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Gucci ist hier gebraucht willkommen

Nadia Steiger Santuomo hat ein kleines Imperium für Secondhandkleider aufgebaut. Mit Läden in Bern und Ostermundigen.

Nadia Steiger: «Neue teure Kleider konnte ich mir nicht leisten.»
Nadia Steiger: «Neue teure Kleider konnte ich mir nicht leisten.»
Stefan Anderegg

Manchmal spricht Nadia Steiger Santuomo jemanden spontan auf der Strasse an. «Sie haben tolle Kleider», sagt sie und fragt: «Was machen Sie damit, wenn Sie sie nicht mehr tragen?» Je nachdem steckt sie dann eine Karte mit den Telefonnummern ihres Geschäfts zu.

Und wenn sie Glück hat, bekommt sie bald eine Tasche voller gut erhaltener Kleider, die sie verkaufen kann. Secondo heisst ihr Geschäft, das wächst und wächst. 2001 übernahm sie den ersten Secondhandladen in Ostermundigen, 2007 kam einer beim Zytglogge dazu.

An der Rathausgasse 34 folgte vergangenen Monat die Eröffnung des dritten Ladens. Das neue Lokal ist mehr moderne Boutique als verstaubte Brockenstube. Accessoires aller Art sind hier zu finden, von der Gucci-Armbanduhr bis zur alten Zeigerwaage, die nun als Kerzenständer dient. Die Hauptsache sind aber Kleider von H&M bis Tom Ford, von 7.90 Franken für ein einfaches Top bis 1000 Franken für einen seidenen Herrenanzug.

Im hinteren Teil des Lokals hat Nadia Steigers Mann Markus einen «Butterbrot»-Shop mit Stühlen aus den 70er-Jahren und anderen Möbeln eingerichtet. Im gleichen Raum eröffnet die 21-jährige Tochter Delia am 1.Februar einen Coiffeursalon.

«Reich wird man nicht»

Secondhand ist im Trend. Läden gibt es fast an jeder Ecke. Auch Promis stehen auf Vintage: Schauspielerin Reese Witherspoon schreitet regelmässig in Secondhandroben über den roten Teppich, und Hollywoodstar Keira Knightley trug sogar bei ihrer Hochzeit ein gebrauchtes Kleid. Nadia Steiger ihrerseits entdeckte die Liebe zu getragenen Kleidern bereits früher.

Kleider, Taschen und Schuhe hätten sie von jung auf fasziniert, erzählt die 46-Jährige, die eine Verwaltungslehre machte und danach in verschiedenen Büros arbeitete. Neue teure Klamotten hätte sie sich kaum leisten können, getragene schon. «Dieser Wintermantel zum Beispiel» – sie zeigt ein Modell der Marke Moncler – «kostet neu über 1000 Franken, Secondhand gibt es ihn ab 400 Franken.»

Nadia Steiger verkauft alle Kleider in Kommission, die Zuliefererinnen erhalten 40 Prozent des Verkaufspreises. Den Jahresumsatz ihrer Läden will die Geschäftsfrau nicht verraten. «Aber Sie können mir glauben, reich wird man nicht.» Inzwischen beschäftigt sie fünf Teilzeitangestellte und zwei Schülerinnen im Wochenplatz.

Es begann in Ostermundigen

Heute wohnt Nadia Steiger in der Stadt Bern. Früher war sie an der Bernstrasse in Ostermundigen daheim und besuchte regelmässig den Secondhandladen auf der anderen Strassenseite. Irgendwann begann sie als Verkäuferin auszuhelfen, vor 13 Jahren übernahm sie das Geschäft. Dass irgendwann weitere Läden dazukommen, hat sie nicht geplant. «Es waren einfach Gelegenheiten, bei denen ich nicht Nein sagen konnte.»

An allen drei Standorten arbeitet sie nach wie vor mit, zudem sortiert sie alle angelieferten Kleider selber. Lange nicht alle Stücke schaffen es in die Läden. Und die, die es schaffen, aber nach drei Monaten noch nicht verkauft sind, werden hinuntergeschrieben. Wenn sie auch dann keine Käuferin finden, gehen sie zur Berghilfe oder nach Madagaskar.

So gibts in den Läden immer wieder Platz für neues Gebrauchtes. Sie habe mittlerweile viele Leute, die regelmässig Kleider anlieferten, sagt Nadia Steiger. Deshalb spricht sie heute seltener jemanden auf der Strasse an als noch vor ein paar Jahren.

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