Herumtollen statt still dasitzen

Neuenegg

Tannenbaum, «O du fröhliche», Weihnachtsgeschichte, Samichlaus – und das alles unter freiem Himmel. Die Waldweihnacht Neuenegg bringt das Fest hinaus in die Natur. Das freut vor allem die Jüngsten.

Quentin Schlapbach@qscBZ

«Hallo, ich bin der Traugott», sagt der strahlende Mann und reicht den Passagieren die Hand. So freundlich wird man von einem Busfahrer selten in Empfang genommen. Traugott Vöhringer ist mit seinem Shuttlebus die Anlaufstelle für alle Nichtmotorisierten, die gerne zur Neuenegger Waldweihacht gehen wollen. Das Platzger-Vereinslokal oben in Süri, wo die Fete steigt, ist quasi nur auf vier Rädern erreichbar.

Ausgang mit dem Grosi

In Vöhringers Minibus weihnachtet es bereits sehr. Ein Kinderchor singt festliche Lieder ab CD. An den Strassenrändern winken die Leute, die darauf warten, aufgeladen zu werden. Vorfreude begleitet die Fahrt. Es ist das dritte Mal, dass in Neuenegg unter freiem Himmel Weihnachten gefeiert wird. Urheberin der neuen Tradition ist Pfarrerin Maja Petrus. Sie ist es auch, welche die Gäste in Empfang nimmt. «Gerne einen Tee?», fragt sie, und die kalten Füsse lassen nicht zweimal nachdenken, ob man auf das Angebot eingehen will.

Nach und nach trudeln alle ein. Bei Tee, Punsch oder Glühwein – alles bereitgestellt vom Platzgerverein Ursprung-Bramberg – wird das Jahr rekapituliert. Gross und klein haben zusammengefunden. «Ist es schön, mit dem Grosi auszugehen?», fragt ein älterer Besucher einen Knirps, der von seiner Grossmutter gerade mit Punsch versorgt wird. Der Kleine nickt stürmisch.

«Bisch brav gsi?»

Punkt 17 Uhr ist es endlich so weit. Schweigend begibt sich die Menge den kerzenbeleuchteten Weg entlang Richtung Festplatz. Ein hübsch geschmücktes Weihnachtsbäumchen und die Bramberger Flötenkinder von Ma­rianne Waber nehmen die Besucher in Empfang. Bei einsetzender Dunkelheit wird Messe gehalten. «O du fröhliche», die Weihnachtsgeschichte, «dr Stärn vo Bethlehem» – ein Klassiker folgt dem nächsten. Die Kinderaugen beginnen zu strahlen .

Überhaupt scheint die Waldweihnacht perfekt zu sein für die Kids. Im Gegensatz zur Kirche, wo Stillsitzen und Händefalten gefragt sind, stört es hier niemanden, wenn einer hinten am Geländer herumturnt, der andere wie magisch von den brennenden Kerzen angezogen wird oder zwei Jungs sich huckepack nehmen, um etwas zu sehen. Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Der Samichlaus ist extra vom Nordpol nach Neuenegg ge­kommen, um die Kinder zu beschenken. «Bisch brav gsi?» Die Standardfrage löst bei den Jüngsten immer noch einiges Nervenflattern aus. Aber genickt wird immer.

Berner Zeitung

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