Hemmli-Alarm in Bundesbern

Letzte Woche brannte im Kleiderreinigungsservice im Bahnhof eine Waschmaschine. Die Folge: Vorübergehend dauert es zehn Tage, bis man die sauberen Kleider zurück holen kann. Ein Stich ins Herz der Bundesstadt: Tausende Büroangestellte geraten in unprogrammierten Hemmlistress.

Bild: Max Spring

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Feuerwehrtechnisch tönte alles nach Routinearbeit: Mitten in der Nacht auf Donnerstag brannte wegen Kurzschluss in der Kleiderreinigung 5àsec im Bahnhof Bern eine Waschmaschine.

Die automatische Sprinkleranlage löschte den Brand sofort, verursachte aber auf dem Galeriegeschoss des Bahnhofs eine Überschwemmung, das Wasser tropfte bis hinunter in die Bahnhofhalle. In einem mehrstündigen Nachteinsatz löste die Feuerwehr das Problem, zurück blieb, wie sie in ihrer Mitteilung schrieb, «grosser Sachschaden». Das wird eine Versicherungsangelegenheit, aber sonst: kein Problem. Dachte man.

Tagesordnung ohne gebügeltes Hemd? In Bern undenkbar! Passiert ist bei dem Brand zwar niemandem etwas, aber der Waschservice ist empfindlich beeinträchtigt. Sämtliche Kleider, die in der Brandnacht in der Obhut von 5àsec waren, müssen noch einmal gewaschen werden. Bis jetzt habe man keine Kleider gefunden, die ernsthaft Schaden nahmen, heisst es beim ausnehmend freundlichen Kundendienst.

Aber: Vor dem Brand abgegebene Kleider seien wohl noch bis Ende Woche blockiert. Dazu kommt: Auch der Workflow für neu abgegebene Wäsche stockt, weil die Anlagen gereinigt werden müssen: Vorübergehend muss man rund zehn Tage warten, ehe man seine gereinigten Kleider retour erhält. Eine Bagatelle? Mitnichten! Eine Bürostadt wie Bern ohne professionell gewaschene und gebügelte Hemmli ist wie ein Theater­ensemble ohne Kostüme.

Man konnte am Montag Leute beobachten, die konsterniert abzogen, als sie vergeblich ihre Hemden abholen wollten. Sie geraten in akuten Hemmlistress – wenn in einer Feuerwehrübung in den nächsten Tagen nicht der Dresscode erleichtert wird. In der Stadt Bern gibt es gut 180 000 Arbeitsplätze, mit 25 000 ist die öffentliche Verwaltung der zweitgrösste Sektor.

Nimmt man Geschlechterparität an und zieht ein paar Hemdenverweigerer ab, sind allein in Amtsstuben täglich rund 10 000 Hemden im Einsatz. Auch wenn nur ein Bruchteil den Reinigungsservice beansprucht: Man muss nicht Mathematiker sein, um das epidemische Problem ungereinigter Hemden in der Bundesstadt zu erfassen.

Allerdings ist man da bei 5àsec in erfahrenen Händen: kein fragiles Kleingeschäft, sondern der trommelnde Weltmarktführer im globalisierten Kleiderreinigungsbusiness. 1968 in Marseille gegründet, dominiert 5àsec im Franchiseverfahren die Kleiderreinigung in über 30 Ländern.

5àsec wäscht Hemden im feuchten Rio de Janeiro, im staubigen Jerewan, im abgasbelasteten Moskau. Die Hemmli von Berner Staatsangestellten sind wohl kein besonderer Challenge. Das strahlt auch die Angestellte im Bahnhof Bern aus, die mit heiterer Gelassenheit der Kundschaft das temporäre Serviceproblem erläutert. Kein Problem! (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.10.2017, 07:52 Uhr

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