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Gurlitt-Erbe: Kunstmuseum Bern dementiert

Ist der Entscheid gefallen? Gemäss einem Bericht hat das Kunstmuseum Bern sich für die Annahme der Sammlung Gurlitt entschieden. Das Museum widerspricht.

Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen: Cornelius Gurlitt im November 2013.
Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen: Cornelius Gurlitt im November 2013.
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Reporter der französischen People-Presse spürten den scheuen Einzelgänger zuerst auf: Gurlitt in einem Einkaufszentrum in München-Schwabing am 8. November 2013. (Screenshot «Paris Match»)
Reporter der französischen People-Presse spürten den scheuen Einzelgänger zuerst auf: Gurlitt in einem Einkaufszentrum in München-Schwabing am 8. November 2013. (Screenshot «Paris Match»)
Dukas
...sowie von Marc Chagall lagerten neben Müll in der Wohnung von Cornelius Gurlitt.
...sowie von Marc Chagall lagerten neben Müll in der Wohnung von Cornelius Gurlitt.
Keystone
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Das Kunstmuseum Bern soll offenbar das umstrittene Erbe des verstorbenen deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt annehmen. Dies zumindest berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Freitagmorgen. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) beruft sich auf eine ihr verlässlich erscheinende, namentlich nicht genannte Quelle in Berlin, wie eine Anfrage ergab.

Weder das Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) noch das Kunstmuseum Bern bestätigten jedoch die Information am Freitag. Das Kunstmuseum verschickte am Freitagmittag ein «Demento» in Form einer kurzen Pressemitteilung.

Darin hält die Museumsleitung fest, die Entscheidung des Stiftungsrates des Kunstmuseums Bern stehe noch aus und werde am Montag, 24. November 2014, in Berlin an einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Deutschen Behörden kommuniziert.

Schwieriges Erbe

Dem Entscheid gingen monatelange Verhandlungen des Museums mit Deutschen Behörden voran. Dabei ging es um Fragen von internationaler Brisanz, denn zur Erbschaft gehört eine mutmasslich millionenschwere Kunstsammlung, der Raubkunstverdacht anhaftet.

Wer auch immer das schwere Erbe antritt, wird komplizierte ethische und rechtliche Fragen zu klären haben. Das Konvolut von rund 1600 teilweise namhaften Kunstwerken muss auf Raubkunst hin untersucht und aufgearbeitet werden. In Deutschland hat eine Taskforce damit begonnen.

Dass das Berner Museum das Erbe antreten dürfte, war in den letzten Monaten von verschiedenen Kunstexperten als wahrscheinlich angesehen worden. Weil sich die Parteien monatelang zum Fall Gurlitt ausschwiegen, wurden Mutmassungen angestellt.

Demnach soll die Herkunftsforschung in Deutschland verbleiben und die unbedenklichen Bilder nach Bern überstellt werden. Werke der sogenannten «entarteten Kunst» sollen an die Museen zurückgehen. Das Museum selber äusserte sich freilich nie dazu.

Das Kunstmuseum Bern hat sich mit dem Entscheid über den Antritt des schwierigen Erbes Zeit gelassen und die vom Deutschen Gesetz verordnete Frist praktisch ausgeschöpft. Der Entscheid ist eine delikate Angelegenheit von internationaler Brisanz.

Fund gilt als Weltsensation

Zusammengetragen wurde die Kunstsammlung nicht von Cornelius Gurlitt, sondern von seinem Vater Hildebrand, einem bevorzugten Kunsthändler des Nazi-Regimes. Die Sammlung umfasst rund 1600 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken. Mutmasslich enthält das Konvolut auch Raubkunst, «entartete Kunst» und Werke, die ihre Besitzer in der Not des Zweiten Weltkriegs weit unter Wert verkaufen mussten.

Sohn Cornelius hortete die Kunstwerke nach dem Tod des Vaters verschwiegen in seinen eigenen vier Wänden. Eher zufällig stiessen die Behörden auf den riesigen Kunstschatz, den der gebrechliche Rentner in einer Privatwohnung in München hortete.

Die Öffentlichkeit erfuhr vor rund einem Jahr von der Existenz der ebenso illustren wie umstrittenen Kunstsammlung. Die Weltpresse überschlug sich förmlich und sprach von einem sensationellen Jahrhundertfund mit Milliardenwert. Inzwischen dürfte sich diese Einschätzung relativiert haben.

Die Sammlung wurde beschlagnahmt. Kurz vor seinem Tod willigte der gebrechliche Gurlitt ein, die Sammlung aufarbeiten zu lassen und Raubkunst berechtigten Anspruchstellern zurückzugeben.

Daraufhin sollte Gurlitt seine Bilder zurückerhalten. Diesen Tag erlebte er aber nicht mehr. Im Mai starb er 81-jährig. Als Alleinerben setzte er testamentarisch das Kunstmuseum Bern ein. Dort fiel man aus allen Wolken, hatte die Institution nach eigenen Angaben doch nie mit Gurlitt in Kontakt gestanden.

Im Falle einer Annahme der Erbschaft wolle sich das Kunstmuseum Bern an die Washingtoner Prinzipien zur Rückgabe von NS-Raubkunst halten, betonte Museumsdirektor Matthias Frehner in den letzten Monaten verschiedentlich. Diese Prinzipien verpflichten zur Identifizierung und Rückgabe von Raubgut an berechtigte Anspruchsteller.

Chance oder «Giftschrank»?

Mit der Übernahme der belasteten Erbschaft verbinden sich Chancen und Risiken. Experten heben hervor, dass Bern mit der Aufarbeitung des Gurlitt-Erbes die Chance erhalte, internationale Massstäbe bei der Aufarbeitung von Raubkunst zu setzen. Andere warnen, diesen «Giftschrank» zu öffnen.

Der Präsident des jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder warnte vor einigen Wochen das Kunstmuseum Bern, das Gurlitt-Erbe voreilig anzunehmen. Das Museum öffne eine «Büchse der Pandora» und werde eine Prozesslawine auslösen.

SDA/cla

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