So viel verdienen die Berner Topmanager

Wie viel verdienen die Chefs der grössten Berner Unternehmen, und wie stark sind Löhne letztes Jahr gestiegen? Die Übersicht zeigt: Die Topsaläre bleiben stattlich, steigen aber nicht mehr ungebremst.

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Nick und Nayla Hayek überragen alle. Der Chef und die Präsidentin des Uhrenkonzerns Swatch sind mit Abstand die bestbezahlten Führungsleute bei den grössten Unternehmen mit Sitz im Kanton Bern.

Das ergibt eine Auswertung der Geschäftsberichte durch diese Zeitung. Nick Hayeks Gesamtvergütung ist im vergangenen Jahr auf fast 7 Millionen Franken gestiegen. Zum Basislohn von rund 1,6 Millionen Franken hinzu kommen ein Bonus von 3,1 Millionen und Aktienzuteilungen.

7 Millionen Franken sind zwar ein einsamer Spitzenwert im Wirtschaftsraum Bern. Aber unter den Chefs der zwanzig grössten börsenkotierten Konzerne der Schweiz liegt Hayek ziemlich genau im Schnitt. Das hat der Vergütungsberater HCM International errechnet.

Hayeks Gesamtsalär ist 2017 allerdings überdurchschnittlich um über 13 Prozent gestiegen. Dies nach einem Rückgang um gut 10 Prozent im Vorjahr. Ähnlich ist die Entwicklung der letzten beiden Jahre bei der Vergütung für Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek.

Die Topmanager-Löhne im Überblick. Zum Vergrössern hier klicken.

Grundlage für die Erhöhungen 2017 ist, dass das Geschäft des weltgrössten Uhrenkonzerns markant besser läuft. Zuvor hatte Swatch unter einer Nachfrageschwäche aus China gelitten, und Smartwatches wie die Apple Watch stahlen klassischen Uhrenherstellern zeitweise die Show.

Sonderbeitrag für BEKB-Chef

An zweiter Stelle bei den Topvergütungen der Berner Firmenchefs steht nicht mehr Etienne Jornod von Galenica. Denn nach Jahrzehnten an der Spitze verliess er den Apothekenbetreiber und Gesundheitsdienstleister. Dies im Zuge der Abspaltung der Pharmatochter Vifor. Jornod wurde exekutiver Verwaltungsratspräsident der verselbstständigten Vifor, die in St. Gallen ihren Sitz hat. Wie vorher bei Galenica bezieht er knapp 4,2 Millionen Franken, zum Grossteil in Aktien.

Der neue Galenica-Chef Jean-Claude Clémençon erhielt für seine ersten neun Monate nach der Abspaltung von Vifor im April 2017 eine Entschädigung von fast 0,9 Millionen Franken. Für den Vergleich mit Jornod, der ein Doppelmandat hatte, muss die Vergütung des neuen Verwaltungsratspräsidenten Jörg Kneubühler von gut 450'000 Franken einberechnet werden. Zudem fiel mit Vifor ein Teil des Geschäfts weg.

Die VR-Saläre im Überblick. Zum Vergrössen hier klicken.

Auf dem mehrere Jahre von Jornod belegten Platz 2 liegt 2017 ausnahmsweise Hanspeter Rüfenacht. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Berner Kantonalbank hat total 1,931 Millionen Franken gutgeschrieben erhalten. Dies nach 1,003 Millionen im Vorjahr. Das Grundsalär ist zwar leicht gesunken.

Rüfenacht erhielt aber eine Sonderzuteilung von 832'000 Franken wegen neuen Pensionierungsregeln: Neue Mitglieder der Geschäftsleitung werden mit 64 Jahren pensioniert. Bisherige Mitglieder wie Rüfenacht können weiterhin mit 60 bis 63 Jahren in Pension. Die Überbrückungsrente bis zum Alter 65 wurde ihnen aber 2017 abgegolten. Des Weiteren erhielt Rüfenacht fürs Erreichen der Geschäftsziele für die Jahre 2013 bis 2017 eine Prämie von 106'000 Franken.

Lohndruck bei Bundesfirmen

An dritter Stelle der bestbezahlten Konzernchefs folgt Urs ­Schaeppi vom Telecomunternehmen Swisscom mit 1,868 Millionen Franken. Er erhielt 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen gehört zwar mehrheitlich der Eidgenossenschaft. Der Bund mischt sich hier aber nicht so direkt in die Lohnpolitik für die Chefetage ein wie bei anderen Firmen, die vollständig vom Staat kontrolliert werden.

So muss Urs Breitmeier, Chef des Rüstungs- und Technologiekonzerns, eine weitere Lohneinbusse um fast 13 Prozent auf 892'000 Franken hinnehmen. Vor zwei Jahren hatte er noch gut 1,1 Millionen erhalten. Auch SBB-Chef Andreas Meyer und Postchefin Susanne Ruoff müssen sich mit weniger abfinden als noch 2016.

