Haben Wölfe die Treibhündin totgebissen?

Guggisberg

Auf der Alp Chroneberg wurde eine Treibhündin totgebissen, laut einer Augenzeugin von zwei Wölfen. DNA-Proben sollen Klarheit bringen, ob es tatsächlich Wölfe waren.

Im Gantrischgebiet lebt mehr als nur ein Wolf.

Im Gantrischgebiet lebt mehr als nur ein Wolf.

(Bild: Fotolia)

Alp Chroneberg ob Sangern­boden. Marlen Berger zieht mit ihrer kleinen Nichte und der Treibhündin los auf die Weide, um die Rinder zu holen. Drei bleiben zurück, und die Frau sagt der 4-Jährigen, sie solle die Tiere zum Stall jagen. Die Kleine tut das gekonnt und folgt der Herde zur Alphütte.

Plötzlich jault ­Hündin Lili jämmerlich auf, ­Marlen Berger schaut zurück und sieht zwei Wölfe, die sich in der Hündin verbeissen und mit sich schleppen. Die Frau schreit. Sie rennt den Wölfen nach, die ihr Opfer fallen lassen und flüchten.

Diese Wolfsgeschichte macht derzeit die Runde im Gantrischgebiet. Der Guggisberger Gemeindepräsident Hanspeter Schneiter kennt sie. Auch der ­Jäger Hansruedi Nydegger aus Sangernboden hat sie gehört. «Mehrmals sogar. Ich glaube, in unserem Gebiet sind mehr Wölfe, als man glaubt. Sind sie dann zu zweit, können sie schon angriffig werden», sagt der Jäger.

Ihm sei in letzter Zeit aufgefallen, dass Rehe und Gämsen aussergewöhnlich schreckhaft seien. «Das kann auf die Gegenwart von Raubwild hinweisen.» Insider, die ihren Namen nicht in der ­Zeitung lesen wollen, bestätigen, dass in den letzten Tagen im ­Gebiet Sangernboden zwei Wölfe gesehen wurden.

«Nicht ausgeschlossen»

«Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst», sagt Jagdinspektor Niklaus Blatter. Für ihn ist nicht ausgeschlossen, dass in der Gantrischregion zwei Wölfe leben. «Was die Leute gesehen haben, haben sie gesehen. Aber wir müssen uns an die Fakten halten.» Diese sind aber noch nicht vollständig vorhanden.

An der Bisswunde des toten Hundes wurden fünf DNA-Proben entnommen. «Vier von diesen Proben weisen auf einen Hund hin. Die fünfte steht noch aus», sagt Blatter. ­Offenbar ist die letzte DNA-Probe schwieriger zu analysieren als die anderen. Liegt ein eindeutiges Resultat vor, wird das Jagdinspektorat informieren. Bis es so weit ist, kann es noch dauern.

«Grosser, böser Wolf»

Michael Berger und Nina Matti sind die Besitzer von Hündin Lili. Sie bestätigen die Geschichte, die im Gantrischgebiet kursiert. «Lili war eine sechs Monate alte ­Bergamasker-Border-Collie-Mischung. Sie war jung, gross und stark», sagt Nina Matti traurig und fügt an: «Das Ereignis belastet unser Alpleben, das vorher unbeschwert war.»

Für ­ihre Tochter sei die Geschichte vom grossen, bösen Wolf plötzlich Realität geworden. Gesehen, wie Lili totgebissen worden sei, habe die 4-Jährige zum Glück nicht. Die einzige Augenzeugin der ­Attacke ist Marlen Berger, die Cousine von Michael Berger.

«Meine Tochter hat ihren liebsten Spielkameraden verloren. Jetzt fürchtet sie sich sogar davor, alleine aufs WC zu gehen», sagt ­Nina Matti, die seither auch eine gewisse Ängstlichkeit verspürt und ihr Kind draussen nicht mehr unbeaufsichtigt spielen lässt.

Das Älplerpaar wartet mit Spannung auf das Resultat der letzten DNA-Analyse, die bis jetzt eher nach Hund als nach Wolf aussieht. Aber Nina Matti sagt, was schon Jagdinspektor Blatter sagte: «Was wir gesehen haben, haben wir gesehen.»

Berner Zeitung

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