Gürbetal: Nur die kleinere Fusion hat Sinn

Kaufdorf, Kirchenthurnen, Lohnstorf, Mühlethurnen und Toffen werden wohl nicht fusionieren. Grund dafür sind Doppelspurigkeiten und eine drohende Steuererhöhung. Nun wird ein Zusammenschluss im kleineren Rahmen vorbereitet.

Keine Grossfusion der Gemeinden im Gürbetal.

Keine Grossfusion der Gemeinden im Gürbetal.

(Bild: Andreas Blatter)

Toffen hat gut 2500 Einwoh­nerinnen und Einwohner. Viele orientieren sich in Richtung Belp, zum Beispiel beim Einkaufen. Finanziell steht Toffen gut da: Die Gemeinde hat viel Eigenkapital und einen Steuerfuss (1,60), der zwar nicht zu den tiefsten, aber bei weitem auch nicht zu den höchsten zählt.

«Wir können unsere Aufgaben gut erfüllen», sagt Gemeindepräsidentin Ruth Rohr. Trotzdem war Toffen bereit, eine Fusion zu prüfen – zusammen mit Kaufdorf, Kirchenthurnen, Mühlethurnen und Lohnstorf.

Alle fünf Gemeindeversammlungen sprachen sich im Juni für die Fusionsabklärungen aus. Es wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die am Freitag ihren Schlussbericht veröffentlicht hat. Das Verdikt ist eindeutig: Eine Fünferfusion macht wenig Sinn.

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Steuererhöhung: Nein, danke!

Die Verflechtung der fünf Gürbetaler Gemeinden ist kompliziert. Die einen spannen zum Beispiel beim Sozialdienst mit Belp zusammen, die anderen mit dem Sozialdienst Riggisberg. Mit einer Fünferfusion würde einiges komplizierter, und es würden «langfristig Doppelspurigkeiten bestehen», hält die Arbeitsgruppe fest. Für Toffen hätte eine Fusion zudem eine Steuererhöhung zur Folge – «ohne dass wir viel davon hätten», sagt Ruth Rohr.

Dass nichts aus der Fünferfusion werde, sei schade, erklärt der Kaufdorfer Gemeindeschreiber Urs Grünig. Doch Kaufdorf werde auch so weiterfunktionieren. Es fänden sich genug Leute, die ein öffentliches Amt übernähmen. Und die Gemeindefinanzen seien im Lot. «Wir haben keinen Leidensdruck.»

Drei statt fünf

Am 4. Dezember entscheiden die fünf Gemeindeversammlungen, wie es weitergeht. Sagt auch nur eine Nein zum Zusammenschluss, und davon ist nach dem Verdikt der Arbeitsgruppe auszugehen, ist die Fünferfusion gestorben. Kaufdorf und Toffen würden sich in diesem Fall auch nicht nach neuen Fusionspartnern umsehen.

Anders Mühlethurnen, Kirchenthurnen und Lohnstorf. Die drei oberen, ländlicheren Gemeinden wollen eine Dreierfusion prüfen – falls das Volk am 4. Dezember Ja sagt zu weiteren Abklärungen. Zwischen diesen drei Gemeinden gebe es schon heute viele Berührungspunkte, erklärt der Lohnstorfer Gemeindepräsident Fritz Harri.

Die Feuerwehr führen sie ebenso gemeinsam wie die Abfallsammelstelle und teilweise auch die Schule. «Mit einer Fusion könnte einiges einfacher werden», so Harri. Zudem würde das Personalproblem gelöst, denn: «Es wird immer schwieriger, Leute für den Gemeinderat zu finden.»

«Bessere Chancen»

Die Mühe, alle politischen Ämter zu besetzen, kennt auch Kirchenthurnen. Gemeindeschreiberin Lilo Schindler erinnert daran, dass ein Gemeinderatssitz über ein Jahr lang vakant gewesen sei. Deshalb hat sich der Kirchenthurner Gemeinderat dafür ausgesprochen, die Dreierfusion zu prüfen.

Ebenso der Mühlethurner Gemeinderat. «Dass eine Fünferfusion wenig Sinn macht, hat sich rasch abgezeichnet», sagt Mühlethurnens Gemeindepräsident Christian Kneubühl. Der Dreierfusion gibt er deutlich bessere Chancen.

Der Zusammenschluss von Mühlethurnen, Kirchenthurnen und Lohnstorf würde frühestens auf Anfang 2020 Tatsache. Vorher muss das Volk allerdings noch dreimal Ja sagen: am 4. Dezember zu den weiteren Abklärungen, 2018 zum Grundsatzbeschluss und 2019 bei der finalen Abstimmung.

Berner Zeitung

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