Kamikaze-Springer im Ringel-Badeanzug

Köniz

Griechische Götter und witzige Tollpatsche: An einer Sprungshow in der Badi Weiermatt in Köniz gaben sich die High Divers und die Flying Pläntschers ein beeindruckendes Stelldichein.

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Kein Zentimeter Platz war frei am Beckenrand der Badi Weiermatt in Köniz, als die Flying Pläntschers und die High Divers am Sonntag zu ihrer Sprungshow ansetzten. Jeder, der schon einmal von einem 3-Meter-Brett gesprungen ist, weiss, wie es ist, in einen gefühlten Abgrund zu blicken. Kennt den Moment, wenn der Magen im freien Fall Richtung Hals rutscht.

Die Kunstspringer und Wasser-Comedians springen sogar aus einer Höhe von 18 Metern mit vielfachen Salti, Schrauben und auf jede erdenkliche Weise dem Überlebenstrieb trotzend elegant ins Wasser. Unwillkürlich schnappt man beim Zuschauen nach Luft und versucht, sich an seinen Erste-Hilfe-Kurs zu erinnern.

Dabei ist es unmöglich, zu sagen, wer mehr beeindruckt: die High Divers – Klippenspringer, die sich in die Tiefe stürzen wie griechische Götter – oder die ­Flying Pläntschers im ehren­werten Jungseniorenalter und im Ringel-Ganzkörperbade­anzug. Mit grossem humoris­tischem Talent fallen diese von den Brettern und haben die ­Sympathien des Publikums ­sofort auf ihrer Seite.

Jahrelange Erfahrung

Die Flying Pläntschers springen mit einem Sonnenschirm oder dem Velo. Oder sie landen nach einem Streit über dem Weintrinken mitsamt Tisch und Stühlen im Wasser. Sie hängen mit den Füssen vom Brett, springen aus ihrer Hose und stolpern mit viel Selbstironie mitsamt einer Leiter, auf die sie zuvor gekraxelt sind, vom Sprungturm. Untermalt wird das Ganze von Comicgeräuschen und den Beats des aus Ibiza bekannten und extra eingeflogenen DJ Santiago Cortes.

Die Zuschauer der gut gelaunten Kamikaze-Springer erleben alle möglichen Arten, von oben nach unten zu kommen. Manche sind mehr, manche weniger elegant, doch alle kunstvoll und von jahrelanger Erfahrung getragen.

«Wir wissen in jeder Sekunde genau, was die anderen denken.»Jean-Marc VogtFlying Pläntschers

Jean-Marc Vogt (62), Mitglied der Flying Pläntschers seit fast der ersten Stunde anno 1974 und organisatorischer Koordinator, freut sich dabei besonders an der Körperbeherrschung.

Denn bei aller gespielten Trotteligkeit ist diese natürlich die Voraussetzung. «Wir sind ein eingefleischtes Team und wissen in jeder Sekunde genau, was die anderen denken», sagt er. Man müsse aber auch flexibel bleiben und immer auch ein wenig ein «kreativer Spinner» sein, um das Programm zu erfinden. Dieses ist zur Hälfte vor der Show entstanden und zur Hälfte spontan.

In einem Alter, in dem sich andere Neurentner an der Gartenarbeit oder der Briefmarkensammlung versuchen, legt Vogt erst so richtig los – wie auch seine ebenfalls geringelten Mit-Pläntscher Marc Benseghir und Gerard Python.

Sie haben den Event vorbereitet und können sich vorstellen, ihn in Zukunft auch noch auszubauen. «Warum nicht an Firmenevents auftreten?», überlegt sich Vogt. Seine Sprünge übt er auf dem Trampolin. Höhenangst hatte er nie.

Alle, die der Sommer am Sonntag in die Weiermatt-Badi getrieben hat, konnten auf jeden Fall eine beeindruckende und sehr unterhaltsame Wassershow er­leben. Auch ohne Erste-Hilfe-Kenntnisse.

Berner Zeitung

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