Hellblau machen

«Mach blau», sagten die Kolleginnen und Kollegen. Der vermeintliche Schoggijob der Woche war anstrengender als gedacht.

Ausschlafen, bis der blaue Tag fast vorbei ist.

Ausschlafen, bis der blaue Tag fast vorbei ist.

(Bild: Fotolia)

Blaumachen ist gar nicht so einfach. Blaumachen impliziert etwas Verbotenes. Wahrscheinlich taucht deshalb bei der Google-Suche nach «blaumachen» auch als Erstes die Website Krankheit-simulieren.de auf. An einem ordentlichen freien Tag kann man nicht blaumachen. Da hat man einfach frei.

Also war schon die Übungsanlage für diesen Text herausfordernd gewählt. Hätte ich tatsächlich so richtig blaugemacht, wäre es sinnvoller, ich würde jetzt nicht darüber schreiben. Oder mein Chef würde es nicht lesen.Ich habe also bestenfalls hellblau gemacht – dabei aber dennoch einige interessante Er­kenntnisse gewonnen.

An einem blauen Tag wache ich auf, bevor der Wecker klingelt. Mit dem Gefühl: Jetzt könnte ich grade aufstehen und joggen / wandern / Bäume ausreissen ge­hen. So unglaublich wach fühle ich mich. Aber nein, rufe ich mich zur Räson, ich kann ja ausschlafen. Nein, ich muss sogar ausschlafen. Es ist meine Pflicht. Sonst hätte ich ja diese Möglichkeit gar nicht ausgekostet. Dumm ist, wenn man trotz der Zwie­gespräche mit sich selber wieder einschläft und, sagen wir mal, erst um 10.30 Uhr wieder aufwacht. Mit einem Anflug von Kopfschmerzen (kein Kaffee) und leichter Panik. Die Sonne scheint, und es ist schon fast Mittag. Was man alles hätte machen können, wäre man tatsächlich um 6.45 Uhr aufgestanden! Joggen, wandern, Bäume ausreissen.

Aber man wollte sich ja entspannen.Einfach in den Tag hin­eintrödeln. Bewusst nicht schon am Vorabend ein Programm festlegen. Die Seele baumeln las­sen. Gopf. Also: Warum nicht im Pyjama frühstücken. Später duschen und Haare waschen. Wobei: Wann, wenn nicht an einem freien Tag hat frau schon Zeit für ein Peeling. Und: Wenn ich vor dem Zmorge eine Wäsche anwerfen würde, wäre sie fertig, bevor ich mich definitiv dem Nichtstun hingeben könnte. Wenn ich aber schon eine Wäsche mache, dusche ich auch vor dem Frühstück. Dann kann ich auch gleich noch das Pyjama in die Trommel schmeissen. Ein wenig muss man ja auch im Effizienzmodus bleiben, schliesslich ruft schon am nächsten Tag wieder der Alltag.

Ich starte also die Wäsche,zwinge mich aber zu einem Zmorge in aller Ruhe. Obschon ich im Hinterkopf habe, dass, möchte ich später eine Fahrt ins Blaue machen, ich doch besser das schnelle Postauto erwischen sollte. Wegen Anschluss in Bern und so. Ausserdem hatte ich vollmundig erklärt, dass ich an meinem freien Tag einkaufen und Abendessen kochen würde. Ich hätte ja schliesslich Zeit und wäre ausnahmsweise vor meinem Mann daheim, der sonst unter der Woche für die Verpflegung sorgt. Das heisst: vor dem Aufbruch ins Blaue ein Rezept auswählen (ich kann nicht ohne Rezept kochen), einen Einkaufszettel schreiben, eine grössere Tasche mitnehmen. Nach einer halben Stunde Kochbücher wälzen bin ich kurz davor, meinem Mann ein SMS zu schicken: Pizza auswärts heute Abend? Einzig mein Stolz verhindert es.

Der blaue Tag endete in einem Anflug von Stress. Als ich end­lich in Basel angekommen war (schöne Stadt, ein bisschen bummeln gehen am Rhein, vielleicht eine Ausstellung, Kafi trinken oder in den Zoo), realisierte ich, dass ich eigentlich schon fast wieder umkehren musste, wollte ich gemütlich das Fischcurry kochen und um 19.30 Uhr parat haben. Und die Wäsche. Die hatte ich bei meinem überstürzten Aufbruch im Tumbler liegen lassen.

«Hattest du einen schönen freien Tag?», fragte mein Mann, als ich um 19.37 Uhr schwung­voll die Teller auf den Tisch stellte. Die Cashewnüsse für die Dekoration ungeröstet – aber das geht auch. «Was hast du ­Schönes gemacht?» Nichts, sagte ich. Ganz erschöpft vom Blau­machen.

Berner Zeitung

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