Heftiger Schlagabtausch nach Abgang von Bern Welcome-Chef

Die Tourismusorganisation der Region Bern trennt sich von Chef Martin Bachofner. Über die Gründe ist ein öffentlicher Austausch von Argumenten entbrannt.

«Der Verwaltungsrat war offen­sichtlich nicht an meiner Sicht als Geschäftsführer interessiert», sagt Martin Bachofner.

«Der Verwaltungsrat war offen­sichtlich nicht an meiner Sicht als Geschäftsführer interessiert», sagt Martin Bachofner.

(Bild: Christian Pfander)

Die im Sommer 2017 gegründete Tourismusorganisation Bern Welcome steckt in ihrer ersten Krise. Der Verwaltungsrat hat sich von Chef Martin Bachofner getrennt. Dies teilte er am Dienstag mit. Der Entscheid darüber fiel bereits am 19. Dezember. Die Trennung erfolgte im Streit.

Martin Bachofner liess den Medien eine Stellungnahme zukommen, in der er seine Sicht der Dinge darstellt. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Bachofner begründet dies mit der Tatsache, dass er und Bern Welcome sich nicht einigen konnten, wie der Abgang kommuniziert wird.

Im Schreiben betont er, dass er den Entscheid des Verwaltungsrats akzeptiere, «obschon ich gerne bewiesen hätte, dass die während meiner gesundheitsbedingten Abwesenheit zusammengetragenen Vorwürfe nach meinem Empfinden falsch waren und allfällige Defizite verbessert beziehungsweise korrigiert hätten werden können.»

Die böse Überraschung

Gegenüber dieser Zeitung schildert Bachofner, wie es zu seiner Absetzung kam. Vom 13. September bis Ende November sei erwegen einer Operation an der Wirbelsäule zu 100 Prozent krankgeschrieben, die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit sei für Dezember geplant gewesen.

«Am 16. November hat mich Verwaltungsratspräsident Marcel Brülhart völlig überraschend» mit konkreten Vorwürfen betreffend meine geleistete Arbeit konfrontiert», sagt Bachofner. Grösstenteils habe es sich dabei um zuvor diskutierte Defizite in der Umsetzung der Strategie gehandelt. «Diese wurden mir auf einmal als schweres Versäumnis zur Last gelegt», so Bachofner. Zudem habe Brülhart ihm gesagt, dass «eine weitere Zusammenarbeit fraglich sei».

Ebenfalls an der Verwaltungsratssitzung vom 29. November seien Beispiele für seine «angeblich ungenügenden Leistungen» erwähnt worden. Auch bei weiteren Gesprächen habe er nicht die Möglichkeit gehabt, sich zu den Vorwürfen zu äussern. «Der Verwaltungsrat war offensichtlich nicht daran interessiert, meine Sicht als Geschäftsführer einzuholen», sagt Bachofner.

Die Version des Präsidenten

Bern-Welcome-Präsident Marcel Brülhart weist die Vorwürfe von Bachofner zurück. Dieser habe die Gelegenheit gehabt, seine Sicht der Dinge darzulegen. Der Verwaltungsrat habe ihn bereits im Sommer wissen lassen, dass er mit der Arbeit von Bachofner nicht vollends zufrieden sei.

Zu den inhaltlichen Differenzen sagt Brülhart: «In den Diskussionen mit Martin Bachofner ging es in erster Linie um die Zukunft. Bei den Gesprächen haben wir festgestellt, dass wir in einigen wichtigen Punkten keine Einigkeit erzielen konnten. Beispielsweise bei der Frage, wie eine neue Organisation wie Bern Welcome aufgestellt und geführt werden soll und wie die Stakeholder in unsere Arbeit einzubinden sind.» Bachofner sieht das anders: «Diese Differenzen existieren nicht. Viele der wichtigen Punkte der Neuausrichtung habe ich ja selbst mit ausgearbeitet.»

Differenzen – laut Marcel Brülhart gab es sie auch bezüglich der Vergangenheit: «Insbesondere das für Bern Welcome zentrale Versprechen, die beteiligten Organisationen und weitere wichtige Interessen aktiv und gleichberechtigt einzubeziehen, wurde bis anhin nicht eingelöst.» Brülhart meint damit, dass Bachofner sich zu wenig aktiv bemüht habe, Plattformen zu schaffen, bei denen an Bern Welcome beteiligte Unternehmen und Organisationen ihre Anliegen einbringen konnten.

Die hohen Erwartungen

Das dürfte der Kern der Sache sein: Bern Welcome wurde im Sommer 2017 mit hohen Erwartungen gegründet. Die Organisation ist die Nachfolgeorganisation von Bern Tourismus. Sie will die Interessen von Unternehmen und Institutionen bündeln und Tourismusangebote entwickeln. Dazu gehören die Hoteliers, die Restaurateure, der Detailhandel, die Anbieter von Kongresssälen sowie Veranstalter wie die Universität. Die Erwartungen an die neue Organisation waren hoch. Vielleicht zu hoch, wie sich jetzt zeigt.

Interimistisch übernimmt nun Bachofners Stellvertreter Sven Gubler die Führung von Bern Welcome. Brülhart wird vermehrt auch operative Aufgaben übernehmen. Beispielsweise bei der Vertretung von Bern Welcome nach aussen. Die Chefstelle soll im Frühling ausgeschrieben werden.

Berner Zeitung

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