Gurnigel-Berghaus geht an die Gemeinde

Riggisberg

Die Gemeindeversammlung diskutierte 90 Minuten, dann sagte sie Ja zum Kauf des Berghauses durch die Gemeinde Riggisberg. Diese verkauft das Ausflugslokal direkt weiter an Bernapark-Investor Hans-Ulrich Müller.

Das Gurnigel-Berghaus geht an die Gemeinde – aber nur vorübergehend.

Das Gurnigel-Berghaus geht an die Gemeinde – aber nur vorübergehend.

(Bild: Raphael Moser)

An der Gemeindeversammlung in Riggisberg sitzen alle, die irgendwie am Gurnigel-Berghaus interessiert sind: Da ist Roland Iseli, ein potenzieller Käufer, der Gemeinderat, der ebenfalls am Kauf interessiert ist, Daniel Baumann von der Gantrischplus AG, die der Gemeinde das Berghaus sofort abkaufen will, etwas, das Hans-Ulrich Müller von der Bernapark AG finanzieren würde. Bei Traktandum zwei steht: Kauf Gurnigel-Berghaus, Kreditantrag. Die Stimmung ist angespannt. Es wird geflüstert, gehustet, mit den Füssen gescharrt.

«Rad nicht neu erfinden»

Gemeindepräsident Michael Bürki (SVP) stellt das Geschäft vor, erklärt, dass Riggisberg als Standortgemeinde ihr Vorkaufsrecht für den Kauf der Liegenschaft einsetzt, weil sie möchte, dass das Restaurant als solches erhalten bleibt. Deshalb sichert sie sich auch im Vertrag mit der Bernapark AG ein 25-jähriges Vorkaufsrecht.

«Wenn der Antrag des Gemeinderats abgelehnt wird, geht das Berghaus an Herrn Iseli», sagt Bürki und bittet die Versammlung um ihr Einverständnis, dass Iseli, Müller und Baumann das Wort ergreifen dürfen. Das wird bewilligt, und Iseli nimmt das Mikrofon, bittet die Versammlung darum, das Geschäft abzulehnen, erklärt seinen Kampf um das Berghaus und betont: «Ich bin überzeugt, dass es klappen würde.» Man müsse das Rad nicht neu erfinden, sondern das bieten, was Gäste in einem Berggasthof wünschen. Iseli kritisiert die geplante Schaukäserei als ­unnötig und die komplizierten Strukturen, «wenn so viele mitreden». Es folgt kräftiger Applaus.

«Kein Konzept»

Ein Mann macht sich für den Vorschlag des Gemeinderats stark, weil Iseli kein Konzept habe und etwas verspreche, was er nicht beweisen könne. Ein Einwohner aus Rüti sieht es anders: «Ich könnte mir vorstellen, dass das etwas wird mit Herrn Iseli.» Er kritisiert auch den «Bubentraum» einer Schaukäserei im Berghaus, weil man diese nicht nur drei Monate betreiben könne. Wieder Applaus.

Hans-Ulrich Müller nimmt das Mikrofon, sagt, es wäre eine Chance, wenn das Geschäft der Gemeinde angenommen würde, wendet sich an Iseli: «Ich mag es dir gönnen, wenn du das Haus kriegst.» Aber es sei wichtig, dass die Bevölkerung hinter dem Geschäft stehe, dem sie zustimmt. Mit der Zusammenarbeit von Gemeinde, Gantrischplus und Bernapark würde Mehrwert geschaffen, alle könnten sich da einbringen, betont Müller. «Dieses Gebiet ist unsere Region, deshalb können wir etwas fertigbringen.» Das brauche allerdings Zeit. Schwacher Applaus.

Einige Zweifel

Eine Frau bezweifelt, dass eine Person wie Iseli allein das Berghaus stemmen könne. Sie empfiehlt die Vorlage der Gemeinde zur Annahme. Leiser Applaus. Grossrat Hans-Jörg Rüegsegger (SVP) meldet ebenfalls Zweifel an Iseli an, meint, das Beste wäre eine Zusammenarbeit der beiden Parteien. «So hätten wir auch gerade einen Wirt.»

Nach weiteren kontroversen und emotionalen Voten beantragt jemand aus der Versammlung: Die Gemeinde solle das Berghaus an Iseli verkaufen statt an Müller. Dafür stimmen 72 Personen Ja, 72 sagen Nein. Es stellt sich aber heraus, dass der Gemeinderat nicht mitgezählt wurde. Nach erneutem Zählen ist der Antrag mit 72 zu 80 Stimmen abgelehnt.

Der Kauf des Berghauses durch die Gemeinde und die Weitergabe an Hans-Ulrich Müller kommt dann klar durch. Von den Anwesenden stimmen 94 Personen Ja, 54 Nein. Ebenso der Kaufpreis von 620 000 Franken abzüglich der Sanierung der Wasserversorgung zu 150 000 Franken. Das Traktandum zwei ist nach 90 Minuten abgeschlossen. Die Gäste gehen, die Versammlung geht weiter.

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