denn Ruth Hofer und Otto Schmied sind Geschwister. Geboren in Wichtrach, trennten sich ihre Wege nach dem frühen Tod des Vaters schon während der Kindheit.

Sie wuchs im Aargau auf, nahm dann eine Stelle auf einem Hof in der Region Bern an und traf hier auf den Jungbauern Christian aus Köniz. Nach der Heirat zog sie auf seinen Hof und blieb dort, bis vor knapp einem Jahr die Altersbeschwerden den Wechsel ins Tilia unumgänglich machten.

«Es wird je länger, je schöner, schliesslich haben wir jetzt, im Alter, viel mehr Zeit füreinander als früher.»Ruth Hofer  über die langjährige Liebe zu ihrem Christian

Er dagegen wurde in Wichtrach gross, wechselte später in den Grossraum Zürich und kam zur Bahn, wo er als Arbeitskollegen den Vater seiner Hedwig kennen lernte. Er verliebte sich, heiratete und blieb – bis heute, wobei das Alter auch ihm zunehmend zu schaffen macht: Nein, sagt er, selbstständig mit der Bahn zu reisen, klappe nicht mehr. Und ja, auch sie seien vor ein paar Monaten ins Altersheim gezogen.

Das alles erklärt, warum sich Bruder und Schwester heute so selten sehen. Gegenseitige Besuche sind nur noch möglich, wenn die Jüngeren aus der Verwandtschaft mit dem Auto Chauffeurdienste leisten.

Späte Liebeserklärung

Nun macht sich Otto Schmied Gedanken über seine Ehe und landet wieder bei der Bahn. Sie spiele sicher ihre Rolle, sagt er und setzt nun seinerseits ein verschmitztes Lächeln auf. «Als Lokführer bin ich zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs gewesen und auch nicht immer heimgekommen.» Da habe er das eigene Zuhause umso mehr zu schätzen gewusst.

«Es wird je länger, je schöner», fügt Ruth Hofer an, «schliesslich haben wir jetzt, im Alter, viel mehr Zeit füreinander als früher.» In wacher Erinnerung ist auch das gegenseitige Versprechen aus der Hochzeitsnacht, keine Geheimnisse voreinander zu haben.

Es trug durch alle Höhen und Tiefen des Lebens, und noch heute erinnert sie sich an die Worte, die sie nach Jahren von ihrem Christian hörte: «Weisst du, ich nähme dich heute wieder.»

Wenn das keine Liebeserklärung ist.

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