Gut für das Klima, schlecht für die Nase

Moment mal

Unser Redaktor wählte für seine Reise nach Berlin den klimaschonenden Zug. Was er im ICE-Bahnwaggon der Deutschen Bahn vorfand, war aber ziemlich eklig.

Stinkender Zugwaggon im ICE der Deutschen Bahn: Wegen eines «technischen Defekts» mussten in Frankfurt am Main alle umsteigen (Archivbild).

Stinkender Zugwaggon im ICE der Deutschen Bahn: Wegen eines «technischen Defekts» mussten in Frankfurt am Main alle umsteigen (Archivbild).

(Bild: Keystone)

Zugfahrten sind entspannend und schonen obendrein das Klima. Allzu wörtlich konnte ich den zweiten Punkt bei meiner letzten längeren Reise allerdings nicht nehmen: Neun Stunden sollte die Fahrt im deutschen ICE von Bern nach Berlin gehen, doch bereits beim Einsteigen waberte ein komischer Geruch durch den Wagen.

Ein kurzer Gang zu den beiden Toiletten führte zum Grund dafür. «WC unbenutzbar», verkündete ein gelber Zettel an jeder Tür, derweil der Teppich davor bei jedem Schritt leise flutschte. Aha. Wasser, ausgelaufen aus ganz offensichtlich verstopften Schüsseln.

Eine halbe Woche später die Rückfahrt von Berlin, wieder neun Stunden im ICE – und zufälligerweise wieder im selben Wagen derselben, von einer markanten Sprayerei gezeichneten ICE-Komposition.

Der undefinierbare Geruch war mittlerweile zum ekligen Gestank geworden, und auf dem Teppich im Vorraum hinterliess jeder Schritt eine kleine Pfütze, genau: «WC unbenutzbar», verkündeten die gelben Zettel an den beiden Türen unverdrossen weiter, die Panne war auch nach Tagen nicht behoben.

Diesmal sollte die Fahrt allerdings nicht mehr so glatt gehen. Nach drei Stunden tauchte das Fahrpersonal auf der Höhe von Kassel plötzlich mit rotem Absperrband auf und riegelte den stinkenden, durchnässten Wagen mitsamt dem dahinterliegenden Zugteil ab.

Anderthalb Stunden später war die Reise in Frankfurt am Main gänzlich fertig. Technische Probleme erlaubten die Weiterfahrt nicht mehr, teilte eine Stimme über Lautsprecher nicht – ob die Schwierigkeiten darin bestanden, dass, wie im Zug herumgeboten wird, nun sämtliche WCs ausgestiegen waren, verriet sie nicht.

Die Deutsche Bahn mag auch im Nachhinein nicht Klarheit schaffen. Eine Nachfrage beantwortet die Pressestelle mit ein paar bedauernden, eigentlich aber nichtssagenden Floskeln.

Ähnlich wortkarg geben sich die SBB mit ihrem knappen Hinweis, für den ICE seien die Kollegen in Deutschland zuständig – auch wenn sie die kaputte Komposition zumindest am Mittwoch zur besten Pendlerzeit von Interlaken nach Bern geschickt haben.

Klimaschonend? Das mag diese Reise – zumindest im Vergleich zu einem Flug – ja gewesen sein. Die Nase geschont hat sie aber ganz sicher nicht.

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