Guisanplatz: Langes Warten wegen leerer Trams

Bern

Das Nüüni-Tram am Guisanplatz ist ein Ärgernis für Auto- und Velofahrer. Weil das Tram neu bis zum Bahnhof Wankdorf fährt, blockiert es die Kreuzung doppelt so häufig wie früher.

Wenige transportiert, aber viele blockiert: Das Nüüni-Tram sorgt am Guisanplatz für lange Warteschlangen. Auch wenn das Tram oft fast leer ist.

Wenige transportiert, aber viele blockiert: Das Nüüni-Tram sorgt am Guisanplatz für lange Warteschlangen. Auch wenn das Tram oft fast leer ist.

(Bild: Urs Baumann)

Seit anderthalb Jahren fährt das Tram 9 nicht mehr nur bis zum Guisanplatz, sondern weiter bis zum S-Bahnhof Wankdorf. Das heisst: Es fährt doppelt so häufig über den Platz wie früher. Und darüber regen sich Auto- und Velofahrer auf. «Oft müssen Auto- und Velofahrer drei Trams abwarten, bis sie Grün erhalten.» Und: «Dauernd behindert das Tram den Verkehr.» Das finden nicht nur einzelne Ungeduldige. Auf der interaktiven Karte, auf welcher BZ-Leser Verkehrsprobleme eintragen können, ist das Tram am Guisanplatz eines der grössten Ärgernisse.

Was in diesem Fall die Gemüter besonders erhitzt: Die Trams, welche die langen Wartezeiten Verursachen, sind häufig fast leer. Denn die Verbindung zwischen Guisanplatz und Wankdorf-Bahnhof ist für die meisten Leute zu wenig attraktiv. Pendler, die im Wankdorf arbeiten, nehmen nämlich sowieso den Zug. Dieser ist in 2 bis 3 Minuten vom Hauptbahnhof im Wankdorf. Mit dem Tram braucht man 15 Minuten.

Bernmobil umwirbt mit einem Flyer zur Tramverlängerung deshalb eine andere Kundschaft: nämlich jene Pendler, die mit der S-Bahn anreisen und im Breitenrainquartier arbeiten. «Für sie ist die neue Verknüpfung durchaus attraktiv», sagt Bernmobil-Sprecherin Tanja Flühmann.

Allerdings betrifft dies nur S-Bahn-Reisende, und nur solche, die in der Nähe des Guisanplatzes arbeiten. Solche Pendler können etwa 3 Minuten sparen, wenn sie im Wankdorf aufs Tram umsteigen. Doch schon wer näher beim Viktoriaplatz arbeitet, steigt besser im Hauptbahnhof aufs Tram um oder nimmt ab Bahnhof Ostermundigen den Bus.

Sechs Passagiere im Schnitt

Nicht einmal für Veranstaltungen im Wankdorfstadion taugt die Verlängerung der Tramlinie: Während Fussballspielen oder bei grossen Konzerten im Stadion muss Bernmobil wegen der vielen Leute den Trambetrieb zwischen Guisanplatz und Bahnhof Wankdorf sowieso einstellen. Einzig während Messen auf dem BEA-Gelände profitieren einige Besucher von einer schnelleren Verbindung – allerdings nur solche, die mit der S-Bahn anreisen.

Wenn die Auto- und Velofahrer am Guisanplatz auf Grün warten und dabei leere Trams vorbeifahren sehen, stellen sich wohl einige die Frage: Warum muss hier im 6-Minuten-Takt ein Tram fahren, das wenigen nützt und viele ärgert? Wäre ein Bus, der weniger häufig fährt, nicht einfacher und günstiger? Bernmobil findet: «Mit einem Bus würde die Verbindung vom Breitenrain auf die S-Bahn beim Bahnhof Wankdorf unattraktiver. Denn man müsste zusätzlich umsteigen.»

Allerdings räumt Bernmobil auch ein, dass die Auslastung dieser Verbindung nicht sehr gut ist. Im Vergleich mit anderen Linien liege sie «im Mittelfeld». Konkret: Im Schnitt befördert Bernmobil pro Fahrt an einem Werktag gerade mal sechs Personen vom oder bis zum Bahnhof Wankdorf.

«Nachfrage steigt»

Flühmann sagt: «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage noch steigen wird.» Es dauere zwei Jahre, bis sich Pendler an ein neues Angebot gewöhnt hätten. Sie betont ausserdem einen weiteren Vorteil der neuen Verbindung. Nämlich, dass die Pendler via Wankdorf-Bahnhof den Hauptbahnhof umfahren könnten.

Markieren Sie Ihre Verkehrsärgernisse auf unserer interaktiven Strassenkarte.

Berner Zeitung

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