Ende 2016 hatte der Bundesrat in die Wege geleitet, dass bei Post, SBB, Ruag und Co. die Chefboni noch maximal 50 Prozent des Fixlohnes betragen dürfen. Eine Lohnobergrenze von einer halben Million Franken, wie sie der Nationalrat Corrado Pardini (SP, BE) forderte, lehnte der Ständerat allerdings ab.

Der Nationalrat hatte die Motion gutgeheissen. Finanzminister Ueli Maurer verwies in der Debatte darauf, dass der Bund als Eigentümer an den Generalversammlungen auf die Löhne Einfluss nehmen könne. Er sprach laut Nachrichtenagentur SDA von einer Obergrenze von rund 1 Million Franken.

Widerstand bei Meyer Burger

1 Million Franken scheint auch eine Obergrenze für mittelgrosse Industrieunternehmen im Kanton Bern zu sein. So erhielten die Chefs von Feintool, Tornos, Adval Tech, Mikron und Biella zwischen 0,5 und 0,9 Millionen Franken. Der Chef von Meyer Burger, Hans Brändle, verdiente in seinem ersten Jahr auf dem Posten 1,06 Millionen Franken. Sein Vorgänger Peter Pauli hatte 2016, als der Thuner Solarindustrieausrüster eine bedeutende Rekapitalisierung benötigte, rund 995'000 Franken erhalten.

Doch die Generalversammlung verweigerte Anfang Mai dem Vergütungsbericht für 2017 die Zustimmung. So erachtete die Anlagestiftung Ethos Boni bei Meyer Burger angesichts des Jahresverlusts von noch 79 Millionen Franken als unangebracht.

Die Abstimmung über den Vergütungsbericht war zwar nicht verbindlich, und die Toplöhne müssen nicht nachträglich korrigiert werden. Unternehmenssprecherin Ingrid Carstensen betont aber, Meyer Burger habe für die Entschädigung 2018 schon vor der letzten Generalversammlung gewisse Änderungen vorgenommen. «Diese Änderungen galten jedoch nicht für das Jahr 2017.

Sie konnten auch nicht rückwirkend angewendet werden», sagt Carstensen. Entsprechend hätten die Stimmrechts­berater empfohlen, den Vergütungsbericht 2017 abzulehnen. Im Hinblick auf die nächste GV sei Meyer Burger weiterhin im Gespräch mit den Aktionären und den Stimmrechtsberatern. Details zu den vorgesehenen Änderungen nannte sie nicht.

Zur Höhe der Löhne auf der Chefetage heisst es bei Meyer Burger, das Unternehmen habe 2017 bedeutende Fortschritte erzielt, um die Widerstandskraft zu erhöhen und das Geschäft langfristig und profitabel zu entwickeln. Hans Brändle habe einen entscheidenden Anteil daran.

Mit dem Abbau der Produktion in Thun hätten Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zwar Massnahmen getroffen, die für die betroffenen Mitarbeitenden und ihre Familien einschneidend seien. «Sie waren jedoch nötig, um die Zukunft des Unternehmens und der verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern.»

Aufwärtstrend gedämpft

Neben Meyer Burger gab es auch an anderen Generalversammlungen Kritik an den Topsalären und der Begründung dafür. So kamen die Managementvergütungen etwa beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer sowie beim Zürcher Vermögensverwalter GAM nur ziemlich knapp durch.

Fünf Jahre nach Annahme der Abzockerinitiative von Thomas Minder scheint der steile Aufwärtstrend bei den Topmanagersalären definitiv gebrochen. Es gibt nicht mehr automatisch jedes Jahr mehr, sondern die Aktionäre pochen vermehrt auf eine klare Verbindung von Bonus und Geschäftsgang. Das heisst aber nicht, dass Millionensaläre der Vergangenheit angehören. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.06.2018, 06:22 Uhr

Die Kriterien

In der Erhebung erfasst sind die Löhne der Chefs und Verwaltungsratspräsidenten der grössten Unternehmen mit Sitz im Kanton Bern. In einigen Fällen lassen sich die Entschädigungen wegen Wechseln auf den Führungsposten nicht mit dem Vorjahr vergleichen. Und bei Ypsomed entspricht das Geschäftsjahr nicht dem Kalenderjahr. Die Listen sind nicht vollständig.

Denn Vergütungs­berichte veröffentlichen müssen lediglich an der Börse kotierte Gesellschaften. Den anderen ist es für eine vorbildliche Unternehmensführung bloss empfohlen. So bleibt unklar, wie viel die Chefs grosser Firmen wie Ammann Group, CSL Behring, Frutiger, Losinger Marazzi oder Marti verdienen. Die Mobiliar weist das Gehalt des Chefs Markus Hongler nicht einzeln aus. jw

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